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Unser unbeschrŠnktes Eigentum zu werden, mit welchem Wir
schalten und walten nach Unserm Wohlgefallen. Indes Eines geschah
gewi§ und leitete sichtlich den Hergang der nachchristlichen
Geschichte: dies Eine war das Streben, den heiligen Geist menschlicher
zu machen, und ihn den Menschen oder die Menschen ihm zu nŠhern.
Dadurch kam es, da§ er zuletzt als der "Geist der Menschheit" gefa§t
werden konnte und unter verschiedenen AusdrŸcken, wie "Idee der
Menschheit, Menschentum, HumanitŠt, allgemeine Menschenliebe"
usw. ansprechender, vertrauter und zugŠnglicher erschien.
Sollte man nicht meinen, jetzt kšnnte Jeder den heiligen Geist
besitzen, die Idee der Menschheit in sich aufnehmen, das
Menschentum in sich zur Gestalt und Existenz bringen?
Nein, der Geist ist nicht seiner Heiligkeit entkleidet und seiner
Unnahbarkeit beraubt, ist Uns nicht erreichbar, nicht Unser Eigentum;
denn der Geist der Menschheit ist nicht Mein Geist. Mein Ideal kann er
sein, und als Gedanken nenne Ich ihn Mein: der Gedanke der
Menschheit ist Mein Eigentum, und ich beweise dies zur GenŸge
dadurch, da§ [104] Ich ihn ganz nach Meinem Sinne aufstelle und
heute so, morgen anders gestalte: Wir stellen ihn Uns auf die
mannigfaltigste Weise vor. Aber er ist zugleich ein Fideikommi§*, das
Ich nicht verŠu§ern noch loswerden kann.
Unter mancherlei Wandlungen wurde aus dem heiligen Geiste mit der
Zeit die " absolute Idee", welche wieder in mannigfaltigen
Brechungen zu den verschiedenen Ideen der <126> Menschenliebe,
VernŸnftigkeit, BŸrgertugend usw. auseinander schlug.
Kann Ich die Idee aber mein Eigentum nennen, wenn sie Idee der
Menschheit ist, und kann Ich den Geist fŸr Ÿberwunden halten, wenn
Ich ihm dienen, ihm "Mich opfern" soll? Das endende Altertum hatte
an der Welt erst dann sein Eigentum gewonnen, als es ihre †bermacht
und "Gšttlichkeit" gebrochen, ihre Ohnmacht und "Eitelkeit"
erkannt hatte.
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Entsprechend verhŠlt es sich mit dem Geiste. Wenn Ich ihn zu einem
Spuk und seine Gewalt Ÿber Mich zu einem Sparren herabgesetzt habe,
dann ist er fŸr entweiht, entheiligt, entgšttert anzusehen, und dann
gebrauche Ich ihn, wie man die Natur unbedenklich nach Gefallen
gebraucht.
Die "Natur der Sache", der "Begriff des VerhŠltnisses" soll Mich in
Behandlung derselben oder Schlie§ung desselben leiten. Als ob ein
Begriff der Sache fŸr sich existierte und nicht vielmehr der Begriff
wŠre, welchen man sich von der Sache macht! Als ob ein VerhŠltnis,
welches Wir eingehen, nicht durch die Einzigkeit der Eingehenden
selbst einzig wŠre! Als ob es davon abhinge, wie Andere es
rubrizieren*! Wie man aber das "Wesen des Menschen" vom wirkli-
chen Menschen trennte und diesen nach jenem beurteilte, so trennt man
auch seine Handlung von ihm und veranschlagt sie nach dem
"menschlichen Werte". Begriffe sollen Ÿberall entscheiden, Begriffe
das Leben regeln, Begriffe herrschen. Das ist die religišse Welt,
welcher
Hegel
einen systematischen Ausdruck gab, indem er Methode
in den Unsinn brachte und die Begriffssatzungen zur runden,
festgegrŸndeten Dogma[105]tik vollendete. Nach Begriffen wird Alles
abgeleiert, und der wirkliche Mensch, d. h. <127> Ich werde nach
diesen Begriffsgesetzen zu leben gezwungen. Kann es eine Šrgere
Gesetzesherrschaft geben, und hat nicht das Christentum gleich im
Beginne zugestanden, da§ es die Gesetzesherrschaft des Judentums nur
schŠrfer anziehen wolle? ("Nicht ein Buchstabe des Gesetzes soll
verloren gehen!")
Durch den Liberalismus wurden nur andere Begriffe aufs Tapet
gebracht, nŠmlich statt der gšttlichen menschliche, statt der kirchlichen
staatliche, statt der glŠubigen "wissenschaftliche" oder allgemeiner
statt der "rohen SŠtze" und Satzungen wirkliche Begriffe und ewige
Gesetze.
Jetzt herrscht in der Welt nichts als der Geist. Eine unzŠhlige Menge
von Begriffen schwirren in den Kšpfen umher, und was tun die
Weiterstrebenden? Sie negieren diese