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der Natur für gleichgültig erklärten, und sich nicht dadurch
affizieren* ließen.
Horaz
spricht das berühmte Nil admirari* aus,
wodurch er gleichfalls die Gleichgültigkeit des Andern, der Welt,
bekundet: sie soll auf Uns nicht einwirken, Unser Staunen nicht
erregen. Und jenes impavidum ferient ruinae* <123> drückt
ebendieselbe Unerschütterlichkeit aus, wie Psalm 46, 3: "Wir fürchten
Uns nicht, wenngleich die Welt unterginge." In alledem ist für den
christlichen Satz, daß die Welt eitel sei, für die christliche
Weltverachtung der Raum geöffnet.
Der unerschütterliche Geist "des Weisen", mit welchem die alte Welt
ihrem Schlusse vorarbeitete, erfuhr nun eine innere Erschütterung,
gegen welche ihn keine Ataraxie, kein stoischer Mut zu schützen
vermochte. Der Geist, vor allem Einflusse der Welt gesichert, gegen
ihre Stöße unempfindlich und über ihre Angriffe erhaben, nichts
bewundernd, durch keinen Einsturz der Welt aus seiner Fassung zu
bringen, ­ er schäumte unaufhaltsam wieder über, weil in seinem
eigenen [102] Innern Gase (Geister) sich entwickelten, und, nachdem
der mechanische Stoß, der von außen kommt, unwirksam geworden,
chemische Spannungen, die im Innern erregen, ihr wunderbares Spiel
zu treiben begannen.
In der Tat schließt die alte Geschichte damit, daß Ich an der Welt mein
Eigentum errungen habe. "Alle Dinge sind Mir übergeben von
Meinem Vater." (Matth. 11, 27.) Sie hat aufgehört, gegen Mich
übermächtig, unnahbar, heilig, göttlich usw. zu sein, sie ist
" entgöttert", und Ich behandle sie nun so sehr nach Meinem
Wohlgefallen, daß, läge Mir daran, Ich alle Wunderkraft, d. h. Macht
des Geistes, an ihr ausüben, Berge versetzen, Maulbeerbäumen
befehlen, daß sie sich selbst ausreißen und ins Meer versetzen (Luk. 17,
6), und alles Mögliche, d. h. Denkbare könnte: "Alle Dinge sind
möglich dem, der da glaubet."
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Ich bin der Herr
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der Welt, Mein ist die " Herrlichkeit". Die Welt <124> ist prosaisch
geworden, denn das Göttliche ist aus ihr verschwunden: sie ist Mein
Eigentum, mit dem ich schalte und walte, wie Mir 's (nämlich dem
Geiste) beliebt.
Als Ich Mich dazu erhoben hatte, der Eigner der Welt zu sein, da hatte
der Egoismus seinen ersten vollständigen Sieg errungen, hatte die Welt
überwunden, war weltlos geworden, und legte den Erwerb eines langen
Weltalters unter Schloß und Riegel.
Das erste Eigentum, die erste "Herrlichkeit" ist erworben!
Doch der Herr der Welt ist noch nicht Herr seiner Gedanken, seiner
Gefühle, seines Willens: er ist nicht Herr und Eigner des Geistes, denn
der Geist ist noch heilig, der "heilige Geist", und der "weltlose"
Christ vermag nicht "gottlos" zu werden. War der antike Kampf ein
Kampf gegen die Welt, so ist der mittelalterliche (christliche) ein
Kampf gegen sich, den Geist, jenes gegen die Außenwelt, dieses gegen
die innerliche Welt. Der Mittelalterliche ist der "in sich Gekehrte",
der Sinnende, Sinnige.
[103] Alle Weisheit der Alten ist Weltweisheit, alle Weisheit der
Neuen ist Gottesgelahrtheit.
Mit der Welt wurden die Heiden (auch Juden hierunter) fertig; aber
nun kam es darauf an, auch mit sich, dem Geiste, fertig, d. h. geistlos
oder gottlos zu werden.
Fast zweitausend Jahre arbeiten Wir daran, den heiligen Geist Uns zu
unterwerfen, und manches Stück Heiligkeit haben Wir allgemach
losgerissen und unter die Füße getreten; aber der riesige Gegner erhebt
sich immer von Neuem unter veränderter Gestalt und Namen. Der
Geist ist noch nicht entgöttert, entheiligt, entweiht. Zwar flattert er
längst nicht mehr als eine Taube über unsern Häuptern, zwar beglückt
er nicht <125> allein mehr seine Heiligen, sondern läßt sich auch von
den Laien fangen usw., aber als Geist der Menschheit, als
Menschengeist, d. h. Geist des Menschen, bleibt er Mir, Dir, immer
noch ein fremder Geist, noch fern davon,