< prev
next>
(38)
bringen es die Neuen niemals weiter als zur Gottesgelahrtheit. Wir
werden später sehen, daß selbst die neuesten Empörungen gegen Gott
nichts als die äußersten Anstrengungen der "Gottesgelahrtheit", d. h.
theologische Insurrektionen sind.
§. 1. Der Geist.
Das Geisterreich ist ungeheuer groß, des Geistigen unendlich viel:
sehen Wir doch zu, was denn der Geist, diese Hinterlassenschaft der
Alten, eigentlich ist.
Aus ihren Geburtswehen ging er hervor, sie selbst aber konnten sich
nicht als Geist aussprechen: sie konnten ihn gebären, sprechen mußte
er selbst. Der "geborene Gott, der Menschensohn" spricht erst das
Wort aus, daß der Geist, d. h. er, der Gott, es mit nichts Irdischem und
keinem irdischen Verhältnisse zu tun habe, sondern lediglich mit dem
Geiste und geistigen Verhältnissen.
Ist etwa Mein unter allen Schlägen der Welt unvertilgbarer Mut,
Meine Unbeugsamkeit und Mein Trotz, weil ihm die Welt nichts anhat,
schon im vollen Sinne der Geist? So wäre er ja noch mit der Welt in
Feindschaft, und all sein <38> Tun beschränkte sich darauf, ihr nur
nicht zu unterliegen! Nein, bevor er sich nicht allein mit sich selbst
beschäftigt, bevor er es nicht mit seiner Welt, der geistigen, allein zu
tun hat, ist er nicht freier Geist, sondern nur der "Geist dieser Welt",
der an sie gefesselte. Der Geist ist freier Geist, d. h. wirklich Geist erst
in einer ihm eigenen Welt; in "dieser ", der irdischen Welt, ist er ein
Fremdling. Nur mittels einer geistigen [30] Welt ist der Geist wirklich
Geist, denn "diese" Welt versteht ihn nicht und weiß "das Mädchen
aus der Fremde" nicht bei sich zu behalten.
Woher soll ihm diese geistige Welt aber kommen? Woher anders als
aus ihm selbst! Er muß sich offenbaren, und die Worte, die er spricht,
die Offenbarungen, in denen er sich enthüllt, die sind seine Welt. Wie
ein Phantast nur in den phantastischen Gebilden, die er selber erschafft,
lebt und seine
(39)
Welt hat, wie ein Narr sich seine eigene Traumwelt erzeugt, ohne
welche er eben kein Narr zu sein vermöchte, so muß der Geist sich
seine Geisterwelt erschaffen, und ist, bevor er sie erschafft, nicht Geist.
Also seine Schöpfungen machen ihn zum Geist, und an den
Geschöpfen erkennt man ihn, den Schöpfer: in ihnen lebt er, sie sind
seine Welt.
Was ist nun der Geist? Er ist der Schöpfer einer geistigen Welt! Auch
an Dir und Mir erkennt man erst Geist an, wenn man sieht, daß Wir
Geistiges Uns angeeignet haben, d. h. Gedanken, mögen sie Uns auch
vorgeführt worden sein, doch in Uns zum Leben gebracht haben; denn
solange Wir Kinder waren, hätte man Uns die erbaulichsten Gedanken
vorlegen können, ohne daß Wir gewollt oder im Stande gewesen
wären, sie in Uns wiederzuerzeugen. So ist auch der <39> Geist nur,
wenn er Geistiges schafft: er ist nur mit dem Geistigen, seinem
Geschöpfe, zusammen wirklich.
Da Wir ihn denn an seinen Werken erkennen, so fragt sich 's, welches
diese Werke seien. Die Werke oder Kinder des Geistes sind aber nichts
anderes als Geister.
Hätte Ich Juden, Juden von echtem Schrot und Korn vor Mir, so müßte
Ich hier aufhören und sie vor diesem Mysterium stehen lassen, wie sie
seit beinahe zweitausend Jahren ungläubig und erkenntnislos davor
stehen geblieben sind. Da Du aber, mein lieber Leser, wenigstens kein
Vollblutsjude bist, denn ein solcher wird sich nicht bis hierher verir-
ren so wollen Wir noch eine Strecke Weges miteinander [31]
machen, bis auch Du vielleicht Mir den Rücken kehrst, weil Ich Dir ins
Gesicht lache.
Sagte Dir Jemand, Du seiest ganz Geist, so würdest Du an Deinen
Leib fassen und ihm nicht glauben, sondern antworten: Ich habe wohl
Geist, existiere aber nicht bloß als Geist, sondern bin ein leibhaftiger
Mensch. Du würdest Dich noch immer von "Deinem Geiste"
unterscheiden. Aber, erwidert jener, es ist Deine Bestimmung, wenn
Du auch jetzt