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<5>(12) [3]
Ich hab ' Mein ' Sach '
auf Nichts gestellt
Was soll nicht alles Meine Sache sein! Vor allem die gute Sache, dann
die Sache Gottes, die Sache der Menschheit, der Wahrheit, der Freiheit,
der Humanität, der Gerechtigkeit; ferner die Sache Meines Volkes,
Meines Fürsten, Meines Vaterlandes; endlich gar die Sache des Geistes
und tausend andere Sachen. Nur Meine Sache soll niemals Meine
Sache sein. "Pfui über den Egoisten, der nur an sich denkt!"
Sehen Wir denn zu, wie diejenigen es mit ihrer Sache machen, für
deren Sache Wir arbeiten, Uns hingeben und begeistern sollen.
Ihr wißt von Gott viel Gründliches zu verkünden und habt
Jahrtausende lang "die Tiefen der Gottheit erforscht" und ihr ins Herz
geschaut, so daß Ihr Uns wohl sagen könnt, wie Gott die "Sache
Gottes", der Wir zu dienen berufen sind, selber betreibt. Und Ihr
verhehlt es auch nicht, das Treiben des Herrn. Was ist nun seine Sache?
Hat er, wie es Uns zugemutet wird, eine fremde Sache, hat er die Sache
der Wahrheit, der Liebe zur seinigen gemacht? Euch empört dies <6>
Mißverständnis und Ihr belehrt Uns, daß Gottes Sache allerdings die
Sache der Wahrheit und Liebe sei, daß aber diese Sache keine ihm
fremde genannt werden könne, weil Gott ja selbst die Wahrheit und
Liebe sei; Euch empört die Annahme, daß Gott Uns armen Würmern
gleichen könnte, indem er eine fremde Sache als eigene beförderte.
"Gott sollte der Sache der Wahrheit sich annehmen, wenn er nicht
selbst die Wahrheit wäre?" Er sorgt nur für seine Sache, aber weil er
Alles in Allem ist, darum ist auch alles
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seine Sache; Wir aber, Wir sind nicht Alles in Allem, und unsere
Sache ist gar klein und verächtlich; darum müssen Wir einer "höheren
Sache dienen". ­ Nun, es ist klar, Gott bekümmert sich nur um 's [4]
Seine, beschäftigt sich nur mit sich, denkt nur an sich und hat nur sich
im Auge; wehe Allem, was ihm nicht wohlgefällig ist. Er dient keinem
Höheren und befriedigt nur sich. Seine Sache ist eine ­ rein egoistische
Sache.
Wie steht es mit der Menschheit, deren Sache Wir zur unsrigen
machen sollen? Ist ihre Sache etwa die eines Andern und dient die
Menschheit einer höheren Sache? Nein, die Menschheit sieht nur auf
sich, die Menschheit will nur die Menschheit fördern, die Menschheit
ist sich selber ihre Sache. Damit sie sich entwickle, läßt sie Völker und
Individuen in ihrem Dienste sich abquälen, und wenn diese geleistet
haben, was die Menschheit braucht, dann werden sie von ihr aus
Dankbarkeit auf den Mist der Geschichte geworfen. Ist die Sache der
Menschheit nicht eine ­ rein egoistische Sache?
Ich brauche gar nicht an jedem, der seine Sache Uns zuschieben
möchte, zu zeigen, daß es ihm nur um sich, nicht um Uns, nur um sein
Wohl, nicht um das Unsere zu tun ist. Seht Euch die Übrigen nur an.
Begehrt die Wahrheit, <7> die Freiheit, die Humanität, die
Gerechtigkeit etwas anderes, als daß Ihr Euch enthusiasmiert und ihnen
dient?
Sie stehen sich alle ausnehmend gut dabei, wenn ihnen pflichteifrigst
gehuldigt wird. Betrachtet einmal das Volk, das von ergebenen
Patrioten geschützt wird. Die Patrioten fallen im blutigen Kampfe oder
im Kampfe mit Hunger und Not; was fragt das Volk darnach? Das
Volk wird durch den Dünger ihrer Leichen ein "blühendes Volk"! Die
Individuen sind "für die große Sache des Volkes" gestorben, und das
Volk schickt ihnen einige Worte des Dankes nach und ­ hat den Profit
davon. Das nenn ' Ich Mir einen einträglichen Egoismus.
Aber seht doch jenen Sultan an, der für "die Seinen" so liebreich
sorgt. Ist er nicht die pure Uneigennützigkeit