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ganzen Willen in sich aufzunehmen und ihm genugzutun? Sie waren
und blieben Mir feindlich, wenn auch die Feindschaft längere Zeit
verhüllt lag. Wird es mit der Eigenheit ebenso sein? Ist auch sie nur ein
Vermittlungsversuch? Zu welchem Prinzipe Ich Mich wendete, wie
etwa zu dem der Vernunft, Ich mußte [88] mich immer wieder von ihm
abwenden. Oder kann Ich immer vernünftig sein, in Allem Mein Leben
nach der Vernunft einrichten? Nach der Vernünftigkeit streben kann
Ich wohl, Ich kann sie lieben, wie eben Gott und jede andere Idee auch:
Ich kann Philosoph sein, ein Liebhaber der Weisheit, wie Ich Gott lieb
habe. Aber was Ich liebe, wonach Ich strebe, das ist nur in Meiner Idee,
Meiner Vorstellung, Meinen Gedanken: es ist in Meinem Herzen,
Meinem <107> Kopfe, es ist in Mir wie das Herz, aber es ist nicht Ich,
Ich bin es nicht.
Zur Wirksamkeit pfäffischer Geister gehört besonders das, was man
häufig " moralischen Einfluß" nennen hört.
Der moralische Einfluß nimmt da seinen Anfang, wo die Demütigung
beginnt, ja er ist nichts anderes, als diese Demütigung selbst, die
Brechung und Beugung des Mutes zur Demut herab. Wenn Ich Jemand
zurufe, bei Sprengung eines Felsens aus dessen Nähe zu gehen, so übe
Ich keinen moralischen Einfluß durch diese Zumutung; wenn Ich dem
Kinde sage, Du wirst hungern, willst Du nicht essen, was aufgetischt
wird, so ist dies kein moralischer Einfluß. Sage Ich ihm aber: Du wirst
beten, die Eltern ehren, das Kruzifix respektieren, die Wahrheit reden
usw., denn dies gehört zum Menschen und ist der Beruf des Menschen,
oder gar, dies ist Gottes Wille, so ist der moralische Einfluß fertig: ein
Mensch soll sich da beugen vor dem Beruf des Menschen, soll folgsam
sein, demütig werden, soll seinen Willen aufgeben gegen einen
fremden, der als Regel und Gesetz aufgestellt wird; er soll sich
erniedrigen vor einem Höheren: Selbsterniedrigung. "Wer sich selbst
erniedrigt, wird erhöhet werden."* Ja, ja, die Kinder müssen bei
Zeiten zur Frömmigkeit, Gottselig
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keit und Ehrbarkeit angehalten werden; ein Mensch von guter
Erziehung ist Einer, dem "gute Grundsätze" beigebracht und
eingeprägt, eingetrichtert, eingebläut und eingepredigt worden sind.
Zuckt man hierüber die Achseln, gleich ringen die Guten
verzweiflungsvoll die Hände und rufen: "Aber um 's Him[89]mels
willen, wenn man den Kindern keine guten Lehren geben soll, so
laufen sie ja gerades Weges der Sünde in den Rachen, <108> und
werden nichtsnutzige Rangen!" Gemach, Ihr Unheilspropheten.
Nichtsnutzige in eurem Sinne werden sie allerdings werden; aber Euer
Sinn ist eben ein sehr nichtsnutziger Sinn. Die frechen Buben werden
sich von Euch nichts mehr einschwatzen und vorgreinen lassen und
kein Mitgefühl für all die Torheiten haben, für welche Ihr seit
Menschengedenken schwärmt und faselt: sie werden das Erbrecht
aufheben, d. h. sie werden Eure Dummheiten nicht erben wollen, wie
Ihr sie von den Vätern geerbt habt; sie vertilgen die Erbsünde. Wenn
Ihr ihnen befehlt: Beuge Dich vor dem Höchsten ­ so werden sie
antworten: Wenn er Uns beugen will, so komme er selbst und tue es;
Wir wenigstens wollen Uns nicht von freien Stücken beugen. Und
wenn Ihr ihnen mit seinem Zorne und seinen Strafen droht, so werden
sie 's nehmen, wie ein Drohen mit dem Wauwau. Glückt es Euch nicht
mehr, ihnen Gespensterfurcht einzujagen, so ist die Herrschaft der
Gespenster zu Ende, und die Ammenmärchen finden keinen ­ Glau-
ben
.
Und sind es nicht gerade wieder die Liberalen, die auf eine gute
Erziehung und Verbesserung des Erziehungswesens dringen? Denn wie
könnte auch ihr Liberalismus, ihre "Freiheit in den Grenzen des
Gesetzes" ohne Zucht zustande kommen? Erziehen sie auch nicht
gerade zur Gottesfurcht, so fordern sie doch um so strenger
Menschenfurcht, d. h. Furcht vor dem Menschen, und wecken durch
Zucht die "Begeisterung für den wahrhaft menschlichen Beruf".