Die »Mysterien« haben grosses Aufsehen in der Welt gemacht,
und schon drängen sich die Nachahmungen in Masse. Man will
den verborgenen Grund, die »unterste Schicht« der Gesellschaft
kennen lernen, und neugierig blickt man sich in den finsteren,
grauenvollen Winkeln um. Aber mit welchen Augen schaut man hinein?
Mit dem Auge der gesicherten Sittsamkeit, des tugendhaften Schauders.
»Welch' ein Abgrund des Verderbens, welche Greuel, welche
Tiefe des Lasters! Herr Gott, wie darf es in deiner Welt so ruchlos
zugehen!« Aber bald erwacht die christliche Liebe und rüstet
sich zu allen Werken des Mitleids und der tätigen Hilfe.
»Hier muss gerettet, hier muss der List des Satans entgegengearbeitet
werden! O gewiss, hier ist viel zu retten, und dem Reiche des
Guten manche Seele zu gewinnen.«
Nun beginnt die Rührigkeit der Gedanken, und auf tausend
Mittel und Wege wird gesonnen, wie dem Übel abzuhelfen, der
grenzenlosen Verderbtheit zu steuern sei. Kerker mit abgesonderten
Zellen, Leihhäuser für heruntergekommene Arbeiter, Stifte
für gefallene und reuige Mädchen und unzähliges
andere wird nicht nur vorgeschlagen, sondern auch zugleich unternommen.
Es werden auch ganze Wohltätigkeits-Gesellschaften zusammentreten,
wie man sie nie zuvor in solcher Ausdehnung gesehen hat, und an
Aufopferung und Mildtätigkeit wird kein Mangel sein. Rudolph,
der Grossherzog von Gerolstein, ist von Eugène Sue als
leuchtendes Vorbild dieser so sichtlich erstarkenden Nächstenliebe
aufgestellt worden.
Welches Übel will man denn heben? Das Laster, die Sündenlust!
Ihm sollen die Quellen durch nützliche Reformen abgeschnitten,
die verführten Seelen entrissen und zur Lust an der Sittlichkeit
bewogen werden. Und wer will diess grosse Werk, die Sünde
um ihre Opfer und Diener zu bringen, verrichten? Wer anders als
diejenigen, welche die Tugend lieben und einen sittlichen Lebenswandel
für den wahren Beruf des Menschen erkennen.
Also die Tugendhaften wollen die Lasterhaften auf den rechten
Weg bringen, die Diener im Reiche des Guten wollen das Reich des
Bösen zerstören.
Seid ihr nicht alle damit einverstanden, dass es nichts Grösseres
und Edleres geben könne, als die Verherrlichung des Guten,
und habt ihr wohl etwas anderes an euch zu tadeln und zu bereuen,
als dass ihr nur allzuoft noch vom Wege des Guten abweicht und
»sündiget«? Fällt es einem von euch jemals
ein, zu fragen, ob das Gute wohl wert sei, dass man danach strebe,
und ob das Gute wirklich dasjenige sei, was der Mensch durch sein
Leben zu verwirklichen suchen müsse? Ihr zweifelt ebensowenig
daran, als die Lasterhaften und Gottvergessenen etwas Gründliches
dagegen einzuwenden wissen, wenn sie auch noch so viel dagegen
- sündigen.
Ihr, die ihr die Sünder bekehren und bessern wollt, ihr seid
ja selbst unbekehrbar und unverbesserlich. Ihr lasst den Zweifel
gar nicht an euch kommen, ob das Gute nicht eben ein - leerer
Wahn sei, und wenn ihr auch eingestehen müsst, dass ihr selbst
es gleich den Philosophen, die auch nur »Liebhaber der Weisheit«
bleiben, niemals erreicht, ihr meint doch, die Sünder müssten
zum Guten vermocht und dahin gebracht werden, »gut zu tun.«
Ihr wollt die Sünder bekehren von der Lust am
Bösen. Mögt ihr euch vielleicht nicht selbst von der
Lust am Guten bekehren? Fragt euch nicht, was das Gute sei, sondern
ob es überhaupt sei, oder wollt ihr durchaus wissen, was
es sei, so fragt euch zu allererst, ob es nicht eure - Einbildung
sei.
Doch ihr seid schlagend mit euren Beweisen, indem ihr ja nur auf
Beispiele hinzuweisen braucht: »Die Lüge ist böse,
die Aufrichtigkeit aber ist gut, die Unbussfertigkeit ist böse,
die Bussfertigkeit und Reue ist gut, die Unkeuschheit eine Sünde,
die Keuschheit eine Tugend usw.«
Wohlan denn, blicken wir in die »Mysterien« und sehen
dem Spiele zu, das Tugend und Laster in diesem Romane mit einander
treiben. Ich werde von dem Zusammenhang und Verlauf dieser Geschichte
nichts sagen, denn ich setze voraus, dass ihr's gelesen habt.
