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Dingen keinen Wert beizulegen. Zur reinen Geistigkeit gelangt er
nicht, einer Geistigkeit, wie sie religiös z. B. in dem allein d. h. ohne
Werke rechtfertigenden Glauben der Christen ausgedrückt ist. Ihre
Geistlosigkeit entfernt die Juden auf immer von den Christen; denn
dem Geistlosen ist der Geistige unverständlich, wie dem Geistigen der
Geistlose verächtlich ist. Die Juden haben aber nur den "Geist dieser
Welt".
Der antike Scharfsinn und Tiefsinn liegt so weit vom Geiste und der
Geistigkeit der christlichen Welt entfernt, wie die Erde vom Himmel.
Von den Dingen dieser Welt wird, wer sich als freien Geist fühlt, nicht
gedrückt und geängstigt, weil er sie nicht achtet; soll man ihre Last
noch empfinden, so muß man borniert genug sein, auf sie Gewicht zu
legen, wozu augenscheinlich gehört, daß es einem noch um das "liebe
Leben" zu tun sei. Wem alles darauf ankommt, sich als freier Geist zu
wissen und zu rühren, der fragt wenig darnach, wie kümmerlich es ihm
dabei ergehe, und denkt überhaupt nicht darüber nach, wie er seine
Einrichtungen zu treffen habe, um recht frei oder genußreich zu leben.
Die Unbequemlichkeiten des von [22] den Dingen abhängigen Lebens
stören ihn nicht, weil er nur geistig und von Geistesnahrung lebt, im
Übrigen aber, ohne es kaum zu wissen, nur frißt oder verschlingt, und
wenn ihm der Fraß ausgeht, zwar körperlich stirbt, als Geist <29> aber
sich unsterblich weiß und unter einer Andacht oder einem Gedanken
die Augen schließt. Sein Leben ist Beschäftigung mit Geistigem, ist ­
Denken, das Übrige schiert ihn nicht; mag er sich mit Geistigem be-
schäftigen, wie er immer kann und will, in Andacht, in Betrachtung
oder in philosophischer Erkenntnis, immer ist das Tun ein Denken, und
darum konnte
Cartesius
, dem dies endlich ganz klar geworden war, den
Satz aufstellen: "Ich denke, das heißt: ­ Ich bin." Mein Denken, heißt
es da, ist Mein Sein oder Mein Leben; nur wenn Ich geistig lebe, lebe
Ich; nur als Geist bin Ich wirklich oder ­
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Ich bin durch und durch Geist und nichts als Geist. Der unglückliche
Peter Schlemihl
*, der seinen Schatten verloren hat, ist das Portrait
jenes zu Geist gewordenen Menschen: denn des Geistes Körper ist
schattenlos. ­ Dagegen wie anders bei den Alten! Wie stark und
männlich sie auch gegen die Gewalt der Dinge sich betragen mochten,
die Gewalt selbst mußten sie doch anerkennen, und weiter brachten sie
es nicht, als daß sie ihr Leben gegen jene so gut als möglich schützten.
Spät erst erkannten sie, daß ihr "wahres Leben" nicht das im Kampfe
gegen die Dinge der Welt geführte, sondern das "geistige", von
diesen Dingen "abgewandte" sei, und als sie dies einsahen, da wurden
sie ­ Christen, d. h. die "Neuen " und Neuerer gegen die Alten. Das
von den Dingen abgewandte, das geistige Leben, zieht aber keine
Nahrung mehr aus der Natur, sondern "lebt nur von Gedanken", und
ist deshalb nicht mehr "Leben ", sondern ­ Denken.
Nun muß man jedoch nicht glauben, die Alten seien gedankenlos
gewesen, wie man ja auch den geistigsten Menschen sich nicht so
vorstellen darf, als könnte er leblos sein. Vielmehr hatten sie über alles,
über die Welt, den Menschen, die <30> Götter usw. ihre Gedanken,
und bewiesen sich eifrig tätig, [23] alles dies sich zum Bewußtsein zu
bringen. Allein den Gedanken kannten sie nicht, wenn sie auch an
allerlei dachten und "sich mit ihren Gedanken plagten". Man
vergleiche ihnen gegenüber den christlichen Spruch: "Meine
Gedanken sind nicht Eure Gedanken, und so viel der Himmel höher ist,
denn die Erde, so sind auch Meine Gedanken höher, denn Eure
Gedanken,"* und erinnere sich dessen, was oben über Unsere
Kindergedanken gesagt wurde.
Was sucht also das Altertum? Den wahren Lebensgenuß, Genuß des
Lebens! Am Ende wird es auf das "wahre Leben" hinauskommen.
Der griechische Dichter
Simonides
singt: "Gesundheit ist das edelste
Gut dem sterblichen Menschen, das Nächste nach diesem ist Schönheit,
das dritte Reichtum ohne Tücke erlanget,