Allbekannt ist das sogenannte Sendschreiben des Freiherrn von Stein. Man hat daraus die Meinung gefasst, dass die später eintretende Reaktionsperiode sich den im Sendschreiben ausgesprochenen Grundsätzen entfremdet und einer anderen Sinnesart zugewendet habe, so dass der Liberalismus vom Jahre 1808 nach kurzer Dauer in einen bis auf unsere Tage hinausgezogenen Schlaf gesunken sei. An dem angeblichen Verkennen jener Prinzipien lässt sich jedoch zweifeln, und es müsste auch schon äusserlich sehr auffallend erscheinen, dass dieselben kraftvollen Menschen, welche wenige Jahre zuvor unter den stürmischsten Umständen eine freisinnige Ansicht aufstellten,
kurz darauf so ohne weiteres von ihr abgefallen sein sollten,
um einen entgegengesetzten Weg einzuschlagen. Hat man es doch
endlich erkannt, dass die langgehegte Meinung, die französische
Revolution sei durch das Umschlagen der napoleonischen Kaiserherrschaft
sich selbst untreu geworden, auf einem Urteil und oberflächlichen
Urteil beruhe; warum sollte nun nicht zwischen dem Stein'schen
Liberalismus und der späteren, sogenannten Reaktion ein ähnlicher
Zusammenhang stattfinden? Sehen wir das Sendschreiben daraufhin
etwas näher an.
Zwei Zielpunkte hat, wie sogleich in die Augen springt, Stein mit der
französischen Revolution gemein, nämlich die Gleichheit
und Freiheit, und es kommt nur darauf an, wie er die eine
und andere bestimmt.
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Was zunächst die Gleichheit betrifft, so erkannte er, dass die Übermacht der um ihres Standes willen Bevorzugten, der Privilegierten, gebrochen werden, und an die Stelle der Vielherrschaft eine vollständige Zentralisation treten müsse. Daher sollte diejenige "Erbuntertänigkeit", welche über die Untertanen des einen Herrn, des Königs, noch viele kleinere Herren herrschen liess, ein Ende nehmen; nur die Eine Erbuntertänigkeit Aller sollte bleiben und gerade durch die Entsetzung der vielen Herren gestärkt werden. Gleicherweise sollte die "Polizeigewalt" Einzelner verschwinden, damit Eine Polizei über alle Untertanen wache. Die
"Patrimonialgerichtsbarkeit", wenigen durch alte Gerechtsame Bevorzugten gehörig, sollte durch Eine Monarchische Justiz abgelöst werden, und die Richter allein "von der höchsten Gewalt abhängen." Durch diese Zentralisation wird das Interesse Aller auf einen Punkt hingezogen, auf den König: man ist fortan nur ihm untertan, ohne sonstige Erbuntertänigkeit gegen andere Untertanen des Königs; man steht nur unter Seiner Polizeigewalt; man empfängt nur von fürstlicher Justiz den Rechtsspruch; man hängt nicht mehr vom Willen der "höher Geborenen" ab, sondern allein von dem der "höher Gestellten", d. h. derer, welche der König, um seinen Willen
zu vollziehen, an seiner Statt einsetzt und über diejenigen stellt, für
welche sie in seinem Namen zu sorgen haben, der - Beamten. - Die
Lehre von der Gleichheit, wie sie in dem Sendschreiben
vorliegt, kommt also darauf hinaus, alle auf das gleiche
Niveau der Untertänigkeit zu bringen. Kein Untertan des Königs
sei in Zukunft zugleich der Untertan eines Untertanen;
die Standesdifferenzen der Abhängigkeit seien ausgeglichen,
und Eine Abhängigkeit die allgemeine.
(Seite 119:)
Diesen Grundsatz der Gleichheit kann man unmöglich mit dem
der französischen Revolution verwechseln. Die letztere verlangte
eine Gleichheit der Bürger, die des Sendschreibens
eine Gleichheit der Untertanen, eine gleiche Untertänigkeit.