Eben so wenig will ich von dem sogenannten Kunstwerte des Buches
sprechen. Wenn ein sogenannter Jongleur die halsbrechendsten Stücke
produziert, oder ein Taschenspieler das Erstaunlichste leistet,
so wird man doch am letzten Ende sagen, es waren eben Jongleur-
und Taschenspielerkünste, ausgezeichnet in ihrer Art; aber
über die Art selbst spricht man ohne besondere Achtung. So
will ich auch unserem Verfasser nicht über die Kunstfertigkeit
im Abschildern der sozialen Kontraste und Charaktere zu nahe treten,
wenngleich er feineren Kunstkennern schwerlich überall ein
Genüge getan haben mag; über das Abschildern selbst
aber denke ich nicht gross genug, um mich durch das darin bewiesene
Talent gegen den Mangel an aller tieferen und gewaltigeren Einsicht
in das Wesen der Gesellschaft blind machen zu lassen. Görres
hat auch ein schönes Talent an die Verstocktheit eines dummen
Gedanken ver-
schwendet und muss in diesen Kindereien sich zu Tode gängeln
lassen, wie er, so viele andere. Obwohl der Grossherzog von Gerolstein
nicht als der Held des Romans gelten kann, so wird doch nicht
allein das ganze Getriebe desselben durch ihn in Bewegung gesetzt,
sondern er repräsentiert auch die Höhe der Anschauungen
und Gedanken, zu welcher der Dichter selbst sich emporschwingt.
Diese Höhe ist aber keine andere als die Idee der Sittlichkeit,
und an jeden Gedanken und jede Tat wird ein für allemal dasselbe
Ellenmass angelegt: das der Sittlichkeit.
Wir haben also ein dichterisches Kunstwerk vor uns, das, ganz
von dem Standpunkte der Sittlichkeit aus gearbeitet, zeigen wird,
welcherlei Menschen dieser Standpunkt erzeugt, und was überhaupt
unter der Herrschaft dieses Prinzips zu Tage kommt.
Durch eine Versündigung gegen das geheiligte Haupt seines
Vaters und Herrn, auf den er in einem Augenblick der Liebeswut
das Schwert gezückt, ist Rudolph (der Grossherzog) zu dem
Entschluss reumütigster Busse getrieben worden, die er nach
seiner Meinung nur dadurch betätigen kann, dass er »nach
Kräften Gutes wirkt.« Dieser Vorsatz bringt ihn nach
Paris, wo er die Spelunken der Armut und des Verbrechens aufsucht,
um Leiden zu lindern, verhärtete Herzen zu erweichen oder
durch ein fürchterliches Strafgericht in Verzweiflung zu
stürzen, und um zu helfen, wo geholfen werden kann. Bei seinen
fürstlichen Mitteln gelingt es ihm leicht, mancher physischen
Not zu steuern, und die Familie Morel unter anderen verdankt ihm
ihr Lebensglück; näher indes als die Beseitigung physischer
Leiden liegt ihm die Entfernung moralischer Gefahren am Herzen,
und dieses Bestreben führt ihn mit der eigentlichen Heldin
dieses Romanes zusammen.
Fleur de Marie (Marien-Blume), oder wie wir sie schlichtweg nennen
wollen, Marie, das Kind seiner ersten Liebe, von dessen Existenz
Rudolph keine Ahnung hatte, ist in der Haft, unter den grässlichen
Händen der Eule (Chouette), und in anderen traurigen Verhältnissen
zu einem blühenden Mädchen aufgewachsen und muss endlich,
von Armut gepresst und von Kupplerinnen beschwatzt, sich entschliessen,
das Gewerbe eines Freudenmädchens zu ergreifen. Noch unergriffen
von der Lust an dieser Lebensweise, wird sie befleckt, ohne sich
selbst zu beflecken: sie ist unbeteiligt und noch keine Sklavin
der Begierde, die ihrem Stande erst die rechte Bekräftigung
geben würde. So findet sie Rudolph, und was das Laster an
ihr nicht zu leisten vermocht hatte, das versucht jetzt die Tugend:
sie versucht das arme Kind, das eine Beute des Lasters zu werden
droht, zur Tugend zu führen. Rudolph bietet alle Versprechungen
und Verlockungen auf, durch die er die leicht erregbare Phantasie
des Mädchens zu bestechen hoffen darf. Sie, die mitten in
einem taumelnden Lasterleben nicht »gefallen« war, sie
widersteht den einschmeichelnden Verheissungen des Tugendwerbers
nicht und - fällt. Doch möchte sie immerhin fallen,
wenn sie sich nur wieder erhöbe. Wie aber soll ein E. Sue,
der Dichter des tugendreichen und liberalen Bürgerwesens,
sie zu einer weiteren Erhebung kommen lassen? Ist sie nicht gerettet,
wenn sie in den Schoss der allein seligmachenden Sittlichkeit
sich geflüchtet hat? Meint man etwa, sie sollte sich zur
Frömmigkeit erheben, so geschieht das ja in vollem Masse,
wie denn wahre Sittlichkeit und wahre Frömmigkeit sich niemals
ganz von einander trennen lassen; denn selbst diejenigen Sittlichen,
welche den persönlichen Gott leugnen, behalten
ja am Guten, am Wahren, an der Tugend, ihren Gott und ihre Göttin.
