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setzung des Ablaßkrames, nur daß der seiner Sünden Entlastete
nunmehr auch eine Einsicht in den Sündenerlaß gewann und sich
überzeugte, wie wirklich seine Sünde von ihm genommen werde, da es
ja in diesem oder jenem bestimmten Falle (Kasuisten) gar keine Sünde
sei, was er begehe. Der Ablaßkram hatte alle Sünden und Vergehen
zulässig gemacht und jede Gewissensregung zum Schweigen gebracht.
Die ganze Sinnlichkeit durfte walten, wenn sie nur der Kirche
abgekauft wurde. Diese Begünstigung der Sinnlichkeit wurde von den
Jesuiten fortgesetzt, während die sittenstrengen, finstern, fanatischen,
bußfertigen, zerknirschten, betenden Protestanten allerdings als die
wahren Vollender des Christentums, den geistigen und geistlichen
Menschen allein gel[98]ten ließen. Der Katholizismus, besonders die
Jesuiten leisteten auf diese Weise dem Egoismus Vorschub, fanden
innerhalb des Protestantismus selbst einen unfreiwilligen und
unbewußten Anhang und retteten Uns vor dem Verkommen und
Untergang der Sinnlichkeit. Gleichwohl breitet der protestantische
Geist seine Herrschaft immer weiter aus, und da das Jesuitische neben
ihm, dem "Göttlichen", nur das von allem Göttlichen untrennbare
"Teuflische" darstellt, so kann es nirgends sich allein behaupten,
sondern muß zusehen, wie z. B. in Frankreich endlich das Philistertum
des Protestantismus siegt und der Geist obenauf ist.
Dem Protestantismus pflegt das Kompliment gemacht zu werden, daß
er das Weltliche wieder zu Ehren gebracht habe, <119> z. B. die Ehe,
den Staat usw. Ihm aber ist gerade das Weltliche als Weltliches, das
Profane, noch viel gleichgültiger als dem Katholizismus, der die
profane Welt bestehen, ja sich ihre Genüsse schmecken läßt, während
der vernünftige, konsequente Protestant das Weltliche ganz und gar zu
vernichten sich anschickt, und zwar einfach dadurch, daß er es heiligt.
So ist die Ehe um ihre Natürlichkeit gebracht worden, indem sie heilig
wurde, nicht im Sinne des katholischen Sakramentes, wo sie nur von
der Kirche ihre Weihe empfängt, also im
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Grunde unheilig ist, sondern in dem Sinne, daß sie fortan etwas durch
sich Heiliges ist, ein heiliges Verhältnis. Ebenso der Staat usw. Früher
gab der Papst ihm und seinen Fürsten die Weihe und seinen Segen;
jetzt ist der Staat von Haus aus heilig, die Majestät ist es, ohne des
Priestersegens zu bedürfen. Überhaupt wurde die Ordnung der Natur
oder das Naturrecht als "Gottesordnung" geheiligt. Daher heißt es z.
B. in der
Augsburgischen Konfession
Art. 11: "So bleiben wir nun
billig bei dem Spruch, wie die Jurisconsulti weislich und recht gesagt
haben: daß Mann und Weib beieinander sein, ist natürlich Recht. Ist 's
nun natürlich Recht, so ist es Gottes Ordnung, also in der Natur
gepflanzt und also auch göttlich Recht." Und ist es etwa mehr als
aufgeklärter Protestantismus, wenn
Feuerbach
die sittlichen Ver[99]
hältnisse zwar nicht als Gottes Ordnung, dafür aber um des ihnen
inwohnenden Geistes willen heilig spricht? "Aber die Ehe ­ natürlich
als freier Bund der Liebe ­ ist durch sich selbst, durch die Natur der
Verbindung, die hier geschlossen wird, heilig. Nur die Ehe ist eine
religiöse, die eine wahre ist, die dem Wesen der Ehe, der Liebe
entspricht. Und so ist es mit allen sittlichen Verhältnissen. <120> Sie
sind da nur moralische, sie werden nur da mit sittlichem Sinne
gepflogen, wo sie durch sich selbst als religiöse gelten. Wahrhafte
Freundschaft ist nur da, wo die Grenzen der Freundschaft mit religiöser
Gewissenhaftigkeit bewahrt werden, mit derselben Gewissenhaftigkeit,
mit welcher der Gläubige die Dignität* seines Gottes wahrt. Heilig ist
und sei Dir die Freundschaft, heilig das Eigentum, heilig die Ehe, heilig
das Wohl jedes Menschen, aber heilig an und für sich selbst."
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Das ist ein sehr wesentliches Moment. Im Katholizismus kann das
Weltliche zwar geweiht werden oder geheiligt, ist aber nicht ohne
diesen priesterlichen Segen heilig;