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Wie Du indes vom Denker, Sänger und Sprecher Dich unterscheidest,
so unterscheidest Du Dich nicht minder vom Geiste und fühlst sehr
wohl, daß Du noch etwas anderes als Geist bist. Allein wie dem
denkenden Ich im Enthusiasmus des Denkens leicht Hören und Sehen
vergeht, so hat auch Dich der Geist-Enthusiasmus ergriffen, und Du
sehnst Dich nun mit aller Gewalt, ganz Geist zu werden und im Geiste
aufzugehen. Der Geist ist Dein Ideal, das Unerreichte, das Jenseitige:
Geist heißt Dein Gott, "Gott ist Geist".
Gegen alles, was nicht Geist ist, bist Du ein Eiferer, und darum eiferst
Du gegen Dich selbst, der Du einen Rest von Nichtgeistigem nicht los
wirst. Statt zu sagen: " Ich bin mehr als Geist," sagst Du mit
Zerknirschung: "Ich bin weniger als Geist, und Geist, reinen Geist,
oder den Geist, der nichts als Geist, den kann Ich Mir nur denken, bin
es aber nicht, und da Ich 's nicht bin, so ist 's ein Anderer, existiert als
ein Anderer, den Ich "Gott " nenne."
Es liegt in der Natur der Sache, daß der Geist, der als reiner Geist
existieren soll, ein jenseitiger sein muß, denn da Ich 's nicht bin, so
kann er nur außer Mir sein, da ein Mensch überhaupt nicht völlig in
dem Begriffe "Geist " aufgeht, so kann der reine Geist, der Geist als
solcher, nur außerhalb der Menschen sein, nur jenseits der
Menschenwelt, nicht irdisch, sondern himmlisch.
Nur aus diesem Zwiespalt, in welchem Ich und der Geist liegen, nur
weil Ich und Geist nicht Namen für ein und dasselbe, sondern
verschiedene Namen für völlig Verschiedenes sind, nur weil Ich nicht
Geist und Geist nicht Ich ist: nur [34] daraus erklärt sich ganz
tautologisch die Notwendigkeit, daß der Geist im Jenseits haust, d. h.
Gott ist.
<43> Daraus geht aber auch hervor, wie durchaus theologisch, d. h.
gottesgelahrt, die Befreiung ist, welche
Feuerbach
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Uns zu geben sich
bemüht. Er sagt nämlich, Wir hätten Unser eigenes
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Wesen nur verkannt und darum es im Jenseits gesucht, jetzt aber, da
Wir einsähen, daß Gott nur Unser menschliches Wesen sei, müßten
Wir es wieder als das Unsere anerkennen und aus dem Jenseits in das
Diesseits zurückversetzen. Den Gott, der Geist ist, nennt
Feuerbach
"Unser Wesen". Können Wir Uns das gefallen lassen, daß "Unser
Wesen" zu Uns in einen Gegensatz gebracht, daß Wir in ein
wesentliches und ein unwesentliches Ich zerspalten werden? Rücken
Wir damit nicht wieder in das traurige Elend zurück, aus Uns selbst
Uns verbannt zu sehen?
Was gewinnen Wir denn, wenn Wir das Göttliche außer Uns zur
Abwechselung einmal in Uns verlegen? Sind Wir das, was in Uns ist?
So wenig als Wir das sind, was außer Uns ist. Ich bin so wenig mein
Herz, als Ich meine Herzgeliebte, dieses mein "anderes Ich" bin.
Gerade weil Wir nicht der Geist sind, der in Uns wohnt, gerade darum
mußten Wir ihn außer Uns versetzen: er war nicht Wir, fiel nicht mit
Uns in Eins zusammen, und darum konnten Wir ihn nicht anders
existierend denken als außer Uns, jenseits von Uns, im Jenseits.
Mit der Kraft der Verzweiflung greift
Feuerbach
nach dem gesamten
Inhalt des Christentums, nicht, um ihn wegzuwerfen, nein, um ihn an
sich zu reißen, um ihn, den langersehnten, immer ferngebliebenen, mit
einer letzten Anstrengung <44> aus seinem Himmel zu ziehen und auf
ewig bei sich zu behalten. Ist das nicht ein Griff der letzten Ver-
zweiflung, ein Griff auf Leben und Tod, und ist es nicht zugleich die
christliche Sehnsucht und Begierde nach dem Jenseits? Der Heros will
nicht in das Jenseits eingehen, sondern das Jenseits an [35] sich
heranziehen, und zwingen, daß es zum Diesseits werde! Und schreit
seitdem nicht alle Welt, mit mehr oder weniger Bewußtsein, auf 's
"Diesseits " komme es an, und der Himmel müsse auf die Erde
kommen und schon hier erlebt werden?
Stellen Wir in Kürze die theologische Ansicht
Feuerbach
und Unsern
Widerspruch einander gegenüber! "Das Wesen