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wäre als er, der Einzelne, selber, sondern ein allgemeines und
"höheres", ja für die Atheisten "das höchste Wesen". Und wie die
göttlichen Offenbarungen nicht von Gott eigenhändig
niedergeschrieben, sondern durch die "Rüstzeuge des Herrn"
veröffentlicht wurden, so schreibt auch das neue höchste Wesen seine
Offenbarungen nicht selbst auf, sondern läßt sie durch "wahre
Menschen" zu unserer Kunde gelangen. Nur verrät das neue Wesen
eine in der Tat geistigere Auffassung als der alte Gott, weil dieser noch
in einer Art von Beleibtheit oder Gestalt vorgestellt wurde, dem neuen
hingegen die ungetrübte Geistigkeit erhalten und ein besonderer
materieller Leib nicht angedichtet wird. Gleichwohl fehlt ihm auch die
Leiblichkeit nicht, die sich sogar noch verführerischer anläßt, weil sie
natürlicher und weltlicher aussieht und in nichts Geringerem besteht,
als in jedem leibhaftigen Menschen oder auch schlechtweg in der
"Menschheit" oder "allen Menschen". Die Spukhaftigkeit des
Geistes in einem Scheinleibe ist dadurch wieder einmal recht kompakt
und populär geworden.
<52> Heilig also ist das höchste Wesen und alles, worin dies höchste
Wesen sich offenbart oder offenbaren wird; geheiligt aber diejenigen,
welche dies höchste Wesen samt dem Seinen, d. h. samt den
Offenbarungen desselben anerkennen. Das Heilige heiligt hinwiederum
seinen Verehrer, der durch den Kultus selbst zu einem Heiligen wird,
wie denn gleichfalls, was er tut, heilig ist: ein heiliger Wandel, ein
heiliges Denken und Tun, Dichten und Trachten usw.
Was als das höchste Wesen verehrt wird, darüber kann begreiflicher
Weise nur so lange der Streit bedeutungsvoll sein, als selbst die
erbittertsten Gegner einander den Hauptsatz einräumen, daß es ein
höchstes Wesen gebe, dem Kultus oder Dienst gebühre. Lächelte Einer
mitleidig über den ganzen Kampf um ein höchstes Wesen, wie etwa ein
Christ bei dem Wortgefecht eines Schiiten mit einem Sunniten oder
eines [42] Brahminen mit einem Buddhisten, so gälte ihm die
Hypothese von einem höchsten Wesen für nichtig und der Streit auf
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dieser Basis für ein eitles Spiel. Ob dann der einige oder dreieinige
Gott, ob der luthersche Gott oder das être suprême oder Gott gar nicht,
sondern "der Mensch" das höchste Wesen vorstellen mag, das macht
für den durchaus keinen Unterschied, der das höchste Wesen selbst
negiert, denn in seinen Augen sind jene Diener eines höchsten Wesens
insgesamt ­ fromme Leute: der wütendste Atheist nicht weniger als der
gläubigste Christ.
Obenan steht also im Heiligen das höchste Wesen und der Glaube an
dies Wesen, Unser "heiliger Glaube".
Der Spuk
Mit den Gespenstern gelangen Wir ins Geisterreich, ins Reich der
Wesen.
<53> Was in dem Weltall spukt und sein mysteriöses,
"unbegreifliches" Wesen treibt, das ist eben der geheimnisvolle Spuk,
den Wir höchstes Wesen nennen. Und diesem Spuk auf den Grund zu
kommen, ihn zu begreifen, in ihm die Wirklichkeit zu entdecken (das
"Dasein Gottes" zu beweisen), ­ diese Aufgabe setzten sich
Jahrtausende die Menschen; mit der gräßlichen Unmöglichkeit, der
endlosen
Danaid
enarbeit,* den Spuk in einen Nicht-Spuk, das
Unwirkliche in ein Wirkliches, den Geist in eine ganze und leibhaftige
Person zu verwandeln, ­ damit quälten sie sich ab. Hinter der
daseienden Welt suchten sie das "Ding an sich", das Wesen, sie
suchten hinter dem Ding das Unding.
Wenn man einer Sache auf den Grund schaut, d. h. ihrem Wesen
nachgeht, so entdeckt man oft etwas ganz anderes, als das, was sie zu
sein scheint: eine honigsüße Rede und ein lügnerisches Herz,
pomphafte Worte und armselige Gedanken usw. Man setzt dadurch,
daß man das Wesen hervorhebt, die bisher verkannte Erscheinung zu
einem bloßen Scheine, zu einer Täuschung herab. Das Wesen der so an
[43]ziehenden, herrlichen Welt ist für den, der ihr auf den Grund sieht,
die ­ Eitelkeit: die Eitelkeit ist ­ Weltwesen (Welt