Doch ich meine nicht, dass Marie nach jenem Falle sich zur Frömmigkeit
erheben sollte; ich meine nur, dass, wenn es etwas Wertvolleres
gäbe als Sittlichkeit und Frömmigkeit, unser Dichter
davon nichts wissen könnte, weil es nicht in seinem Gedankenkreise
liegt und seine Personen sich nie dazu erheben könnten, weil
die Besten darunter doch nicht besser zu sein vermögen. als
ihr Schöpfer. Marie, die von Rudolph für den Dienst
der Sittlichkeit angeworben wurde, wird darin fortan in Treue
und Gehorsam, als ein ergebener und folgsamer Dienstbote verharren,
und welche Geschichte auch ihr nun folgendes Leben aufzeigen möge,
sie wird immer nur die Schickungen enthalten, welche der strenge
Dienst ihrer Gottheit über Marie, die treue Magd, verhängt.
Den Klauen der Eule, die nur den Leib verderben konnte, entronnen,
gerät Marie in die Macht des Priesters, der ihre zarte Seele
mit der frommen Lehre verdirbt, dass ihr Leben von nun an ein
Leben der Busse sein müsse, um bei Gott sich dafür die
künftige Vergebung zu erkaufen. Das entscheidet über
ihre ganze Zukunft. Dieser Wurm, den ihr der Priester ins Herz
setzte, nagt fort und fort, bis er sie zur Entsagung und Zurückziehung
aus der Welt gezwungen, und endlich gar das gottergebene Herz
zerfressen und zerbröckelt hat. Und doch ist jene fromme
Lehre des Priesters die wahre Lehre der Sittlichkeit, gegen welche
zuletzt alle »vernünftigen« Einwendungen Rudolphs
verstummen müssen.
Rudolph nämlich gibt sich der süssen Hoffnung hin, am
Hofe zu Gerolstein mit Marie, seinem reizenden Töch-
terchen, die Wonne eines innigen Familienlebens und die Freuden
eines Vaters kosten zu können, der sein von allen verehrtes
und angebetetes Kind, die sittsame und tugendreiche Prinzessin,
täglich mit neuen Gaben der Liebe überhäufen und
für die einst erduldeten Qualen eines verstossenen Daseins
fürstlich und väterlich entschädigen kann. Alle
Lust der Welt, wie sie ein grossherzoglicher Hof nur bieten kann,
soll ihr von nun an offen stehen.
Aber um welchen Preis müsste Marie die Lust der Welt erkaufen?
Nur wenn niemand ihre frühere Aufführung erfährt,
wird man die Liebenswürdigkeit ihres gegenwärtigen Betragens
anerkennen; erführe man sie, so schützte kein Glanz
der Krone die arme Prinzessin vor den giftigen Blicken und dem
verächtlichen Achselzucken dieser unerbittlichen Verehrer
der Sittenreinheit. Das weiss Rudolph sehr wohl, und trägt
deshalb auch nicht das leiseste Bedenken, seine gesamte Umgebung
über Maries Jugendjahre zu belügen. Welcher vernünftige
Mensch wird auch anders handeln? Nur kein Ultra, selbst nicht
in der Sittlichkeit! So spricht der sittliche Liberale.
Allein Marie, die reine Priesterin des sittlichen Prinzips, kann
sie, statt alle Folgen ihrer Missetat jetzt, da sie in die sittliche
Welt eingetreten ist, bussfertig zu tragen, die Busse durch eine
Lüge von sich weisen? Darf sie durch Täuschung sich
einschleichen und reiner erscheinen wollen, als sie ist? »Täuschen,
immer täuschen, ruft sie verzweifelnd aus, immer fürchten,
immer lügen, immer beben vor dem Blicke desjenigen, den man
liebt und achtet, wie der Verbrecher zittert vor dem unerbittlichen
Blick seines Richters!« Darf Marie, die Dienerin am Altare
der Sittlichkeit, darf sie - lügen ?
Die Lüge ist eine Sünde, die kein sittlicher Mensch
sich vergeben kann. Er mag sich mit der Not entschuldigen, so
viel er will, auch die Notlüge bleibt eine Lüge. Wie
kann der der Wahrheit dienen unter allen Versuchungen, der sich
in mancher Versuchung zur Unwahrheit verleiten lässt? Kein
Sittenlehrer kann die Lüge rechtfertigen, und wird dennoch
von sittlichen Menschen so viel gelogen, so beweist dies eben
nur, dass das Prinzip der Sittlichkeit oder des Guten zu kraftlos
ist, um das wirkliche Leben zu leiten. Denn in diesem wird der
Mensch unbewusst zu Taten geführt, die seinem schwächlichen
Prinzipe Hohn sprechen und ihn ermuntern könnten, sich von
dem Gängelbande desselben loszureissen; aber man reisst sich
von einem Wahne nicht anders los, als wenn man ihn theoretisch
überwindet.
