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Unmensch, nämlich ein übermenschlicher Mensch, ein "Gott ".
Wirklicher Mensch ist nur der ­ Unmensch.
Menschen, die keine Menschen sind, was wären sie anders als
Gespenster? Jeder wirkliche Mensch ist, weil er dem Begriffe
"Mensch " nicht entspricht, oder weil er nicht "Gattungsmensch" ist,
ein Spuk. Aber bleibe Ich auch dann noch ein Unmensch, wenn Ich den
Menschen, der nur als mein Ideal, meine Aufgabe, mein Wesen oder
Begriff über Mich hinaus[195]ragte und Mir jenseitig blieb, zu meiner
Mir eigenen und inhärenten Eigenschaft herabsetze, so daß der Mensch
nichts anderes ist, als meine Menschlichkeit, mein Menschsein, und
alles, was Ich tue, gerade darum menschlich ist, weil Ich 's tue, nicht
aber darum, weil es dem Begriffe "Mensch " entspricht? Ich bin
wirklich der Mensch und Unmensch in Einem; denn Ich bin Mensch
und bin zugleich mehr als Mensch, d. h. Ich bin das Ich dieser meiner
bloßen Eigenschaft.
Es mußte endlich dahin kommen, daß man Uns nicht mehr bloß
zumutete, Christen zu sein, sondern Menschen zu werden; denn
obwohl Wir auch Christen niemals wirklich werden konnten, sondern
immer "arme Sünder" blieben (der Christ war ja eben auch ein
unerreichbares Ideal), so kam dabei doch die Widersinnigkeit nicht so
zum Bewußtsein und die Täuschung war leichter, als jetzt, wo an Uns,
die Wir Menschen sind und menschlich handeln, ja gar nicht anders
können, als <234> dies zu sein und so zu handeln, die Forderung
gestellt wird: Wir sollen Menschen sein, "wirkliche Menschen".
Unsere heutigen Staaten bürden zwar, weil ihnen von ihrer kirchlichen
Mutter noch allerhand anklebt, den Ihrigen noch mancherlei
Verpflichtungen auf (z. B. kirchliche Religiosität), die sie, die Staaten,
eigentlich nichts angehen; aber sie verleugnen doch im Ganzen ihre
Bedeutung nicht, indem sie für menschliche Gesellschaften angesehen
werden wollen, in welchen der Mensch als Mensch ein Glied sein
kann, wenn er auch minder privilegiert ist als andere Mitglieder; die
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meisten lassen Anhänger jeder religiösen Sekte zu, und rezipieren die
Leute ohne Rassen- oder Nationalunterschied: Juden, Türken, Mohren
usw. können französische Bürger werden. Der Staat sieht also bei der
Aufnahme nur darauf, ob einer ein Mensch sei. Die Kirche, als eine
Gesellschaft von Gläubigen, konnte nicht jeden Menschen in ihren
Schoß aufnehmen; der Staat, als eine Gesellschaft von Menschen, kann
es. Aber wenn der Staat sein Prinzip, bei den Seinigen nichts [196]
vorauszusetzen, als daß sie Menschen seien, rein vollzogen hat (bis
jetzt setzen selbst die Nordamerikaner bei den Ihrigen noch voraus, daß
sie Religion, wenigstens die Religion der Rechtschaffenheit, der
Honettität, haben), dann hat er sich sein Grab gegraben. Während er
wähnen wird, an den Seinigen lauter Menschen zu besitzen, sind diese
mittlerweile zu lauter Egoisten geworden, deren jeder ihn nach seinen
egoistischen Kräften und Zwecken benutzt. An den Egoisten geht die
"menschliche Gesellschaft" zu Grunde; denn sie beziehen sich nicht
mehr als Menschen aufeinander, sondern treten egoistisch als ein Ich
gegen ein von Mir durchaus verschiedenes und gegnerisches Du und
Ihr auf.
<235> Wenn der Staat auf unsere Menschlichkeit rechnen muß, so
ist 's dasselbe, wenn man sagt: er müsse auf unsere Sittlichkeit
rechnen. Ineinander den Menschen sehen und gegeneinander als
Menschen handeln, das nennt man ein sittliches Verhalten. Es ist das
ganz und gar die "geistige Liebe" des Christentums. Sehe Ich nämlich
in Dir den Menschen, wie Ich in Mir den Menschen, und nichts als den
Menschen sehe, so sorge Ich für Dich, wie Ich für Mich sorgen würde,
denn Wir stellen ja beide nichts als den mathematischen Satz vor: A =
C und B = C, folglich A = B, d. h. Ich nichts als Mensch und Du nichts
als Mensch, folglich Ich und Du dasselbe. Die Sittlichkeit verträgt sich
nicht mit dem Egoismus, weil sie nicht Mich, sondern nur den
Menschen an Mir gelten läßt. Ist aber der Staat eine Gesellschaft der
Menschen
, nicht ein Verein von Ichen, deren jedes nur sich im Auge