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(34)
kenntnislose Mensch, der Mensch, welcher an der Welt nichts zu
erkennen findet, bleibe Ÿbrig, und dieser Mensch lasse die
wahrheitsleere Welt eben stehen und mache sich nichts aus ihr.
So wird das Altertum mit der Welt der Dinge, der Weltordnung, dem
Weltganzen fertig; zur Weltordnung oder den Dingen dieser Welt
gehšrt aber nicht etwa nur die Natur, <33> sondern alle VerhŠltnisse,
in welche der Mensch durch die Natur sich gestellt sieht, z. B. die
Familie, das Gemeinwesen, kurz die sogenannten "natŸrlichen
Bande". Mit der Welt des Geistes beginnt dann das Christentum. Der
Mensch, welcher der Welt noch gewappnet gegenŸber steht, ist der
Alte, der Ð Heide (wozu auch der Jude als Nichtchrist gehšrt); der
Mensch, welchen nichts mehr leitet als seine "Herzenslust", seine
Teilnahme, MitgefŸhl, sein Ð Geist, ist der Neue, der Ð Christ.
Da die Alten auf die WeltŸberwindung hinarbeiteten und den
Menschen von den schweren umstrickenden Banden des
Zusammenhanges mit Anderem zu erlšsen strebten, so kamen sie auch
zuletzt zur Auflšsung des Staates und Bevorzugung alles Privaten.
Gemeinwesen, Familie usw. sind ja als natŸrliche VerhŠltnisse lŠstige
Hemmungen, die meine geistige Freiheit schmŠlern.
[26]
2. DIE NEUEN
" Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist
vergangen, siehe, es ist alles neu geworden."
4
Wurde oben gesagt: "den Alten war die Welt eine Wahrheit", so
mŸssen Wir hier sagen: "den Neuen war der Geist eine Wahrheit",
dŸrfen aber, wie dort, so hier den Zusatz nicht auslassen: eine
Wahrheit, hinter deren Unwahrheit sie zu kommen suchten und endlich
wirklich kommen.
(35)
Ein Šhnlicher Gang, wie das Altertum ihn genommen, <34> lЧt sich
auch am Christentum nachweisen, indem bis in die die Reformation
vorbereitende Zeit hinein der Verstand unter der Herrschaft der
christlichen Dogmen gefangen gehalten wurde, im vorreformatorischen
Jahrhundert aber sophistisch sich erhob und mit allen GlaubenssŠtzen
ein ketzerisches Spiel trieb. Dabei hie§ es denn, zumal in Italien und
am ršmischen Hofe: wenn nur das Herz christlich gesinnt bleibt, so
mag der Verstand immerhin seine Lust genie§en.
Man war lŠngst vor der Reformation so sehr an spitzfindiges
"GezŠnk " gewšhnt, da§ der Papst und die Meisten auch
Luthers
Auftreten anfŠnglich fŸr ein blo§es "MšnchsgezŠnk" ansahen. Der
Humanismus entspricht der Sophistik, und wie zur Zeit der Sophisten
das griechische Leben in hšchster BlŸte stand (
Perikle
i
s
ches Zeitalter),
so geschah das GlŠnzendste zur Zeit des Humanismus, oder, wie man
vielleicht auch sagen kšnnte, des Macchiavellismus
(Buchdruckerkunst, Neue Welt usw.). Das Herz war in dieser Zeit noch
weit davon entfernt, des christlichen Inhalts sich entledigen zu wollen.
Aber die Reformation machte endlich, wie
Sokrates
, mit dem Herzen
selber Ernst, und seitdem sind die Herzen zusehends Ð unchristlicher
geworden. Indem man mit
Luther
anfing, sich die Sache zu Herzen zu
nehmen, mu§te dieser Schritt der Reformation dahin fŸhren, da§ auch
das Herz von der schweren Last der Christlichkeit erleichtert wird. [27]
Das Herz, von Tag zu Tag unchristlicher, verliert den Inhalt, mit
welchem es sich beschŠftigt, bis zuletzt ihm nichts als die leere
Herzlichkeit Ÿbrig bleibt, die ganze allgemeine Menschenliebe, die
Liebe
des
Menschen, das Freiheitsbewu§tsein, das
"Selbstbewu§tsein".
So erst ist das Christentum vollendet, weil es kahl, ab<35>gestorben
und inhaltsleer geworden ist. Es gibt nun keinen Inhalt mehr, gegen
welchen das Herz sich nicht auflehnte, es sei denn, da§ es unbewu§t
oder ohne "Selbstbewu§tsein" von