Marie, einmal gewonnen für den Kultus des Guten, ist zu feinfühlend,
um sich zu einer Ausnahme von seiner Regel zu bereden. Sie kann
nicht lügen. Aber wie, könnte sie der Welt, dieser »unerbittlichen
Richterin«, nicht gestehen, was sie verbrochen? Sie könnte
es gestehen, aber dann wäre sie auch »gerichtet.«
Die Welt des Guten könnte nicht bestehen, wenn sie nicht
»Güter« hätte, und unter diesen Gütern
ist die Keuschheit ein Gut, dessen Einbusse sie keinem - Weibe
verzeiht. Eine nachfolgende dauernde Züchtigkeit kann die
ursprünglich, der sittlichen Ehre geschlagene Wunde vernarben
lassen, aber den Schandfleck der Narbe wäscht keine Zeit
ab. Die Welt, welche an die Sittlichkeit und ihre Güter glaubt,
kann - nicht vergessen; für sie haben diese Güter einen
Wert, und sie mag es anstellen wie sie will, die Empfindung eines
Mangels und Gebrechens kann sie da, wo eines dieser Güter,
an denen ihr Wahn klebt, verloren gegangen ist, nicht
gänzlich unterdrücken. Ein Weib, das seine Keuschheit
preisgegeben, das unter dem »Auswurf der Gesellschaft«
gelebt, das sich »entwürdigt« hat, wird für
alle Zeit scheel angesehen werden; denn es ist »befleckt,
vergiftet, berührt von Schändlichkeiten«, es ist
- »geschändet.« Und für die zugezogene Schande
fordert die Welt als Busse eine unausgesetzte Scham, eine Scham,
die sie stets in der Büsserin wach zu erhalten beflissen
sein wird.
Vielleicht meint man aber, es sei das nur eine Überspanntheit
und falsche Scham, die jeder nicht zu reizbare Mensch leicht überwinden
würde. Wir müssen aber doch fragen, was in dem sittlichen
Urteil der Welt denn eigentlich Geltung habe, ob der Mensch als
solcher oder - seine Güter. Es ist nicht ohne den innigsten
Zusammenhang, dass gerade die Zeit des Liberalismus und der Bourgeoisie
so viel auf Sittlichkeit hält: ein Bankier und ein Sittlicher
beurteilen den Menschen aus ein und demselben Gesichtspunkte,
nämlich nicht nach dem, was er durch sich ist, sondern nach
dem, was er durch seinen Besitz ist. »Hat er Geld?«
Mit dieser Frage läuft die andere parallel: »Hat er
Tugenden?« Wer kein Geld hat, mit dem befasst sich der Bankier
nicht: er »macht ihm Schande«; wer die Tugenden eines
ehrbaren Bürgers nicht »besitzt«, der muss ihm
nicht zu nahe kommen. Nach Gütern misst der eine wie der
andere, und der Mangel eines Gutes ist und bleibt ein Mangel.
Wie ein Pferd, das alle Tugenden des besten Pferdes, aber eine
schlechte Farbe hat, einen Makel behält, so haftet an einem
Weibe, das um die unbefleckte Reinheit gekommen ist, auf Zeit
ihres Lebens ein Flecken. Und mit Recht, denn es fehlt ihr eines
der hauptsächlichsten Güter, die einem sittlichen
Weibe Ehre machen. Ist
Marie auch jetzt keusch, so ist sie es doch nicht immer gewesen,
ist sie auch jetzt unschuldig, so war sie es doch vorher nicht.
Die Unschuld ist so zarten Wesens, dass sie niemals berührt
worden sein darf; einmal verletzt, ist sie auf immer verschwunden.
Unschuld ist eine so fixe Idee, dass Morel an ihr zum Wahnsinnigen
wird und Marie zur Betschwester. - Es muss auch so sein. Ist der
Abstand der Verworfenen von den Reinen, der Unsittlichen von den
Sittlichen, einmal ein fixer, so drückt Marie nur zart, innig
und unverhohlen das Gefühl dieses unauflöslichen Gegensatzes
aus. Sie ist - »entweiht«.
