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man englische Philosophie nennt, es nicht gebracht zu haben, als zu
den Entdeckungen sogenannter "offener Köpfe", wie
Bacon
und
Hume
waren. Die Einfalt des kindlichen Gemütes wußten die Eng-
länder nicht zu philosophischer Bedeutung zu erheben, wußten nicht
aus kindlichen Gemütern Philosophen zu machen. Dies heißt so viel
als: ihre Philosophie vermochte nicht, theologisch oder Theologie zu
werden, und doch kann sie nur als Theologie sich wirklich ausleben,
sich vollenden. In der Theologie ist die Wahlstatt ihres Todeskampfes.
Bacon
bekümmerte [94] sich nicht um die theologischen Fragen und
Kardinalpunkte.
Am Leben hat das Erkennen seinen Gegenstand. Das deutsche Denken
sucht mehr als das der Übrigen zu den Anfängen und Quellpunkten des
Lebens zu gelangen, und sieht im Erkennen selbst erst das Leben.
Cartesius
' cogito, ergo sum hat den Sinn: Man lebt nur, wenn man
denkt. Den<114>kendes Leben heißt: "geistiges Leben"! Es lebt nur
der Geist, sein Leben ist das wahre Leben. Ebenso sind dann in der
Natur nur die "ewigen Gesetze", der Geist oder die Vernunft der
Natur das wahre Leben derselben. Nur der Gedanke, im Menschen, wie
in der Natur, lebt; alles Andere ist tot! Zu dieser Abstraktion, zum
Leben der Allgemeinheiten oder des Leblosen muß es mit der
Geschichte des Geistes kommen. Gott, welcher Geist ist, lebt allein. Es
lebt nichts als das Gespenst.
Wie kann man von der neueren Philosophie oder Zeit behaupten
wollen, sie habe es zur Freiheit gebracht, da sie Uns von der Gewalt
der Gegenständlichkeit nicht befreite? Oder bin Ich etwa frei vom
Despoten, wenn Ich mich zwar vor dem persönlichen Machthaber nicht
fürchte, aber vor jeder Verletzung der Pietät, welche Ich ihm zu
schulden wähne? Nicht anders verhält es sich mit der neueren Zeit. Sie
verwandelte nur die existierenden Objekte, den wirklichen Ge-
walthaber usw. in vorgestellte, d. h. in Begriffe, vor denen der alte
Respekt sich nicht nur nicht verlor, sondern an
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Intensität zunahm. Schlug man auch Gott und dem Teufel in ihrer
vormaligen krassen Wirklichkeit ein Schnippchen, so widmete man nur
um so größere Aufmerksamkeit ihren Begriffen. "Den Bösen sind sie
los, das Böse ist geblieben." Den bestehenden Staat zu revoltieren, die
bestehenden Gesetze umzustürzen, trug man wenig Bedenken, da man
einmal entschlossen war, sich von dem Vorhandenen und
Handgreiflichen nicht länger imponieren zu lassen; allein gegen den
Begriff des Staates zu sündigen, dem Begriffe des Gesetzes sich nicht
zu unterwerfen, wer hätte das ge[95]wagt? So blieb man
"Staatsbürger" und ein "gesetzlicher", loyaler Mensch; ja man
dünkte <115> sich nur um so gesetzlicher zu sein, je rationalistischer
man das vorige mangelhafte Gesetz abschaffte, um dem "Geiste des
Gesetzes" zu huldigen. In alledem hatten nur die Objekte eine
Umgestaltung erlitten, waren aber in ihrer Übermacht und Oberhoheit
verblieben; kurz, man steckte noch in Gehorsam und Besessenheit,
lebte in der Reflexion, und hatte einen Gegenstand, auf welchen man
reflektierte, den man respektierte, und vor dem man Ehrfurcht und
Furcht empfand. Man hatte nichts anderes getan, als daß man die
Dinge in Vorstellungen von den Dingen, in Gedanken und Begriffe
verwandelte, und die Abhängigkeit um so inniger und unauflöslicher
wurde. So hält es z. B. nicht schwer, von den Geboten der Eltern sich
zu emanzipieren, oder den Ermahnungen des Onkels und der Tante,
den Bitten des Bruders und der Schwester sich zu entziehen; allein der
aufgekündigte Gehorsam fährt einem leicht ins Gewissen, und je we-
niger man auch den einzelnen Zumutungen nachgibt, weil man sie
rationalistisch aus eigener Vernunft für unvernünftig erkennt, desto
gewissenhafter hält man die Pietät, die Familienliebe fest, und vergibt
sich um so schwerer eine Versündigung gegen die Vorstellung, welche
man von der Familienliebe und der Pietätspflicht gefaßt hat. Von der
Abhängigkeit gegen die existierende Familie erlöst, fällt man in die
bindendere Abhängigkeit von dem Familienbegriff: man wird