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nehmen, wie als Unheilige, und wie diese nach und nach ins vollste
Maß selbstverleugnender Gemeinheit und Niedrigkeit ver<79>sinken,
so müssen jene zur entehrendsten Erhabenheit aufsteigen. Der
Mammon der Erde und der Gott des Himmels fordern beide genau
denselben Grad der ­ Selbstverleugnung. Der Niedrige wie der
Erhabene langen nach einem "Gute ", jener nach dem materiellen,
dieser nach dem ideellen, dem sogenannten "höchsten Gute", und
beide ergänzen zuletzt auch einander wieder, indem der "materiell
Gesinnte" einem ideellen Schemen Alles opfert, seiner Eitelkeit, der
"geistlich Gesinnte" einem materiellen Genusse, dem Wohlleben.
Ungemein viel glauben diejenigen zu sagen, welche den Menschen
"Uneigennützigkeit" ans Herz legen. Was ver[65]stehen sie darunter?
Wohl etwas Ähnliches als unter "Selbstverleugnung ". Wer aber ist
dieses Selbst, das verleugnet werden und keinen Nutzen haben soll?
Du scheinst es selber sein zu sollen. Und zu wessen Nutzen empfiehlt
man Dir die uneigennützige Selbstverleugnung? Wiederum Dir zu
Nutzen und Frommen, nur daß Du durch Uneigennützigkeit Deinen
"wahren Nutzen" Dir verschaffst.
Dir sollst Du nutzen, und doch sollst Du Deinen Nutzen nicht suchen.
Für uneigennützig hält man den Wohltäter der Menschen, einen
Francke, welcher das Waisenhaus stiftete, einen
O 'Connell
, der für
sein irisches Volk unermüdlich arbeitet; aber auch den Fanatiker, der,
wie der heilige
Bonifatius
*, sein Leben für die Heidenbekehrung
einsetzt, oder wie
Robespierre
alles der Tugend opfert, wie Körner für
Gott, König und Vaterland stirbt. Daher versuchen unter Andern die
Gegner
O 'Connells
ihm eine Eigennützigkeit oder Gewinnsucht
unterzuschieben, wozu ihnen die
O 'Connell
-Rente Grund zu geben
<80> schien; denn gelänge es, seine "Uneigennützigkeit" zu
verdächtigen, so trennten sie ihn leicht von seinen Anhängern.
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Was könnten sie indes weiter beweisen, als daß
O 'Connell
auf einen
andern als den vorgeblichen Zweck hinarbeite? Ob er aber Geldgewinn
oder Volksbefreiung erzielen mag, daß er einem Zwecke, und zwar
seinem Zwecke zustrebt, bleibt doch im einen wie im andern Falle
gewiß: Eigennutz hier wie da, nur daß sein nationaler Eigennutz auch
Andern
zu Gute käme, mithin gemeinnützig wäre.
Ist nun etwa die Uneigennützigkeit unwirklich und nirgends
vorhanden? Im Gegenteil, nichts ist gewöhnlicher! Man darf sie sogar
einen Modeartikel der zivilisierten Welt nennen, den man für so
unentbehrlich hält, daß man, wenn er in solidem Stoffe zuviel kostet,
wenigstens mit seinem Flitterschein sich ausputzt und ihn erheuchelt.
Wo beginnt die Uneigennützigkeit? Gerade da, wo ein Zweck aufhört,
Unser Zweck und Unser Eigentum, mit dem Wir als Eigentümer nach
Be[66]lieben schalten können, zu sein; wo er ein fixer Zweck oder eine
­ fixe Idee wird, wo er anfängt, Uns zu begeistern, enthusiasmieren,
fanatisieren, kurz wo er zu Unserer Rechthaberei ausschlägt und Unser
­ Herr wird. Man ist nicht uneigennützig, solange man den Zweck in
seiner Gewalt behält; man wird es erst bei jenem "Hier steh ' ich, ich
kann nicht anders", dem Kernspruche aller Besessenen, man wird es
bei einem heiligen Zwecke durch den entsprechenden heiligen Eifer. ­
Ich bin nicht uneigennützig, solange der Zweck Mein eigen bleibt, und
Ich, statt zum blinden Mittel seiner Vollführung Mich herzugeben, ihn
vielmehr allezeit in Frage lasse. Mein Eifer braucht darum nicht
geringer zu sein, als der <81> fanatischste, aber Ich bleibe zu gleicher
Zeit gegen ihn frostig kalt, ungläubig und sein unversöhnlichster Feind;
Ich bleibe sein Richter, weil Ich sein Eigentümer bin.
Die Uneigennützigkeit wuchert üppig, soweit die Besessenheit reicht,
gleich sehr auf Teufelsbesitzungen wie auf denen eines guten Geistes:
dort Laster, Narrheit usw.; hier Demut, Hingebung usw.