Was soll die Einwendung beweisen, dass man ja längst nicht
mehr so penibel sei und gegen früher einer grossen Nachsicht
in diesem Punkte huldige? Erstlich liesse sich diese Behauptung
überhaupt bestreiten, weil man zwar keine Kirchenstrafen
mehr verhängt, sittlich aber weit weniger lax urteilt als
in den Zeiten des ancien regime; sodann aber hat die grosse
Masse von jeher an vielen Stellen ihrer Haut harte Schwielen gehabt
und gegen die strengen Konsequenzen ihrer Glaubensartikel sich
unempfindlich gezeigt. Soll darum ein zarter empfindendes und
strenger denkendes Wesen wie Marie dem Schlendrian der Alltagsmenschen
verfallen müssen?
Vielmehr müssen wir anerkennen, für sie, die den Anforderungen
der Sittlichkeit ein volles Genüge zu tun sich gedrungen
fühlte, war die Zurückziehung aus der Welt unvermeidlich.
Denn belügen durfte sie die Welt nicht, ohne unsittlich zu
handeln, und eingestehen durfte sie's nicht, wenn sie nicht, statt
des Genusses, den Hohn und Spott der Welt ernten wollte. Jede
Freude, die sich ihr künftig darbieten konnte, würde
sogleich durch den Stachel der Scham vergiftet worden sein. In
diesem Gefühl ruft sie aus, als ihr Vater dem Prinzen
Heinrich, ihrem Geliebten, Eröffnungen zu machen gedenkt:
»Sie wollen, dass ich sterbe, mich in seinen Augen so erniedrigt
zu sehen!« Sie hatte von der Welt, vor der sie entweder etwas
auf dem Gewissen behalten, oder von der sie sich etwas nachtragen
und gedenken lassen musste, nichts mehr zu hoffen: sie hatte es
mit ihr verdorben.
Warum aber flüchtet sie sich zu Gott? Weil weder die Welt
noch sie selbst ihre Sünde ihr abnehmen können. Nur
Gott kann ihr vergeben. Die Menschen müssen sich nach dem
Gesetzbuch des Guten richten und sind nur Untertanen im Reiche
des Guten; Gott allein ist der absolute König, dem auch das
Gute unterworfen ist, und er fragt nicht, wo er begnadigen will,
nach dem Guten, sondern nach seinem unumschränkten Willen.
- Was liegt nun in dieser Hinwendung Maries zu dem Herrn? Wiederum
dies, dass sie fühlt, wie nach dem sittlichen Massstabe ihr
nimmermehr Gerechtigkeit werden könne, und wie sie darum
eines anderen Masses und Urteils bedürfe. Dass sie die Lossprechung
gerade von Gott durch ein reuevolles Leben zu erkaufen sucht,
das ist gleichfalls das Werk des frommen Priesters, der ihr freilich
nicht sagen konnte noch durfte: Wer sich selbst bindet, der ist
gebunden, und wer sich selbst löst, der ist gelöst.
Was sie selbst sich zu leisten vermöchte, das sucht sie ausser
sich zu erflehen; aber sie wäre eben weder sittlich noch
fromm, wenn sie anders verführe.
Wie konnte auch das sittliche Mädchen sich erst die Unkeuschheit
und hernach gar die Lüge vergeben? Dazu gehört mehr
als Sittlichkeit, und könnte sie's, so fiele ja das ganze
hübsche Bauwerk E. Sue's in ein lächerliches Nichts
zusammen, so wäre das Gute nicht mehr das Höchste, so
wäre der Mensch erhaben über Tugend und Laster, über
Sittlichkeit und Sünde.
Die ganze Kollision besteht darin, dass ein paar Bornierte es
mit einander zu tun haben, borniert beide durch den Wahn des Guten
und Bösen. Wie die Welt urteilt: das und das dürfen
wir tun, denn es ist gut, jenes aber, z. B. lügen, dürfen
wir nicht, weil es böse ist, so denkt auch die durch Rudolph
der Tugend zugeführte Marie.
Legte der Dichter an Marie nicht das Richtscheit der Tugend und
Sittlichkeit, sondern mässe sie nach ihr selbst als ihrem
eigenen Masse, wie man gescheiter täte, wenn man den Löwen
nicht nach einer menschlichen Eigenschaft, der Grossmut, beurteilte,
sondern nach der tierischen Löwennatur, so käme vielleicht
das wunderbare Resultat zum Vorschein, dass Marie erst von dem
Augenblick an ein elendes, verlorenes Kind wurde, wo sie die Tugend
kennen lernte und ihrem Dienste sich weihte, während sie
in der Zeit ihres unehrlichen Wandels ein gesunder, freier und
hoffnungsvoller Mensch gewesen war. Dies soll nicht etwa nur den
oberflächlichen Sinn haben, dass die mit der Tugend zusammenhängende
Reue das arme Mädchen unglücklich stimmte und um seinen
Frohsinn brachte, sondern den schärferen, dass sie eine gedrückte
Sklavin werden musste, sobald sie in die sittliche Welt eintrat
und ihren Pflichten sich zu unterwerfen begann. Als der Würgengel
der Bekehrung es einmal erfasst hatte, da war es um dieses zarte
Kind geschehen. Unter dem Druck der Verhältnisse, in welche
ihr Schicksal sie geworfen hatte, hätte der offene sinnige
Geist dieser Bajadere das starke Zornfeuer ansammeln können,
das dazu gehört, um die lastende Erdwucht einer erstarrten
Gesellschaft zu durchbrechen, und aus dem Stande der Erniedrigung
heraus sich zu - empören. Was lag am Verluste der
Keuschheit bei einem Mädchen, das diesen und jeden Verlust
an der ganzen schuldigen Welt zu rächen Mut und Geist hatte?
