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noch in den Fesseln des Leibes einhergehst, dereinst ein "seliger
Geist" zu werden, und wie Du das kŸnftige Aussehen dieses Geistes
Dir auch vorstellen magst, so ist doch so viel gewi§, da§ Du im Tode
diesen Leib ausziehen und gleichwohl Dich, d. h. Deinen Geist, fŸr die
Ewigkeit erhalten wirst; mithin ist Dein Geist das Ewige und Wahre an
Dir, der Leib nur eine diesseitige Wohnung, welche Du verlassen und
vielleicht mit einer andern vertauschen kannst.
Nun glaubst Du ihm! FŸr jetzt zwar bist Du nicht blo§ Geist, aber
wenn Du einst aus dem sterblichen Leibe <40> auswandern mu§t, dann
wirst Du ohne den Leib Dich behelfen mŸssen, und darum tut es not,
da§ Du Dich vorsehest und bei Zeiten fŸr Dein eigentliches Ich sorgest.
"Was hŸlfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewšnne und
nŠhme doch Schaden an seiner Seele!"*
Gesetzt aber auch, Zweifel, im Laufe der Zeit gegen die christlichen
GlaubenssŠtze erhoben, haben Dich lŠngst des Glaubens an die
Unsterblichkeit Deines Geistes beraubt: Einen Satz hast Du dennoch
ungerŸttelt gelassen, und der Einen Wahrheit hŠngst Du immer noch
unbefangen an, da§ der Geist Dein besser Teil sei, und da§ das Geistige
grš§ere AnsprŸche an Dich habe, als alles andere. Du stimmst trotz all
Deines Atheismus mit dem UnsterblichkeitsglŠubigen im Eifer gegen
den Egoismus zusammen.
Wen aber denkst Du Dir unter dem Egoisten? Einen Menschen, der,
anstatt einer Idee, d. h. einem Geistigen zu leben, und ihr seinen
persšnlichen Vorteil zu opfern, dem letzteren dient. Ein guter Patriot z.
B. trŠgt seine Opfer auf den Altar [32] des Vaterlandes; da§ aber das
Vaterland eine Idee sei, lЧt sich nicht bestreiten, da es fŸr geistesunfŠ-
hige Tiere oder noch geistlose Kinder kein Vaterland und keinen
Patriotismus gibt. BewŠhrt sich nun Jemand nicht als einen guten
Patrioten, so verrŠt er in Bezug auf 's Vaterland seinen Egoismus. Und
so verhŠlt sich 's in unzŠhligen anderen FŠllen: wer in der
menschlichen Gesellschaft ein Vorrecht sich zu nutze
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macht, der sŸndigt egoistisch gegen die Idee der Gleichheit; wer
Herrschaft Ÿbt, den schilt man einen Egoisten gegen die Idee der
Freiheit usw.
Darum verachtest Du den Egoisten, weil er das Geistige gegen das
Persšnliche zurŸcksetzt, und fŸr sich besorgt ist, wo <41> Du ihn einer
Idee zu Liebe handeln sehen mšchtest. Ihr unterscheidet Euch darin,
da§ Du den Geist, er aber Sich zum Mittelpunkte macht, oder da§ Du
Dein Ich entzweist und Dein "eigentliches Ich", den Geist, zum
Gebieter des wertloseren Restes erhebst, wŠhrend er von dieser
Entzweiung nichts wissen will, und geistige und materielle Interessen
eben nach seiner Lust verfolgt. Du meinst zwar nur auf diejenigen
loszuziehen, welche gar kein geistiges Interesse fassen, in der Tat aber
fluchst Du auf alle, welche das geistige Interesse nicht fŸr ihr "wahres
und hšchstes" ansehen. Du treibst den Ritterdienst fŸr dieses Schšne
so weit, da§ Du behauptest, sie sei die einzige Schšnheit der Welt. Du
lebst nicht Dir, sondern Deinem Geiste und dem, was des Geistes ist, d.
h. Ideen.
Da der Geist nur ist, indem er Geistiges schafft, so sehen Wir Uns
nach seiner ersten Schšpfung um. Hat er diese erst vollbracht, so folgt
fortan eine natŸrliche Fortpflanzung von Schšpfungen, wie nach der
Mythe nur die ersten Menschen geschaffen zu werden brauchten, das
Ÿbrige Geschlecht sich von selbst fortpflanzte. Die erste Schšpfung
hingegen mu§ "aus dem Nichts" hervorgehen, d. h. der Geist hat zu
ihrer Verwirklichung nichts als sich selber, oder vielmehr, er hat sich
noch nicht einmal, sondern mu§ sich erschaffen: seine erste Schšpfung
ist daher er selber, der Geist. So my[33]stisch dies auch klinge, so
erleben Wir 's doch als eine alltŠgliche Erfahrung. Bist Du eher ein
Denkender, als Du denkst? Indem Du den ersten Gedanken erschaffst,
erschaffst Du Dich, den Denkenden; denn Du denkst nicht, bevor Du
einen Gedanken denkst, d. h. hast. Macht Dich nicht erst Dein Singen
zum SŠnger, Dein Sprechen zum sprechenden Menschen? Nun so
macht Dich auch das Hervorbringen von Geistigem erst zum Geiste.