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sorgen sie auch nur für Eine Befriedigung, aber für diese um [82]
desto eifriger: sie gehen in ihr auf. Egoistisch ist ihr ganzes Tun und
Treiben, aber es ist ein einseitiger, unaufgeschlossener, bornierter
Egoismus: es ist Besessenheit.
" Das sind ja kleinliche Leidenschaften, von denen sich im Gegenteil
der Mensch nicht knechten lassen soll. Für eine große Idee, eine große
Sache muß der Mensch Opfer bringen!" Eine "große Idee", eine
"gute Sache" ist etwa die Ehre Gottes, für die Unzählige in den Tod
gingen, das Christentum, das seine bereitwilligen Märtyrer gefunden
hat, die alleinseligmachende Kirche, die sich Ketzeropfer gierig
ge<100>langt hat; die Freiheit und Gleichheit, der blutige Guillotinen
zu Diensten standen.
Wer für eine große Idee, eine gute Sache, eine Lehre, ein System,
einen erhabenen Beruf lebt, der darf kein weltliches Gelüste, kein
selbstsüchtiges Interesse in sich aufkommen lassen. Hier haben Wir
den Begriff des Pfaffentums, oder wie es in seiner pädagogischen
Wirksamkeit auch genannt werden kann, der Schulmeisterlichkeit;
denn die Idealen schulmeistern Uns. Der Geistliche ist recht eigentlich
berufen, der Idee zu leben und für die Idee, die wahrhaft gute Sache, zu
wirken. Deshalb fühlt das Volk, wie wenig es ihm anstehe, einen
weltlichen Hochmut zu zeigen, ein Wohlleben zu begehren,
Vergnügen, wie Tanz und Spiel, mitzumachen, kurz ein anderes als ein
"heiliges Interesse" zu haben. Daher schreibt sich wohl auch die
dürftige Besoldung der Lehrer, die sich allein durch die Heiligkeit ihres
Berufes belohnt fühlen und sonstigen Genüssen "entsagen " sollen.
Auch an einer Rangliste der heiligen Ideen, deren eine oder mehrere
der Mensch als seinen Beruf ansehen soll, fehlt es nicht. Familie,
Vaterland, Wissenschaft u. dergl. kann an Mir einen berufstreuen
Diener finden.
Da stoßen Wir auf den uralten Wahn der Welt, die des Pfaffentums
noch nicht entraten gelernt hat. Für eine Idee leben und schaffen, das
sei der Beruf des Menschen,
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und nach der Treue seiner Erfüllung messe sich sein menschlicher
Wert.
[83] Dies ist die Herrschaft der Idee oder das Pfaffentum.
Robespierre
z. B.,
St. Just
usw. waren durch und durch Pfaffen, begeistert von der
Idee, Enthusiasten, konsequente Rüstzeuge dieser Idee, ideale
Menschen. So ruft
St. Just
<101> in einer Rede aus: "Es gibt etwas
Schreckliches in der heiligen Liebe zum Vaterlande; sie ist so
ausschließend, daß sie Alles ohne Erbarmen, ohne Furcht, ohne
menschliche Beachtung dem öffentlichen Interesse opfert. Sie stürzt
Manlius in den Abgrund; sie opfert ihre Privatneigungen; sie führt
Regulus nach Karthago, wirft einen Römer in den Schlund, und setzt
Marat als Opfer seiner Hingebung, ins Pantheon."
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Diesen Vertretern idealer oder heiliger Interessen steht nun eine Welt
zahlloser "persönlicher" profaner Interessen gegenüber. Keine Idee,
kein System, keine heilige Sache ist so groß, daß sie nie von diesen
persönlichen Interessen überboten und modifiziert werden sollte. Wenn
sie auch augenblicklich und in Zeiten der Rage und des Fanatismus
schweigen, so kommen sie doch durch "den gesunden Sinn des
Volkes" bald wieder obenauf. Jene Ideen siegen erst dann
vollkommen, wenn sie nicht mehr gegen die persönlichen Interessen
feindlich sind, d. h. wenn sie den Egoismus befriedigen.
Der Mann, der eben vor meinem Fenster Bücklinge zum Verkauf
ausruft, hat ein persönliches Interesse an gutem Absatz, und wenn sein
Weib oder wer sonst ihm desgleichen wünschen, so bleibt dies
gleichwohl ein persönliches Interesse. Entwendete ihm hingegen ein
Dieb seinen Korb, so entstünde sogleich ein Interesse Vieler, der
ganzen Stadt, des ganzen Landes, oder mit Einem Worte Aller, welche
den Diebstahl verabscheuen: ein Interesse, wobei die Person des
Bücklinghändlers gleichgültig würde, und an ihrer Statt die Kategorie
des "Bestohlenen" in den Vordergrund träte. Aber auch hier könnte
noch alles auf ein persönliches Interesse hinauslaufen,