Aber ein E. Sue kennt kein anderes Glück als das der ehrlichen
Leute, keine andere Grösse als die der Sittlichkeit, keinen
anderen menschlichen Wert als den der Tugendhaftigkeit und Gottergebenheit.
Ein Menschenkind, aus dem ein freier Mensch werden konnte, musste
zum Tugenddienste verführt, ein noch unverdorbenes Gemüt
musste mit dem Wahn der »guten Menschen« vergiftet und
verderbt werden. Wenn ein Dichter darzustellen vermag, wie seine
Heldin, die mitten im Gewühl der schmutzigsten Laster ihr
Leben führen und selbst die Blüte ihres Leibes ihm zur
Beute lassen muss, nicht gleich der Chouette oder dem Schulmeister,
oder auch ihren weiblichen Altersgenossen zu einer Dienerin des
Lasters wird, sondern ähnlich einer Atheistin, welche die
kirchlichen Gebräuche zwangsweise erfüllt, völlig
frei bleibt: sollte man da nicht meinen, er müsste sie auch
über den Einfluss der Tugend erhaben halten können?
Aber nein, der schwächliche, vom Ideale des »rechten
Bürgertums und wahren Staates« träumende Poet macht
aus ihr, statt eines gestählten Charakters, ein sentimentales,
vom Wahne des »Guten« leicht berückbares Gemüt,
macht dasselbe Mädchen, das sich gegen das Laster behauptete,
zu einem schwachen, kraftlosen Geschöpf, das sich mit Leib
und Seele in die Sklaverei der Tugend anheim gibt.
Auch nicht eine Person findet sich in dem ganzen Romane, die man
einen selbstgeschaffenen Menschen nennen könnte, einen
Menschen, der, rücksichtslos sowohl gegen seine Triebe als
gegen den Antrieb eines Glaubens (Glaube an Tugend, Sittlichkeit
usw. und
Glaube an das Laster) sich kraft der eigenen schöpferischen
Allmacht selbst erschüfe.
Die einen nämlich folgen blindlings der Leitung ihres Herzens,
ihrer Gemütsart, ihrer Natürlichkeit. So die Rigolette
(Lachtaube): sie ist eben so, wie sie ist, ein zufriedenes Gemüt
und eine glückliche Mittelmässigkeit, und was sie ist,
das wird sie immer bleiben, ein Wesen ohne alle Entwicklung, wie
eben ihre Kanarienvögel auch; sie können nur Schicksale
erfahren und erleiden, aber sie können nicht anders werden.
Die Kehrseite zur Rigolette gibt der kleine Lahme ab, ein schadenfrohes
Kind, das eben immer von seiner Lust, der Schadenfreude, die natürlich
mit dem Alter an hämischem Wesen zunimmt, sich bestimmen
lassen wird, bis es einmal auf dem Schaffott endet, und so geschichtlos
in die Grube kommt wie Rigolette in ein ehrsames Grab. - Welche
Art von Trieb eine lebenswierige Herrschaft über das Individuum
ausübt, macht hierbei keinen wesentlichen Unterschied; bei
Ferrand ist's der Geiz, bei dem Spitzigen die energielose Schwatzhaftigkeit
usw.