Einen geeigneten Ausdruck findet jener Unterschied auch darin,
dass die im Sendschreiben verlangte "Nationalrepräsentation"
die "Wünsche" der nivellierten Untertanen vor den
Thron bringen soll, während in Frankreich die Bürger
mittels ihrer Repräsentanten einen "Willen", freilich
nur einen Bürgerwillen, keinen freien, haben. Der "Untertan"
darf mit Recht nur "wünschen."
Zweitens will aber das Sendschreiben nicht bloss die Gleichheit,
es will auch die Freiheit aller. Daher der Aufruf: "Sorget,
dass jeder" (mit diesem Worte wird die Gleichheit
der Untertanen ausgedrückt) "seine Kräfte frei
in moralischer Richtung entwickeln könne." In moralischer
Richtung? Was soll das heissen? Als Gegensatz kann die physische
Richtung nicht gedacht werden, da das Sendschreiben ein "physisch
und moralisch kräftigeres Geschlecht erzielen will."
Auch die intellektuelle Richtung wollte man wohl schwerlich von
der moralischen ausschliessen, da man die Wissenschaft ja möglichst
begünstigte. Am einfachsten bleibt als Gegensatz der moralischen
die unmoralische Richtung übrig. Unmoralisch ist aber ein
Untertan, wenn er aus dem Kreise seiner Untertanen-Eigenschaften
hinausgeht. Ein Untertan, der im Staatsleben, in der Politik sich
einen "Willen" anmasste statt des "Wunsches",
der wäre offenbar unmoralisch; denn in der Untertänigkeit
besteht allein der moralische Wert des Untertanen: im Gehorsam,
nicht in der Selbstbestimmung. So scheint also die "moralische
Richtung" sich für unvereinbar mit
(Seite 120:)
der "spontanen Richtung", der Richtung auf den freien
Willen, auf Selbständigkeit und Souveränität des
Willens zu erklären, und da das Wort "moralisch"
auf die Verpflichtung hindeutet, so wird man wohl eine
Erweckung des Pflichtgefühls gewollt und dies unter "freier
Kraftentwicklung" verstanden haben. "Ihr seid frei,
wenn ihr eure Pflicht tut!" ist der Sinn der moralischen
Richtung. Worin besteht aber die Pflicht? Das Sendschreiben drückt
sie klar und bestimmt mit den zur Devise gewordenen Worten aus:
"ln der Liebe zu Gott, König und Vaterland!" Frei
in moralischer Richtung entwickelt sich, wer sich zu dieser Liebe
entwickelt; der Erziehung war dadurch ihr bestimmtes Ziel gesteckt,
sie war von Stund' an eine moralische oder loyale,
eine Erziehung des Pflichtgefühls, wohin natürlich
auch die religiöse Erziehung gerechnet werden muss, weil
auch sie die Pflicht gegen Gott einprägend, nichts
anderes als eine moralische Erziehung ist. Und allerdings ist
man moralisch frei, sobald man seine Pflicht erfüllt; das
Gewissen, diese Gewalt der Moralität über die Immoralität,
die Gebieterin des moralischen Menschen, sagt dem pflichtgetreuen
Menschen, dass er recht gehandelt habe: "Mein Gewissen sagt
mir's!" Darüber freilich, ob die befolgte Pflicht wirklich
- Pflicht sei, sagt das Gewissen nichts; es spricht nur, wenn
das, was für Pflicht gilt, verletzt wird. Daher empfiehlt
das Sendschreiben, das Gewissen zu wecken, die Pflicht "gegen
Gott, König und Vaterland" einzuschärfen, den religiösen
Sinn des Volkes zu beleben und die Erziehung und den Unterricht
der Jugend zu pflegen. - Dies ist die Freiheit, mit welcher nach
dem Sendschreiben das Volk beglückt werden soll: die Freiheit
in der Pflichterfüllung, die moralische Freiheit.
