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Schurken Ÿberla§t Ihr Portefeuille* und noch wichtigere Dinge. Also
in praxi habt Ihr Mir nichts vorzuwerfen. "Aber in der Theorie!" Nun,
da stelle ich beide in der Tat auf eine Linie als zwei entgegengesetzte
Pole: beide nŠmlich auf die Linie des Sittengesetzes. Sie haben beide
nur Sinn in der "sittlichen" Welt, gerade so, wie in der vorchristlichen
Zeit ein gesetzlicher Jude und ein ungesetzlicher nur Sinn und
Bedeutung hatten in Bezug auf das jŸdische Gesetz, dagegen vor
Christus
der PharisŠer nicht mehr war, als die [59] "SŸnder und
Zšllner". So gilt auch vor der Eigenheit der sittliche PharisŠer so viel,
als der unsittliche SŸnder.
Nero
wurde durch seine Besessenheit sehr unbequem. Ihm wŸrde aber
ein eigener Mensch nicht alberner Weise das "Heilige"
entgegensetzen, um zu jammern, wenn der Tyrann des Heiligen nicht
achtet, sondern seinen Willen. Wie oft wird die Heiligkeit der
unverŠu§erlichen Menschenrechte den Feinden derselben vorgehalten
und irgend eine Freiheit als ein "heiliges Menschenrecht" erwiesen
und vordemonstriert. Die das tun, verdienen ausgelacht zu werden,
wie 's ihnen wirklich geschieht, wenn sie nicht eigentlich doch, sei 's
auch unbewu§t, den zum Ziele fŸhrenden Weg einschlŸgen. Sie ahnen
es, da§, wenn nur erst die Mehrzahl fŸr jene Freiheit gewonnen ist, sie
auch dieselbe wollen und dann nehmen wird, was sie haben will. Die
Heiligkeit der Freiheit und alle mšglichen Beweise dieser Heiligkeit
werden sie niemals verschaffen: das Lamentieren und Petitionieren
zeigt eben nur Bettler.
<73> Der Sittliche ist notwendig darin borniert, da§ er keinen andern
Feind kennt als den "Unsittlichen". "Wer nicht sittlich ist der ist
unsittlich!", mithin verworfen, verŠchtlich usw. Darum kann der
Sittliche niemals den Egoisten verstehen. Ist nicht unehelicher
Beischlaf eine Unsittlichkeit? Der Sittliche mag sich drehen, wie er
will, er wird bei diesem Ausspruch bleiben mŸssen;
Emilia Galotti
lie§
fŸr diese sittliche Wahrheit ihr Leben. Und es ist wahr, es ist eine
Unsittlich
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keit. Ein tugendhaftes MŠdchen mag eine alte Jungfer werden; ein
tugendhafter Mann mag die Zeit damit hinbringen, sich mit seinen
Naturtrieben herumzuschlagen, bis er sie vielleicht verdumpft hat, er
mag sich um der Tugend willen verschneiden, wie der heilige
Origenes
* um des Himmels willen: er ehrt die heilige Ehe, die heilige
Keuschheit dadurch als unverletzlich, es ist Ð sittlich. Unkeuschheit
kann nie zu einer sittlichen Tat werden. Mag der Sittliche den, der sie
beging, auch noch so nachsichtig beurteilen und entschuldigen, ein
Vergehen, eine SŸnde wider ein sittliches Gebot [60] bleibt sie, es
haftet daran ein unauslšschlicher Makel. Wie die Keuschheit einst zum
OrdensgelŸbde, so gehšrt sie zu sittlichem Wandel. Keuschheit ist ein Ð
Gut. Ð Dagegen fŸr den Egoisten ist eben auch Keuschheit kein Gut,
darohne er nicht auskommen kšnnte: es ist ihm nichts daran gelegen.
Was folgt nun fŸr das Urteil des Sittlichen hieraus? Dies, da§ er den
Egoisten in die einzige Klasse von Menschen wirft, die er au§er den
sittlichen Menschen kennt, in die der Ð Unsittlichen. Er kann nicht
anders, er mu§ den Egoisten in allem, worin dieser die Sittlichkeit nicht
achtet, unsittlich finden. FŠnde er ihn nicht so, so wŠre er eben schon
der Sittlichkeit abtrŸnnig geworden, ohne sich 's zu gestehen, er wŠre
schon kein wahrhaft sittlicher <74> Mensch mehr. Man sollte sich
doch durch solche Erscheinungen, die heutigen Tages allerdings nicht
mehr zu den seltenen gehšren, nicht irrefŸhren lassen, und bedenken,
da§, wer der Sittlichkeit etwas vergibt, so wenig zu den wahrhaft
Sittlichen gezŠhlt werden kann, als Lessing, der in der bekannten
Parabel die christliche Religion, so gut als die mohammedanische und
jŸdische, einem "unechten Ringe" vergleicht, ein frommer Christ war.
Oft sind die Leute schon weiter, als sie sich 's zu gestehen getrauen. Ð
FŸr
Sokrates
wŠre es, weil er auf der Bildungsstufe der Sittlichkeit
stand, eine Unsittlichkeit gewesen, wenn er der verfŸhrerischen
Zusprache
Kriton
s hŠtte folgen und dem Kerker entrinnen wollen; zu
bleiben war das einzig Sittliche. Allein