»Stirner-Studien« ist der Name einer seit 1994 erscheinenden Buchreihe.
ISSN 1431-3693, ISBN 3-922058-61ff-
LSR-Verlag, Postfach 3002, D-90014 Nuernberg)
Max Stirners Werk, das im wesentlichen aus nur einem
Buch besteht (»Der Einzige und sein Eigentum« 1844),
hat eine sonderbare Rezeption erfahren. »Der Einzige«
verursachte erst grosses Aufsehen, verschwand aber bald, noch
deutlich vor "1848", aus der oeffentlichen Diskussion
und blieb ein halbes Jahrhundert lang in Vergessenheit. Danach
gab es zwei Stirner-Renaissancen: die erste ab ca.1893 bis in
die 20er Jahre und (nach wiederum einem halben Jahrhundert der
Vergessenheit) ab 1968 die zweite, die noch anhaelt. In beiden
Perioden erschienen unverhaeltnismaessig viele Monographien und
Aufsaetze ueber den »Einzigen«, und sie kamen fast immer
zu dem gleichen Fazit, das ohnehin seit je in den Handbuechern
steht: naemlich, dass Stirner eine extreme "subjektivistische"
Position vertrete und jedenfalls nur eine kuriose Randerscheinung
der Geistesgeschichte sei. Warum dann aber die zahlreichen Veroeffentlichungen?
Warum die oft sehr engagierten Verurteilungen? Auch: warum das
Schweigen der "grossen" Denker?
Angesichts der Besonderheiten der Stirner-Rezeption
beginnen die »Stirner-Studien« als Tertiaerliteratur:
mit Analysen der Sekundaerliteratur zum »Einzigen«,
ergaenzt durch teilweise detektivische Recherchen, die zumindest
bei einigen der schweigsamen "Grossen" erstaunliche
Beziehungen zu Stirner aufzudecken vermochten. Der sich im Verlauf
dieser Studien staendig verstaerkende Eindruck, dass hier ein
kollektives Ausweichen vor der - nie klar identifizierten - Kernidee
Stirners vorliegt, das viele Denker sehr unterschiedlicher Richtungen
vereint, fuehrte den Initiator der »Stirner-Studien«,
Bernd A. Laska, zu der These, Stirners »Einziger« sei
so etwas wie ein "hapax legomenon" im Text der europaeischen
Philosophie (dessen Bedeutung man allerdings ahnt und fuerchtet),
seine "differentia specifica" sei noch immer unbekannt
(weil nie wirklich gesucht). Ihr wird deshalb ein gesonderter
Band der »Stirner-Studien« gewidmet.
Eine derartig maechtige geistesgeschichtliche Tendenz
laesst sich nicht durch eine schlichte "Richtigstellung"
konterkarieren. Die Erforschung ihrer Antriebe kann aber zum Verstaendnis
des Schicksals des philosophischen, naeherhin des aufklaererischen
Denkens der letzten 150 Jahre einen so entscheidenden Beitrag
leisten, dass die Ueberwindung seines jetzigen desolaten Zustandes
wieder moeglich erscheint.
Zunaechst freilich ist dieses Ausweichen vor Stirner
bzw. dessen essentiellem Gedanken, da es natuerlich nie als solches
firmierte (es tarnte sich sogar manchmal stirnerianisch), so praegnant
wie moeglich in all seinen Varianten zu dokumentieren. Erst wenn
auf diese Weise das Problem exponiert und unabweisbar bewusst
gemacht worden ist, kann - und muss - inhaltlich dargelegt werden,
wovor denn eigentlich so viele, darunter sehr beruehmte, Denker
zurueckgeschreckt und ausgewichen sind. Dementsprechend ist die
Erscheinungsfolge der »Stirner-Studien« angelegt. Bisher
sind erschienen:
»Stirner-Studien« Nr.1
Bernd A. Laska:
EIN HEIMLICHER HIT. 150 Jahre Stirners »Einziger«.
Eine kurze Editionsgeschichte. (Oktober) 1994. ISBN 3-922058-61-2
48 S. 10 DEM
Die Geschichte der deutschen Editionen von Stirners
»Einzigem« ist keineswegs ein langweiliger Stoff. Sie
ist dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Hauptinitiatoren der
sog. Stirner-Renaissancen erstaunlicherweise entschiedene Gegner
Stirners waren. Paul Lauterbach, der Herausgeber der Reclam-Editionen
von 1892ff, war gluehender Nietzscheaner, und Hans G. Helms, der
1968 die erste (stark gekuerzte) Ausgabe des »Einzigen«
nach 1945 edierte, war dogmatischer Marxist (wie auch Ahlrich
Meyer, der den seit 1972 bei Reclam wieder ungekuerzt erscheinenden
»Einzigen« herausgab und kommentierte). Von besonderem
Interesse sind freilich die Motive dieser Maenner, sich vehement
fuer die Publikation einer von ihnen fuer extrem gefaehrlich gehaltenen,
dabei jeweils fast vergessenen Schrift einzusetzen - und wie ihr
Aktivismus dennoch sinnvoll als Ausweichen vor Stirner zu interpretieren
ist. Die daraufhin erzielten,Verkaufserfolge sind jedenfalls beeindruckend.
