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suchen Uns an Allem. Sind Wir erst dahinter gekommen, so wissen
Wir Uns sicher; sind Wir z. B. dahinter gekommen, daß die Rute zu
schwach ist gegen Unsern Trotz, so fürchten Wir sie nicht mehr, "sind
ihr entwachsen". [10] Hinter der Rute steht, mächtiger als sie, unser ­
Trotz, unser trotziger Mut. Wir kommen gemach hinter alles, was Uns
unheimlich und nicht geheuer war, hinter die unheimlich gefürchtete
Macht der Rute, der strengen Miene des Vaters usw., und hinter allem
finden Wir Unsere ­ Ataraxie, d. h. Unerschütterlichkeit,
Unerschrockenheit,
unsere
Gegengewalt,
Übermacht,
Unbezwingbarkeit. Was Uns erst Furcht und Respekt einflößte, davor
ziehen Wir Uns nicht mehr scheu zurück, sondern fassen Mut. Hinter
allem finden Wir Unsern Mut, Unsere Überlegenheit; hinter dem
barschen Befehl der Vorgesetzten und Eltern steht doch Unser mutiges
Belieben oder Unsere überlistende Klugheit. Und je mehr Wir Uns
fühlen, desto kleiner erscheint, was zuvor unüberwindlich dünkte. Und
was ist Unsere List, Klugheit, Mut, Trotz? Was sonst als ­ Geist!
Eine geraume Zeit hindurch bleiben Wir mit einem Kampfe, der später
Uns so sehr in Atem setzt, verschont, mit dem Kampfe gegen die
Vernunft. Die schönste Kindheit geht vorüber, <15> ohne daß Wir
nötig hätten, Uns mit der Vernunft herumzuschlagen. Wir kümmern
Uns gar nicht um sie, lassen Uns mit ihr nicht ein, nehmen keine
Vernunft an. Durch Überzeugung bringt man Uns zu nichts, und gegen
die guten Gründe, Grundsätze usw. sind Wir taub; Liebkosungen,
Züchtigungen und Ähnlichem widerstehen Wir dagegen schwer.
Dieser saure Lebenskampf mit der Vernunft tritt erst später auf, und
beginnt eine neue Phase: in der Kindheit tummeln Wir Uns, ohne viel
zu grübeln.
Geist heißt die erste Selbstfindung, die erste Entgötterung des
Göttlichen, d. h. des Unheimlichen, des Spuks, der "oberen Mächte".
Unserem frischen Jugendgefühl, diesem Selbstgefühl, imponiert nun
nichts mehr: die Welt ist in Verruf erklärt, denn Wir sind über ihr, sind
Geist.
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Jetzt erst sehen Wir, daß Wir die Welt bisher gar nicht mit Geist
angeschaut haben, sondern nur angestiert.
An Naturgewalten üben Wir Unsere ersten Kräfte. Eltern [11]
imponieren Uns als Naturgewalt; später heißt es: Vater und Mutter sei
zu verlassen, alle Naturgewalt für gesprengt zu erachten. Sie sind
überwunden. Für den Vernünftigen, d. h. "Geistigen Menschen", gibt
es keine Familie als Naturgewalt: es zeigt sich eine Absagung von
Eltern, Geschwistern usw. Werden diese als geistige, vernünftige
Gewalten
"wiedergeboren", so sind sie durchaus nicht mehr das, was
sie vorher waren.
Und nicht bloß die Eltern, sondern die Menschen überhaupt werden
von dem jungen Menschen besiegt: sie sind ihm kein Hindernis, und
werden nicht berücksichtigt: denn, heißt es nun: Man muß Gott mehr
gehorchen, als den Menschen.
<16> Alles " Irdische" weicht unter diesem hohen Standpunkte in
verächtliche Ferne zurück: denn der Standpunkt ist der - himmlische.
Die Haltung hat sich nun durchaus umgekehrt, der Jüngling nimmt ein
geistiges Verhalten an, während der Knabe, der sich noch nicht als
Geist fühlte, in einem geistlosen Lernen aufwuchs. Jener sucht nicht
der Dinge habhaft zu werden, z. B. nicht die Geschichtsdata in seinen
Kopf zu bringen, sondern der Gedanken, die in den Dingen verborgen
liegen, also z. B. des Geistes der Geschichte; der Knabe hingegen
versteht wohl Zusammenhänge, aber nicht Ideen, den Geist; daher reiht
er Lernbares an Lernbares, ohne apriorisch und theoretisch zu
verfahren, d. h. ohne nach Ideen zu suchen.
Hatte man in der Kindheit den Widerstand der Weltgesetze zu
bewältigen, so stößt man nun bei Allem, was man vorhat, auf eine
Einrede des Geistes, der Vernunft, des eigenen Gewissens. "Das ist
unvernünftig, unchristlich, unpatriotisch" u. dergl., ruft Uns das
Gewissen zu, und ­ schreckt Uns davon ab. ­ Nicht die Macht der
rächenden