(Seite 121:)
Wie oben die Gleichheit des Sendschreibens von jener, welche
die französische Revolution verkündigte, sich wesentlich
unterschied, so hier die Freiheit. Frei ist der souveräne
Bürger des souveränen Volkes - so lehrte die Revolution;
frei ist, wer Gott, König und Vaterland liebt - so lehrt
das Sendschreiben: dort ist der souveräne Bürger frei,
hier der liebevolle Untertan, dort bürgerliche Freiheit,
hier moralische.
Und dieses Prinzip der Gleichheit und Freiheit als - Untertanengleichheit
und moralische Freiheit war nicht etwa nur der Sinn jenes Sendschreibens
und seiner Verfasser, sondern es war das herrschende Gefühl
des gesamten Volkes, war das neue begeisternde Prinzip
selbst, mit welchem es gegen die napoleonische Übermacht
anstürmte: es war die revolutionäre Freiheit und Gleichheit,
umgewandelt zur christlichen Freiheit und Gleichheit. Es
war mit einem Wort das Prinzip des deutschen und insbesondere
des preussischen Volkes von seiner Erhebung gegen die Fremdherrschaft
an, durch die sogenannte Reaktions- oder Restaurationsperiode
hindurch bis - nun bis es ein Ende hat. Deshalb muss man die Meinung,
als hätte ein politischer Freiheitsdrang, dem revolutionären
ähnlich, das Volk zum Siege über Napoleon geführt,
als irrig verwerfen. Wäre sein Prinzip das politische
gewesen, es würde dasselbe nicht aufgegeben oder in seine
Verkümmerung gewilligt haben. Man tut der Regierung Unrecht,
wenn man glaubt, sie habe dem Volke etwas entzogen, wonach dieses
mit Bewusstsein trachtete. Abgesehen von der Unmöglichkeit
solcher Entziehung, so waren Regierung und Volk wirklich einhellig
in der Abwehr der politischen Freiheit, dieser "Ausgeburt
der Revolution." Das eben erwarb ja Friedrich Wilhelm III.
so viel Hinge-
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bung und Liebe, dass er gleichsam die vollendete Personifikation
jener moralischen Freiheit darstellte, dass er durch und durch
ein Mann der Pflicht, ein gewissenhafter Mensch
war: "der Gerechte!"
Den Mittelpunkt der moralischen Freiheit bildet, wie wir sehen,
die Pflicht der - Liebe. Wie ohne Widerspruch zugegeben
zu werden pflegt, ist das Christentum seinem innersten Wesen nach
die Religion der Liebe. Darum wird denn auch die moralische Freiheit,
die sich in dem einen Gebote der Liebe konzentriert, die reinste
und bewussteste Erfüllung des Christentums sein. Wer nichts
als Liebe ist, der hat das Höchste erreicht, der ist wahrhaft
frei! - so lautet das Evangelium der moralischen Freiheit. Als
diese Überzeugung in den Herzen erwachte und sie mit der
Seligkeit einer triumphierenden Wahrheit erfüllte, da musste
die Kraft des Despoten zu klein sein gegen die Gewalt eines solchen
Gefühls, und das Christentum in seiner verklärtesten
Gestalt, als Liebe, die Völker entzündend, rückte
mit Siegesgewissheit heran gegen den Geist der Revolution. Dieser
hatte das Christentum von der Erde vertilgen wollen, aber es raffte
sich auf mit der ganzen Kraft seiner Natur, es trat als - Liebe
gegen ihn in die Schranken, und es siegte, siegte über einen
Geist, der zwar viel an ihm zu erdrücken vermocht hatte,
aber das eine nicht erdrücken konnte - die Liebe. Denn wie
viel des Christlichen auch gefallen war unter den Streichen der
Revolution, die Liebe - sein innerstes Wesen, - war in dem Busen
der revolutionären Freiheit stecken geblieben. Sie hegte
die Feindin in sich selbst, darum musste sie vor der Feindin,
als diese von aussen heranzog, erliegen.
