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jenes höhere Wesen, das in Dir "umgeht ": Ich "respektiere in Dir
den Menschen". So etwas beachteten die Alten nicht in ihren Sklaven,
und das höhere Wesen: "der Mensch" fand noch wenig Anklang.
Dagegen sahen sie ineinander Gespenster anderer Art. Das Volk ist ein
höheres Wesen als ein Einzelner, und gleich dem Menschen oder
Menschengeiste ein in den Einzelnen spukender Geist: der Volksgeist.
Deshalb verehrten sie diesen Geist, und nur so weit er diesem oder
auch einem ihm verwandten Geiste, z. B. dem Familiengeiste usw.
diente, konnte der Einzelne bedeutend erscheinen; nur um des höheren
Wesens, des Volkes, willen, überließ man dem "Volksgliede" eine
Geltung. Wie Du Uns durch "den Menschen", der in Dir spukt,
geheiligt bist, so war man zu jeder Zeit durch irgend ein höheres
Wesen, wie Volk, Familie u. dergl. geheiligt. Nur um eines höhern
Wesens willen ist man von jeher geehrt, nur als ein Gespenst für eine
geheiligte, d. h. geschützte und anerkannte Person betrachtet worden.
Wenn Ich Dich hege und pflege, weil Ich Dich lieb habe, weil Mein
Herz an Dir Nahrung, Mein Bedürfnis Befriedigung findet, so
geschieht es nicht um eines höheren Wesens willen, dessen geheiligter
Leib Du bist, nicht darum, weil Ich ein Gespenst, d. h. einen
erscheinenden Geist in Dir erblicke, sondern aus egoistischer Lust: Du
selbst mit Deinem Wesen bist Mir wert, denn Dein Wesen ist kein
höheres, ist nicht höher und allgemeiner als Du, ist einzig wie Du
selber, weil Du es bist.
Aber nicht bloß der Mensch, sondern Alles spukt. Das höhere Wesen,
der Geist, der in Allem umgeht, ist zugleich an Nichts gebunden, und
"erscheint" nur darin. Gespenst in allen Winkeln!
<57> Hier wäre der Ort, die spukenden Geister vorüberziehen zu
lassen, wenn sie nicht weiter unten wieder vorkommen müßten, um vor
dem Egoismus zu verfliegen. Daher mögen nur einige derselben
beispielsweise namhaft gemacht werden, um sogleich auf unser
Verhalten zu ihnen überzuleiten.
[46] Heilig z. B. ist vor allem der "heilige Geist", heilig die
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Wahrheit, heilig das Recht, das Gesetz, die gute Sache, die Majestät,
die Ehe, das Gemeinwohl, die Ordnung, das Vaterland usw. usw.
Der Sparren
Mensch, es spukt in Deinem Kopfe; Du hast einen Sparren zu viel! Du
bildest Dir große Dinge ein und malst Dir eine ganze Götterwelt aus,
die für Dich da sei, ein Geisterreich, zu welchem Du berufen seist, ein
Ideal, das Dir winkt. Du hast eine fixe Idee!
Denke nicht, daß Ich scherze oder bildlich rede, wenn Ich die am
Höheren hängenden Menschen, und weil die ungeheure Mehrzahl
hierher gehört, fast die ganze Menschenwelt für veritable* Narren,
Narren im Tollhause ansehe. Was nennt man denn eine "fixe Idee"?
Eine Idee, die den Menschen sich unterworfen hat. Erkennt Ihr an einer
solchen fixen Idee, daß sie eine Narrheit sei, so sperrt Ihr den Sklaven
derselben in eine Irrenanstalt. Und ist etwa die Glaubenswahrheit, an
welcher man nicht zweifeln, die Majestät z. B. des Volkes, an der man
nicht rütteln (wer es tut, ist ein Majestätsverbrecher), die Tugend,
gegen welche der Zensor kein Wörtchen durchlassen soll, damit die
Sittlichkeit rein erhalten werde usw., sind dies nicht "fixe Ideen"? Ist
nicht alles dumme Geschwätz, z. B. unserer meisten Zeitungen, das
Geplapper von <58> Narren, die an der fixen Idee der Sittlichkeit,
Gesetzlichkeit, Christlichkeit usw. leiden, und nur frei herumzugehen
scheinen, weil das Narrenhaus, worin sie wandeln, einen so weiten
Raum einnimmt? Man taste einem solchen Narren an seine fixe Idee,
und man wird sogleich vor der Heimtücke des Tollen den Rücken zu
hüten haben. Denn auch darin gleichen diese großen Tollen den
kleinen sogenannten Tollen, daß sie heimtückisch über den herfallen,
der ihre fixe Idee anrührt. Sie stehlen ihm erst die Waffe, stehlen ihm
das freie Wort, und dann stürzen sie mit ihren Nägeln über ihn her.
Jeder Tag deckt jetzt die Feigheit und [47] Rach