Für die zweite Gattung entwicklungsloser und unfreier Menschen,
derjenigen nämlich, welche weniger von ihrem natürlichen
Triebe, desto mehr aber von einem Glauben, einer fixen Idee
abhängen, hat E. S u e, der, selbst ein Knecht unter diesen
Knechten, nichts Besseres kennt, besonders auf die Tugendbeflissenen
eine pathologische Genauigkeit verwendet. Obenan steht sein tugendgläubiger
Grossherzog, der zu dem grossen Orden der »Wohltäter
der leidenden Menschheit« gehört und sein Ordenszeichen
nicht auf, sondern in der Brust trägt. Dieser »barmherzige
Bruder« Rudolph, milde und streng und ganz dazu gemacht,
die Menschen
zu »bemuttern«, will die im Sündenpfuhl verkommenden
Unglücklichen physisch und moralisch bessern und - belohnen,
die hoffnungslos Verdorbenen aber unschädlich machen, und
durch ausgesuchte Seelenmartern - bestrafen. So zieht er in Paris
ein und so zieht er, ungeheilt von seinem Wahnsinn, wieder hinaus,
nachdem er seine Tochter in das Gotteshaus der Tugend eingeführt
und um die letzte Möglichkeit gebracht hat, ein eigener Mensch
zu werden. Als die Tugend dieses Kind endlich ganz um den Verstand
und ums Leben bringt, da gehen dem barmherzigen Bruder zwar die
Augen auf, aber nicht etwa über den Götzen, für
dessen Priesterdienst er die Unglückliche geopfert, sondern
über die »Gerechtigkeit des unerforschlichen Gottes«,
der seinen Angriff auf den Vater jetzt an ihm als Vater durch
den Verlust der Tochter rächt. So schwachsinnig ist dieser
Kämpfer für Tugend und Religion, dass er in der konsequenten
Durchführung seines eigenen Prinzips, die er in der Handlungsweise
der Tochter anzuerkennen und zu bewundern nicht umhin kann, nichts
sieht, als ein »Zorngericht« Gottes. Marie erfüllt
ganz und vollständig das, was Sittlichkeit und Religion fordern;
ihr Vater muss selbst bekennen, dass »sein unglückliches
Kind in allem, was das Zartgefühl des Herzens und der Ehre
betrifft, mit einer so unerbittlichen Logik begabt sei, dass man
ihr nichts erwidern könne« - er »gibt es auf, sie
zu überreden, da alle Vernunftgründe zu ohnmächtig
sind gegen eine so unüberwindliche Überzeugung, die
aus einem edlen und erhabenen Gefühle herstammt«, -
ja er gesteht, dass er in Maries Namen auch »so würdig,
so mutig« gehandelt haben würde: - und nun, was erkennt
er in dieser unbeugsamen, vollendeten Sittlichkeit seiner Tochter?
Eine »Züchtigung« Gottes, der ihm
diese Erhabenheit seines Kindes zur »Strafe« schicke!
Wahrlich, man kann das feige juste-milieu unserer liberalen
Zeit nicht grausamer, nicht hohnlachender zeichnen, als ein weichmütiger
Anhänger desselben es unfreiwillig hier selber getan hat.
- Der gute Fürst hat bei seiner Bussfahrt »nichts gelernt
und nichts vergessen.« Als Mensch ohne Entwicklung und Selbstschöpfung
erfährt er nur die harten Schicksale, welche der Dienst der
Tugend ihren Gläubigen bereitet: er macht nur theologische
Erfahrungen, keine menschlichen. Oder unterwirft er jemals den
Herrn, welchem er dient, der Kritik, und fällt es ihm auch
nur einmal ein, die Ideen der Sittlichkeit, Religiosität,
Ehrlichkeit usw., für deren Dienst er wirbt, nach ihrem Kern
zu fragen? An ihnen steht ihm, als an festen Grenzen, der Verstand
still, und jede weitere Erhebung, jede Erlösung und Befreiung
von diesem absoluten Herrn ist dem von diesem Punkte an urteilsvollen
Fürsten unmöglich. So scharfsinnig er sich auch erweisen
mag als sittlicher Mensch, so durchaus geistlos ist er im Urteil
über den Menschen, ein treues Abbild seines tugendpriesterlichen,
armseligen Dichters.
Im entgegengesetzten Glauben eingekerkert und mit Fanatismus ihm
ergeben, ist die Mutter Martial. Auch das Verbrechen hat und muss
seine Fanatiker haben, die daran glauben, und es zu Ehren bringen
wollen: die Mutter Martial ist eine - Lasterheldin. Sie lebt und
stirbt für ihr Ideal, das Verbrechen. Wie die Tugendgläubigen,
so ist auch sie, die Lastergläubige, von einer fixen Idee
um alle Entwicklung und Schöpfung ihrer selbst gebracht;
sie muss untergehen mit diesem Pathos, weil sie nicht heraus kann.
Auch für sie gilt jenes »Hier stehe ich, ich kann nicht
anders.« Erstarrt und ergraut in ihrem Glau-
ben, ist sie der Kritik, der einzigen Erlösung von jedem
bis zur unnahbaren Heiligkeit anschwellendem Wahn so unfähig
wie irgendein anderer Gläubiger; ja alle Gründe, welche
sie daraus erretten könnten, dienen ihr vielmehr, wie es
bei Wahnsinnigen der Fall ist, zur Bestärkung. Für sie
gibt es keine andere Erfahrung als die der Schickungen, welche
der Wahn, der ihr Leben abspinnt und zu realisieren sucht, auf
sie hereinbrechen lässt: sie macht nur unsittliche und heillose
Erfahrungen, wie ihre Gegenfüssler nur sittliche und fromme
machen.
Der Glaube an die Tugend zur festen Gesinnung geworden,
ist der Geist Rudolphs; das Laster als feste Gesinnung
repräsentiert die Mutter Martial. Welch fürchterlich
strenges Gericht lässt sie über ihren »missratenen«
Sohn ergehen, der von der strengen Gesinnung des Lasters nichts
wissen will. Sie handhabt das Hausregiment als eine Frau von Grundsätzen,
erfüllt von Grundsätzen des Verbrechens wie andere Familienhäupter
von Grundsätzen des Guten erfüllt, eine schneidende
Herrschaft üben und gleich Brutus das Vatergefühl ersticken.