Doch lernen wir ein wenig diese Feindin der revolutionären
Freiheit, die Liebe selber, kennen! Man pflegt der
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Liebe die Selbstsucht gegenüber zu stellen, weil es die Natur
der letzteren mit sich bringt, dass, wer ihr folgt, ohne Rücksicht
auf den anderen oder unbarmherzig verfährt. Setzen
wir nun den Wert des Menschen in die Selbstbestimmung,
d. h. darin, dass nicht eine Sache oder eine andere Person ihn
bestimmen, sondern er selbst der Schöpfer seiner selbst,
mithin Schöpfer und Geschöpf in einem sei, so wird der
Selbstsüchtige wahrscheinlich am weitesten hinter diesem
Ziele zurückbleiben. Sein Grundsatz lautet so: die Dinge
und die Menschen sind für mich da! Vermöchte
er hinzuzusetzen: ich bin auch für sie da - so wäre
er eben der Selbstsüchtige nicht mehr. Er geht nur darauf
aus, den Gegenstand seiner Begierde zu haschen, läuft z.
B. in der Brunst einem Mädchen nach, um dies allerliebste
"Ding" (denn für mehr als ein Ding gilt es ihm
nicht) zu - verführen usw. Um dieses Mädchens willen
ein anderer Mensch zu werden, selbst etwas aus sich zu machen,
um sie dadurch zu verdienen: das fällt ihm nicht ein:
wie er ist, so ist er. Das eben macht ihn so verächtlich,
dass keine Selbstgestaltung und Selbstbestimmung an ihm zu entdecken
ist.
Ganz anders der Liebende. Die Selbstsucht ändert den Menschen
nicht, die Liebe macht einen anderen Menschen aus ihm. "Seit
er liebt, ist er ein ganz anderer Mensch geworden" pflegt
man zu sagen. Aber er macht als Liebender auch wirklich selbst
etwas aus sich, indem er alles an sich tilgt, was dem Geliebten
widerspricht; willig und hingebend lässt er sich bestimmen,
und durch die Passion der Liebe umgewandelt, richtet er sich
nach dem Anderen. Sind in der Selbstsucht die Gegenstände
nur für mich da, so bin ich in der Liebe auch für
sie: wir sind für einander.
Überlassen wir jedoch die Selbstsucht ihrem Schicksal
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und vergleichen wir lieber die Liebe mit der Selbstbestimmung
oder Freiheit. In der Liebe bestimmt sich der Mensch, gibt sich
ein gewisses Gepräge, wird zum Schöpfer seiner selbst.
Allein er tut das alles um eines Anderen, nicht um seinetwillen.
Die Selbstbestimmung ist noch abhängig von dem Anderen: sie
ist zugleich Bestimmung durch den Anderen, ist - Passion: der
Liebende lässt sich bestimmen, bestimmen durch den
Geliebten.
Der freie Mensch dagegen bestimmt sich weder durch noch für einen Anderen, sondern rein aus sich; er vernimmt sich und findet in diesem Selbstvernehmen den Antrieb zur Selbstbestimmung: nur sich vernehmend, handelt er vernünftig und frei. Es ist ein Unterschied, ob man durch einen Anderen oder durch sich bestimmt wird, ob man ein Liebevoller ist oder ein Vernünftiger. Die Liebe lebt von dem Grundsatze, dass jeder, was er tut, um des Anderen willen tue, die Freiheit von dem, dass er es um seinetwillen tue; dort treibt mich die Rücksicht auf den Anderen, hier treibe ich mich. Der Liebevolle handelt um Gottes willen, um der Brüder willen usw. und hat überhaupt keinen eigenen Willen: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe" - das ist
sein Wahlspruch; der Vernünftige will keinen anderen Willen
verwirklichen als den seinen, und achtet auch denjenigen, der
seinen .eigenen Willen hat, nicht den, der den Willen eines Anderen
befolgt. So hat die Liebe wohl recht gegen die Selbstsucht,
da es edler ist, den Willen eines Anderen zu dem seinigen zu machen
und auszuführen, als willenlos von der durch irgendein Ding
angeregten Begierde gestachelt zu werden, edler, sich nach einem
Anderen zu bestimmen, als sich gar nicht zu bestimmen, sondern
sich gehen zu lassen; gegen die
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Freiheit aber hat die Liebe nicht Recht, weil in der Freiheit
erst die Selbstbestimmung zur Wahrheit wird. Die Liebe ist zwar
die letzte und schönste Unterdrückung seiner
selbst, die glorreichste Weise der Selbstvernichtung und Aufopferung,
der wonnereichste Sieg über die Selbstsucht; aber indem sie
den Eigenwillen bricht, der nur Eigensinn und Begierde heissen
dürfte, lässt sie auch zugleich den Willen nicht aufkommen,
der dem Menschen erst die Würde des freien .Menschen verleiht.
