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ihm beschlichen würde. Das Herz kritisiert alles, was sich eindrängen
will, mit schonungsloser Unbarmherzigkeit zu Tode, und ist keiner
Freundschaft, keiner Liebe (außer eben unbewußt oder überrumpelt)
fähig. Was gäbe es auch an den Menschen zu lieben, da sie allesamt
"Egoisten " sind, keiner der Mensch als solcher, d. h. keiner nur Geist.
Der Christ liebt nur den Geist; wo wäre aber Einer, der wirklich nichts
als Geist wäre?
Den leibhaftigen Menschen mit Haut und Haaren lieb zu haben, das
wäre ja keine "geistige " Herzlichkeit mehr, wäre ein Verrat an der
"reinen " Herzlichkeit, dem "theoretischen Interesse". Denn man
stelle sich die reine Herzlichkeit nur nicht vor wie jene Gemütlichkeit,
die Jedermann freundlich die Hand drückt; im Gegenteil, die reine
Herzlichkeit ist gegen Niemand herzlich, sie ist nur theoretische
Teilnahme, Anteil am Menschen als Menschen, nicht als Person. Die
Person ist ihr widerlich, weil sie "egoistisch", weil sie nicht der
Mensch, diese Idee, ist. Nur für die Idee aber gibt es ein theoretisches
Interesse. Für die reine Herzlichkeit oder die reine Theorie sind die
Menschen nur da, um kritisiert, verhöhnt und gründlichst verachtet zu
werden: sie sind für sie nicht minder, als für den fanatischen Pfaffen,
nur "Dreck " und sonst dergleichen Sauberes.
Auf diese äußerste Spitze interesseloser Herzlichkeit getrieben,
müssen Wir endlich inne werden, daß der Geist, welchen der Christ
allein liebt, nichts ist, oder daß der Geist eine Lüge ist.
[28] Was hier gedrängt und wohl noch unverständlich hingeworfen
wurde, wird sich im weitern Verlauf hoffentlich aufklären.
<36> Nehmen Wir die von den Alten hinterlassene Erbschaft auf und
machen Wir als tätige Arbeiter damit so viel, als sich damit machen
läßt! Die Welt liegt verachtet zu Unsern Füßen, tief unter Uns und
Unserem Himmel, in den ihre mächtigen Arme nicht mehr
hineingreifen und ihr sinnbetäu
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bender Hauch nicht eindringt; wie verführerisch sie sich auch gebärde,
sie kann nichts als unsern Sinn betören, den Geist und Geist sind Wir
doch allein wahrhaft irrt sie nicht. Einmal hinter die Dinge
gekommen, ist der Geist auch über sie gekommen, und frei geworden
von ihren Banden, ein entknechteter, jenseitiger freier. So spricht die
"geistige Freiheit" .
Dem Geiste, der nach langem Mühen die Welt los geworden ist, dem
weltlosen Geiste, bleibt nach dem Verluste der Welt und des
Weltlichen nichts übrig, als der Geist und das Geistige.
Da er jedoch sich von der Welt nur entfernt und zu einem von ihr
freien Wesen gemacht hat, ohne sie wirklich vernichten zu können, so
bleibt sie ihm ein unwegräumbarer Anstoß, ein in Verruf gebrachtes
Wesen, und da er andererseits nichts kennt und anerkennt, als Geist
und Geistiges, so muß er fortdauernd sich mit der Sehnsucht tragen, die
Welt zu vergeistigen, d. h. sie aus dem "Verschiß " zu erlösen.
Deshalb geht er, wie ein Jüngling, mit Welterlösungs- oder
Weltverbesserungsplänen um.
Die Alten dienten, Wir sahen es, dem Natürlichen, Weltlichen, der
natürlichen Weltordnung, aber sie fragten sich unaufhörlich, ob sie
denn dieses Dienstes sich nicht entheben könnten, und als sie in stets
erneuten Empörungsversuchen sich todmüde gearbeitet hatten, da ward
ihnen unter ihren letzten Seufzern der Gott geboren, der
"Weltüberwinder". All ihr Tun war <37> nichts gewesen als
Weltweisheit, ein Trachten, hinter und über die Welt hinaus zu
kommen. Und was [29] ist die Weisheit der vielen folgenden
Jahrhunderte? Hinter was suchten die Neuen zu kommen? Hinter die
Welt nicht mehr, denn das hatten die Alten vollbracht, sondern hinter
den Gott, den jene ihnen hinterließen, hinter den Gott, "der Geist ist",
hinter alles, was des Geistes ist, das Geistige. Die Tätigkeit des Geistes
aber, der "selbst die Tiefen der Gottheit erforscht", ist die
Gottesgelahrtheit. Haben die Alten nichts aufzuweisen als
Weltweisheit, so brachten und