Ist die Majestät der Tugend eine wesentlich andere als die
Majestät des Lasters, und die eine feste Satzung erträglicher
als die andere? An seinem früheren Romane »Atar Gull«
hätte E. Sue lernen können, wie Rachgefühl und
Rechtsgefühl identisch sind, wie das Gute und Böse in
Eins zusammenfallen, wie der schwarze Mohr des Teufels ist, nur
wegen seiner Schwärze, der weisse Pariser aber, der jenem
den Tugendpreis zuerkannt, Gottes, nur wegen seiner undurchglühten
Weisse; aber an dem guten Dichter ist so wenig mehr zu bessern
als an seinen Romanfiguren, die, wenn sie sich bekehren, nur jämmerlicher
und sklavischer werden, und werden müssen, als sie zuvor
waren.
Da wir an den Hauptpersonen und einigen anderen sehen, dass sie
gebundene, geknechtete Charaktere sind, die durch ihre
Triebe und durch ihren Glauben beherrscht und um alle Selbstschöpfung
und Selbstangehörigkeit gebracht werden, so brauchen die
untergeordneten nicht besonders erwähnt zu werden. Es ist
klar, der Dichter brachte es zu nichts als zu bornierten
Menschen, denen ungebildete Natürlichkeit oder unnatürliche
Bildung, Begierden oder Satzungen, die und die Schicksale bereiten.
So ist allerdings die Welt, und E. Sue hat nur bewiesen, dass
er sich das Wohlgefallen dieser Welt erwerben, aber nicht, dass
er sie aus ihren Angeln heben und - erlösen kann.
Kein Wunder, dass die Mysterien so grossen Anklang fanden. Die
sittliche Welt empfängt ja an ihnen die gelungenste Ausgeburt
der Philisterhaftigkeit, das getreue Abbild ihrer eigenen Menschenfreundlichkeit,
das volle Echo derselben Klagen, in welche auch sie ausbricht,
die gleiche Reformsucht in Dingen, an denen so wenig mehr zu reformieren
ist als am Türkentum. Mahmud II. war nicht der einzige wohlwollende
und unnütze Reformator unserer Zeit; der gesamte Liberalismus
- und wer wäre heute nicht, er stehe hoch oder niedrig, liberal!
- veredelt unter grossen Hoffnungen ein Türkentum. »Unsere
Zeit ist krank!« So redet betrübten Blickes der Freund
den Freund an, und alsbald machen beide einen botanischen Streifzug,
um unter den lieblichen Kräutern des Landes das »rechte
Heilmittel« zu suchen.
Ihr Freunde, eure Zeit ist nicht krank, sie ist abgelebt; darum
quält sie nicht mit Heilversuchen, sondern erleichtert ihr
letztes Stündlein durch Beschleunigung und lasst sie - genesen,
kann sie nicht mehr - lasst sie sterben.
»Überall Mängel, Gebrechen!« Das räumt
ihr selbst ein, und hegtet ihr etwa noch Zweifel, so schlagt die
»Mysterien« auf, um das ganze Elend der Gebrechlichkeit
anzuschauen. Versucht's einmal, das Türkentum zu »reformieren«.
Indem ihr hofft, es zu heilen, werdet ihr's - zerfetzen. Es hat
keine Mängel, so wenig als ein Greis, als Greis, deren hat.
Freilich geht dem Greis die Kraftfülle der Jugend ab, aber
er wäre eben nicht Greis, wenn er sie hätte, und wer
diesem »Mangel« des Greisenalters abhelfen wollte, der
wäre ein wohlmeinender Reformator, wie Mahmud II und unsere
Liberalen. Der Greis geht der Auflösung entgegen, ihr aber
möchtet ihn verjüngen, sein schlotterndes Gebein wieder
straff ziehen. Nicht krank ist unsere Zeit, um geheilt zu werden,
sondern alt ist sie, und ihr Stündlein hat geschlagen. Dennoch
springen tausende von E. Sue's herbei und bieten ihre heilsamen
Quacksalbereien an.
Soll man schliesslich noch ein Wort verlieren über die
vortrefflichen Einrichtungen des Fürsten aus dem Wohl-
täterorden und die philanthropischen Vorschläge des Ro-
manschreibers selber? Sie laufen ja alle darauf hinaus,
die Menschen durch Belohnung oder Bestrafung so lange
zu »treten«, bis sie die Tugend zu ihrer Herrin machen!
Es sind Anträge zu Staatsverbesserungen, wie man vor der
Reformation deren unzählige zur Kirchenverbesserung
machte: Verbesserungen, wo nichts mehr zu verbessern ist. -- ENDE