Darum müssen wir an der Liebe zweierlei unterscheiden. Gegen
die Selbstsucht gehalten, feiert der Mensch in ihr seine Verherrlichung,
denn der Liebevolle hat, wenn auch nicht seinen eigenen, so doch
einen Willen, der Selbstsüchtige hat keinen; der Liebevolle
übt eine Selbstbestimmung aus, weil er um des Anderen willen
etwas aus. sich macht und sich in die diesem angemessene Form
umbildet, der Selbstsüchtige kennt die Selbstbestimmung nicht
und verharrt in seiner Rohheit, ohne in irgend einem Grade sein
eigener Schöpfer zu werden; der Liebevolle ist ein Gebilde
seiner selbst, indem er sich im Anderen sucht und findet,
der Selbstsüchtige ein Geschöpf der Natur, eine - Kreatur,
die sich nicht sucht noch findet. - Wie aber erscheint die Liebe
Angesichts der Freiheit? Die Braut von Korinth spricht jene grauenvollen
Worte aus, mit denen das entsetzliche Verbrechen der Liebe gegen
die Freiheit enthüllt wird:
"Opfer fallen hier
Weder Lamm noch Stier,
Aber Menschenopfer unerhört!"
[aus Goethes Ballade "Die Braut von Korinth",
1797]
Ja, Menschenopfer unerhört! Denn was den Menschen erst zum
Menschen macht, der freie Wille, das schmettert die Liebe, ihr
Reich für das alleinseligmachende
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erklärend, von ihrem souveränen.Throne aus donnernd
nieder, und auf Sklaven-Schultern hoch emporgehoben proklamiert
sie die Alleinherrschaft der - Willenlosigkeit.
Weil nicht in jeder Zeit jegliches gesagt werden kann, so brechen
wir hier ab und überlassen es einer günstigeren Gelegenheit,
die Erscheinungen des Liebesstaates im einzelnen darzulegen (Fussnote;
Er ist es wert, denn er ist die vollendetste und - letzte Form
des Staates) . Überall werden wir dabei dem Grundsatz begegnen,
dass der Liebevolle nicht Willen, sondern Wünsche hat, und
werden sehen, wie prophetisch das grosse Wort des Gouverneurs
von Berlin, Graf von Schulenburg, war: "Ruhe ist die erste
Bürgerpflicht!" In den Armen der Liebe ruht und schläft
der Wille, und nur die Wünsche, die Petitionen, wachen. Ein
Kampf durchzieht allerdings auch diese Zeit des Liebesregimentes:
es ist der Kampf gegen die Lieblosen. Da Einmütigkeit
das Wesen der Liebe ist, da Fürsten und Völker in Liebe
verbunden sind, so müssen sie ausscheiden, was den Liebesbund
lockern will: die Unzufriedenen (Demagogen, Carbonaris,
Cortes in Spanien, Adel in Russland und Polen usw.). Sie stören
das Vertrauen, die Hingebung, die Eintracht, die Liebe; "unruhige
Köpfe" rühren die Ruhe des Vertrauens auf, und
- Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. -- ENDE