"Stirners »Einziger« war, ohne dass
er als Bestseller auffiel, nicht nur ein buchhaendlerischer, er
war auch - versteht man HIT im eigentlichen Sinne als Schlag oder
Treffer - ein intellektueller Hit, und hier nun im vollen Wortsinn
ein heimlicher. Denn er bewirkte seit seinem ersten Erscheinen
sowohl bei den wichtigsten seiner direkten Adressaten (Feuerbach,
Ruge, Engels, insbesondere Marx) als auch bei vielen seiner spaeteren
Leser geistige Erschuetterungen, die sie sorgsam vor der Oeffentlichkeit
verbargen (und schliesslich, verdraengend, auch vor sich). (Siehe
»Stirner-Studien« Nr.2)
»Stirner-Studien« Nr.2
Bernd A. Laska:
EIN DAUERHAFTER DISSIDENT. 150 Jahre Stirners »Einziger«.
Eine kurze Wirkungsgeschichte. (August) 1996 ISBN 3-922058-62-0
168 S. 30 DEM
Die Geschichte, warum und wie Marx (mit Engels und
Hess) seinen gewaltigen Anti-Stirner (»Die Deutsche Ideologie«)
schrieb; warum und wie er es dann deichselte, dass dieser nicht
veroeffentlicht wurde; wie Marx den "historischen Materialismus"
als philosophische Grundlage seiner spaeteren politischen/oekonomischen
Analysen konzipierte; wie und warum Legionen von Marxforschern
aller weltanschaulichen Richtungen gegen massive Evidenz Stirners
Rolle in Marx' Entwicklung bagatellisiert oder gar ignoriert haben;
warum sie die Natur des Sieges von Marx ueber Stirner kaum untersucht
haben; diese Geschichte ist so komplex, dass sie in einem separaten
Band (SS#4) dargestellt werden muss. - Analoges gilt fuer Nietzsches
Reaktion auf und Sieg ueber Stirner sowie das Verhalten der Legionen
von Nietzscheforschern (SS#5).
Waehrend also die beiden historisch wirkungsmaechtigsten,
stillschweigenden "Ueberwinder" Stirners, Marx und Nietzsche,
in diesem Band nur summarisch abgehandelt sind, werden die Reaktionen
einer Reihe ebenfalls recht einflussreicher Denker auf Stirner
in 22 konzisen Kapiteln praegnant dokumentiert. Einige Namen:
Feuerbach, Bauer, Daumer, Ruge, E.v.Hartmann, Steiner, Mackay,
Jodl, Joël, Max Adler, Gustav Landauer, Mauthner, Kropotkin,
Klages, Kelsen, Husserl, Loewith, Buber, Carl Schmitt, Juenger,
Adorno, Habermas, Althusser, Hermann Schmitz . . . Eines ist allen
diesen Denkern gemein: Sie haben Stirners »Einzigen«
durchaus nicht geringgeschaetzt, sind aber einer tieferen, argumentativen
Auseinandersetzung mit ihm ausgewichen, stillschweigend oder wortreich.
Die Rezeptionsgeschichte des »Einzigen« war, wie die
hier gebotene Synopse eindrucksvoll demonstriert, eine Repulsions-
und Dezeptionsgeschichte.
Die moeglichen Gruende dafuer werden in diesem Band
nicht eroertert. Im Laufe der Untersuchung zeichnet sich jedoch
ab, dass es inhaltlich um das zentrale, gleichwohl heute mehr
denn je gemiedene Problem neuzeitlicher philosophischer Reflexion
geht: um die schleichende Paralyse und Verkuemmerung der "Aufklaerung"
- synchron mit ihrem (vermeintlichen) Siegeszug. Um ein Problem
von dieser Dimension (theoretisch) anzugehen, wird spaeter zu
zeigen sein, in welchen groesseren historischen Kontext Stirner
zu stellen ist: mittels weiterer Studien des »LSR-Projektes«,
welches hier in einem abschliessenden Kapitel umrissen wird.
»Stirner-Studien« Nr.3
Bernd A. Laska:
"Katechon" und "Anarch". Carl
Schmitts und Ernst Juengers Reaktionen auf Max Stirner. (April)
1997 ISBN 3-922058-63-9 112 S. 20 DEM
Dies ist die erste der Detailstudien zur Wirkung
Stirners auf einzelne Denker (eine auf mehr als das Doppelte erweiterte
Fassung eines Vortrags auf dem Kongress »Max Stirner e l'individualismo
moderno«, Napoli, 10.-12. Nov. 1994). Schmitt und Juenger,
die oft in einem Atem als langjaehrige Freunde genannt werden,
reagierten zu verschiedenen Zeiten und auf gegensaetzliche Weise
auf Stirner. Waehrend im Falle Schmitt Stirner von Jugend an ein
stark verdraengtes "Arcanum" seiner intellektuellen
Entwicklung war, dessen Aufdeckung (u.a.) ein besseres Verstaendnis
einiger seiner auch fuer Kenner oft "aenigmatisch" gebliebenen
Begriffe und Philosopheme ermoeglicht, liess sich Juenger erst
in hohem Alter - und nicht ohne insgeheim sarkastischen Bezug
zu jener Haltung Schmitts - betont "nonchalant" und
scheinbar affirmativ auf Stirner ein. Der Band enthaelt zudem
ein (inhaltliches) Kapitel ueber Stirners zentrale "Gestalt"
des "Eigners", um zu zeigen, dass sowohl Schmitts als
auch Juengers zentrale "Gestalten" zu ihr im Gegensatz
stehen.