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selbsttätig bewiesen trotz seiner mongolischen Sittlichkeit. Der
mongolische Himmel oder die Sitte blieb die feste Burg, und nur
dadurch, daß der Kaukasier unaufhörlich gegen diese Burg anstürmte,
bewies er sich sittlich; hätte er 's gar nicht mehr mit der Sitte zu tun
gehabt, hätte er nicht an ihr seinen unbezwinglichen, fortwährenden
Feind gehabt, so hörte die Beziehung zur Sitte auf, mithin die Sittlich-
keit. Daß also seine Selbsttätigkeit noch eine sittliche ist, das ist eben
das Mongolenhafte an ihr, ist ein Zeichen, daß er in derselben nicht zu
sich selbst gekommen. Die "sittliche Selbsttätigkeit" ent<93>spricht
ganz der "religiösen und rechtgläubigen Philosophie", der
"konstitutionellen Monarchie", dem "christlichen Staate", der
"Freiheit in gewissen Schranken", der "beschränkten Preßfreiheit",
oder in einem Bilde dem ans Krankenlager gefesselten Helden.
Erst dann hat der Mensch das Schamanentum und seinen Spuk
wirklich überwunden, wenn er nicht bloß den Gespensterglauben,
sondern auch den Glauben an den Geist abzulegen die Kraft besitzt,
nicht bloß den Geisterglauben, sondern auch den Geistesglauben.
Wer an einen Spuk glaubt, nimmt nicht mehr das "Hereinragen einer
höhern Welt" an, als wer an den Geist glaubt, und beide suchen hinter
der sinnlichen Welt eine übersinnliche, kurz sie erzeugen und glauben
eine andere Welt, und diese andere Welt, das Erzeugnis ihres Geistes,
ist eine geistige Welt: ihre Sinne fassen und wissen ja nichts von einer
anderen, unsinnlichen Welt, nur ihr Geist lebt darin. Der Fortgang von
diesem mongolischen Glauben an das Dasein geistiger Wesen dahin,
daß auch des Menschen eigentliches Wesen sein Geist sei, und daß auf
diesen allein, auf sein [77] "Seelenheil" alle Sorgfalt gerichtet werden
müsse, ist nicht schwer. Damit wird die Einwirkung auf den Geist, der
sogenannte "moralische Einfluß" gesichert.
Es springt daher in die Augen, daß das Mongolentum die
vollkommene Rechtlosigkeit der Sinnlichkeit, die Unsinn
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lichkeit und Unnatur repräsentiere, und daß die Sünde und das
Sündbewußtsein unsere Jahrtausende lange mongolische Plage war.
Wer aber wird auch den Geist in sein Nichts auflösen? Er, der mittelst
des Geistes die Natur als das Nichtige, Endliche, Vergängliche
darstellte, er kann allein auch den Geist <94> zu gleicher Nichtigkeit
herabsetzen: Ich kann es, es kann es Jeder unter Euch, der als
unumschränktes Ich waltet und schafft, es kann 's mit einem Worte der
Egoist.
Vor dem Heiligen verliert man alles Machtgefühl und allen Mut: man
verhält sich gegen dasselbe ohnmächtig und demütig. Und doch ist kein
Ding durch sich heilig, sondern durch Meine Heiligsprechung, durch
Meinen Spruch, Mein Urteil, Mein Kniebeugen, kurz durch Mein
Gewissen.
Heilig ist Alles, was dem Egoisten unnahbar sein soll, unberührbar,
außerhalb seiner Gewalt, d. h. über ihm: heilig mit Einem Worte jede
Gewissenssache, denn " dies ist Mir eine Gewissenssache" heißt eben:
" dies halte Ich heilig".
Für kleine Kinder, wie für Tiere, existiert nichts Heiliges, weil man,
um dieser Vorstellung Raum zu geben, schon so weit zu Verstand
gekommen sein muß, daß man Unterschiede wie: "gut und böse,
berechtigt und unberechtigt" usw. machen kann; nur bei solchem
Grade der Reflexion oder Verständigkeit dem eigentlichen
Standpunkte der Religion kann an die Stelle der natürlichen Furcht
die unnatürliche (d. h. erst durch Denken hervorgebrachte) Ehrfurcht
treten, die "heilige Scheu". Es gehört dazu, daß man etwas außer sich
für mächtiger, größer, berechtigter, besser usw. hält, d. h. daß man die
Macht eines Fremden anerkennt, also nicht bloß fühlt, sondern
ausdrücklich anerkennt, [78] d. h. einräumt, weicht, sich gefangen gibt,
sich binden läßt (Hingebung,