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Der Unterschied ist also der, ob Mir Gefühle eingegeben oder nur
angeregt sind. Die letzteren sind eigene, egoistische, weil sie Mir nicht
als Gefühle eingeprägt, vorgesagt und aufgedrungen wurden; zu den
ersteren aber spreize Ich Mich auf, hege sie in Mir wie ein Erbteil,
kultiviere sie und bin von ihnen besessen. Wer hätte es niemals,
bewußter oder unbewußter gemerkt, daß Unsere ganze Erziehung
darauf aus<86>geht, Gefühle in Uns zu erzeugen, d. h. sie uns
einzugeben, statt die Erzeugung derselben Uns zu überlassen, wie sie
auch ausfallen mögen. Hören Wir den Namen Gottes, so sollen Wir
Gottesfurcht empfinden, hören Wir den der fürstlichen Majestät, so soll
er mit Ehrfurcht, Ehrerbietung, Untertänigkeit aufgenommen werden,
hören Wir den der Moral, so sollen Wir etwas Unverletzliches zu hören
meinen, hören Wir von dem und den Bösen, so sollen Wir schaudern
usw. Auf diese Gefühle ist 's abgesehen, und wer z. B. die Taten der
"Bösen " mit Wohlgefallen vernähme, der müßte durch die Zuchtrute
"gezüchtigt und erzogen " werden. So mit eingegebenen Gefühlen
vollgestopft, erscheinen Wir vor den Schranken der Mündigkeit und
werden "mündig gesprochen". Unsere Ausrüstung besteht aus
"erhebenden Gefühlen, erhabenen Gedanken, begeisternden
Grundsätzen, ewigen Prinzipien" usw. Mündig sind die Jungen dann,
wenn sie zwitschern wie die Alten; man hetzt sie durch die [71] Schule,
damit sie die alte Leier lernen, und haben sie diese inne, so erklärt man
sie für mündig.
Wir dürfen nicht bei jeder Sache und jedem Namen, der Uns
vorkommt, fühlen, was Wir dabei fühlen möchten und könnten, dürfen
z. B. bei dem Namen Gottes nichts Lächerliches denken, nichts
Unehrerbietiges fühlen, sondern es ist Uns vorgeschrieben und
eingegeben, was und wie Wir dabei fühlen und denken sollen.
Das ist der Sinn der Seelsorge, daß meine Seele oder mein Geist
gestimmt sei, wie Andere es recht finden, nicht wie Ich selbst möchte.
Wie viele Mühe kostet es Einem
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nicht, wenigstens bei dem und jenem Namen endlich sich ein eigenes
Gefühl zu sichern und Manchem ins Gesicht zu <87> lachen, der von
Uns bei seinen Reden ein heiliges Gesicht und eine unverzogene Miene
erwartet. Das Eingegebene ist Uns fremd, ist Uns nicht eigen, und
darum ist es "heilig ", und es hält schwer, die "heilige Scheu davor"
abzulegen.
Heutigen Tages hört man auch wieder den "Ernst " anpreisen, den
"Ernst bei hochwichtigen Gegenständen und Verhandlungen", den
"deutschen Ernst" usw. Diese Art der Ernsthaftigkeit spricht deutlich
aus, wie alt und ernstlich schon die Narrheit und Besessenheit
geworden ist. Denn es gibt nichts Ernsthafteres als den Narren, wenn er
auf den Kernpunkt seiner Narrheit kommt: da versteht er vor großem
Eifer keinen Spaß mehr. (Siehe Tollhäuser.)
§. 3. Die Hierarchie
Die geschichtliche Reflexion über Unser Mongolentum, welche Ich an
dieser Stelle episodisch einlegen will, gebe Ich nicht mit dem
Anspruche auf Gründlichkeit oder auch nur auf Bewährtheit, sondern
lediglich darum, weil Mich dünkt, sie könne zur Verdeutlichung des
Übrigen beitragen.
Die Weltgeschichte, deren Gestaltung eigentlich ganz dem
kaukasischen Menschenstamm angehört, scheint bis jetzt zwei
kaukasische Weltalter durchlaufen zu haben, in deren [72] erstem Wir
Unsere angeborne Negerhaftigkeit aus- und abzuarbeiten hatten,
worauf im zweiten die Mongolenhaftigkeit (das Chinesentum) folgte,
dem gleichfalls endlich ein Ende mit Schrecken gemacht werden muß.
Die Negerhaftigkeit stellt dar das Altertum, die Zeit der Abhängigkeit
von den Dingen (vom Hahnenfraß, Vögelflug, vom Niesen, von
Donner und Blitz, vom Rauschen heiliger Bäume usw.); die
Mongolenhaftigkeit die Zeit der Abhängigkeit von Gedanken, die <88>
christliche. Der Zukunft sind die Worte vorbehalten: Ich bin Eigner der
Welt der Dinge, und Ich bin Eigner der Welt des Geistes.