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(106)
vom Familiengeiste beherrscht. Die aus
Hans
und
Grete
usw.
bestehende Familie, deren Herrschaft machtlos geworden, ist nur
verinnerlicht, indem sie als "Familie " überhaupt übrig bleibt, auf
welche man eben nur anwendet den alten Spruch: Man muß Gott mehr
gehorchen als dem Menschen, dessen Bedeutung hier diese ist: Ich
kann zwar Euren unsinnigen Anforderungen Mich nicht fügen, aber als
<116> meine "Familie" bleibt Ihr doch der Gegenstand meiner Liebe
und Sorge; denn "die Familie" ist ein heiliger Begriff, den der
Einzelne nie beleidigen darf. Und diese zu einem Gedanken, einer
Vor[96]stellung, verinnerlichte und entsinnlichte Familie gilt nun als
das "Heilige", dessen Despotie noch zehnmal ärger ist, weil sie in
meinem Gewissen rumort. Diese Despotie wird nur gebrochen, wenn
auch die vorgestellte Familie Mir zu einem Nichts wird. Die
christlichen Sätze: "Weib, was habe Ich mit Dir zu schaffen?"
22
"Ich
bin kommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die
Tochter wider ihre Mutter"
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und andere werden von der Verweisung
auf die himmlische oder eigentliche Familie begleitet, und bedeuten
nicht mehr, als die Forderung des Staates, bei einer Kollision zwischen
ihm und der Familie, seinen Geboten zu gehorchen.
Ähnlich, wie mit der Familie, verhält sich 's mit der Sittlichkeit. Von
der Sitte sagt sich Mancher los, von der Vorstellung "Sittlichkeit"
sehr schwer. Die Sittlichkeit ist die "Idee " der Sitte, ihre geistige
Macht, ihre Macht über die Gewissen; dagegen die Sitte zu materiell
ist, um den Geist zu beherrschen, und einen "geistigen " Menschen,
einen sogenannten Unabhängigen, einen "Freigeist" nicht fesselt.
Der Protestant mag es anstellen, wie er will, heilig bleibt ihm doch die
"heilige Schrift", das "Wort Gottes". Wem dies nicht mehr "heilig "
ist, der hat aufgehört ein Protestant zu sein. Hiermit bleibt ihm aber
auch heilig, was in
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ihr "verordnet" ist, die von Gott eingerichtete Obrigkeit usw. <117>
Diese Dinge bleiben ihm unauflöslich, unnahbar, "über allem Zweifel
erhaben", und da der Zweifel, der in der Praxis ein Rütteln wird, des
Menschen Eigenstes ist, so bleiben diese Dinge über ihm selbst
"erhaben ". Wer nicht davon loskommen kann, der wird glauben;
denn daran glauben heißt daran gebunden sein. Dadurch, daß im
Protestantismus der Glaube ein innerlicherer wurde, ist auch die
Knechtschaft eine innerlichere geworden: man hat jene Heiligkeiten in
sich aufgenommen, sie mit seinem ganzen Dichten und Trachten
verflochten, sie zur " Gewissenssache" gemacht, sich eine " heilige
Pflicht" aus ihnen bereitet. Darum ist dem Prote[97]stanten heilig das,
wovon sein Gewissen nicht loskommen kann, und die Gewissen-
haftigkeit bezeichnet am deutlichsten seinen Charakter.
Der Protestantismus hat den Menschen recht eigentlich zu einem
"Geheimen-Polizei-Staat" gemacht. Der Spion und Laurer
"Gewissen " überwacht jede Regung des Geistes, und alles Tun und
Denken ist ihm eine "Gewissenssache", d. h. Polizeisache. In dieser
Zerrissenheit des Menschen in "Naturtrieb" und "Gewissen "
(innerer Pöbel und innere Polizei) besteht der Protestant. Die Vernunft
der Bibel (an Stelle der katholischen "Vernunft der Kirche") gilt als
heilig, und dies Gefühl und Bewußtsein, daß das Bibelwort heilig sei,
heißt Gewissen. Damit ist denn die Heiligkeit einem "ins Gewissen
geschoben". Befreit man sich nicht vom Gewissen, dem Bewußtsein
des Heiligen, so kann man zwar ungewissenhaft, niemals aber
gewissenlos handeln.
Der Katholik findet sich befriedigt, wenn er den Befehl vollzieht; der
Protestant handelt nach "bestem Wissen und Gewissen". Der Katholik
ist ja nur Laie, der Protestant ist selbst Geistlicher. Das eben ist der
Fortschritt über das <118> Mittelalter und zugleich der Fluch der
Reformationsperiode, daß das Geistliche vollständig wurde.
Was war die jesuitische Moral anders, als eine Fort