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verjagt werden mußten, um endlich an dem Menschen gar kein Teil
mehr zu haben.
Dieser Krieg wird von
Sokrates
erhoben und erreicht seinen
Friedensschluß erst am Todestage der alten Welt.
<26> Mit
Sokrates
nimmt die Prüfung des Herzens ihren Anfang, und
aller Inhalt des Herzens wird gesichtet. In ihren letzten und äußersten
Anstrengungen warfen die Alten allen Inhalt aus dem Herzen hinaus,
und ließen es für Nichts mehr schlagen: dies war die Tat der Skeptiker.
Dieselbe Reinheit des Herzens wurde nun in der skeptischen Zeit
errungen, welche in der sophistischen dem Verstande herzustellen
gelungen war.
Die sophistische Bildung hat bewirkt, daß Einem der Verstand vor
nichts mehr still steht, und die skeptische, daß das Herz von nichts
mehr bewegt wird.
Solange der Mensch in das Weltgetriebe verwickelt und durch
Beziehungen zur Welt befangen ist ­ und er ist es bis ans Ende des
Altertums, weil sein Herz immer noch um die Unabhängigkeit von
Weltlichem zu ringen hat ­ solange ist er noch nicht Geist; denn der
Geist ist körperlos und hat keine Beziehung zur Welt und
Körperlichkeit: für ihn exi[20]stiert nicht die Welt, nicht natürliche
Bande, sondern nur Geistiges und geistige Bande. Darum mußte der
Mensch erst so völlig rücksichtslos und unbekümmert, so ganz
beziehungslos werden, wie ihn die skeptische Bildung darstellt, so ganz
gleichgültig gegen die Welt, daß ihn ihr Einsturz selbst nicht rührte,
ehe er sich als weltlos, d. h. als Geist fühlen konnte. Und dies ist das
Resultat von der Riesenarbeit der Alten, daß der Mensch sich als
beziehungs- und weltloses Wesen, als Geist weiß.
Nun erst, nachdem ihn alle weltliche Sorge verlassen hat, ist er sich
Alles in Allem, ist nur für sich, d. h. ist Geist für den Geist, oder
deutlicher: bekümmert sich nur um das Geistige.
In der christlichen Schlangenklugheit und Taubenunschuld sind die
beiden Seiten der antiken Geistesbefreiung, Verstand <27> und Herz
so vollendet, daß sie wieder jung und neu erschei
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nen, das eine und das andere sich nicht mehr durch das Weltliche,
Natürliche verblüffen lassen.
Zum Geiste also schwangen sich die Alten auf und geistig strebten sie
zu werden. Es wird aber ein Mensch, der als Geist tätig sein will, zu
ganz anderen Aufgaben hingezogen, als er sich vorher zu stellen
vermochte, zu Aufgaben, welche wirklich dem Geiste und nicht dem
bloßen Sinne oder Scharfsinn zu tun geben, der sich nur anstrengt, der
Dinge Herr zu werden. Einzig um das Geistige bemüht sich der Geist,
und in Allem sucht er die "Spuren des Geistes" auf: dem gläubigen
Geiste "kommt alles von Gott" und interessiert ihn nur insofern, als es
diese Abkunft offenbart; dem philosophischen Geiste erscheint alles
mit dem Stempel der Vernunft und interessiert ihn nur so weit, als er
Vernunft, d. h. geistigen Inhalt, darin zu entdecken vermag.
Nicht den Geist also, der es schlechterdings mit nichts Ungeistigem,
mit keinem Dinge, sondern allein mit dem Wesen, welches hinter und
über den Dingen existiert, mit den Gedanken zu tun hat, nicht ihn
strengten die Alten an, denn sie hatten ihn noch nicht; nein, nach ihm
rangen und sehnten sie [21] sich erst und schärften ihn deshalb gegen
ihren übermächtigen Feind, die Sinnenwelt (was wäre aber für sie nicht
sinnlich gewesen, da
Jehova
* oder die Götter der Heiden noch weit
von dem Begriffe "Gott ist Geist" entfernt waren, da an die Stelle des
sinnlichen Vaterlandes noch nicht das "himmlische" getreten war
usw.?), sie schärften gegen die Sinnenwelt den Sinn, den Scharfsinn.
Noch heute sind die Juden, diese altklugen Kinder des Altertums, nicht
weiter gekommen, und können bei aller Subtilität und Stärke der <28>
Klugheit und des Verstandes, der der Dinge mit leichter Mühe Herr
wird, und sie, ihm zu dienen, zwingt, den Geist nicht finden, der sich
aus den Dingen gar nichts macht.
Der Christ hat geistige Interessen, weil er sich erlaubt ein geistiger
Mensch zu sein; der Jude versteht diese Interessen in ihrer Reinheit
nicht einmal, weil er sich nicht erlaubt, den