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Begriffe, um neue an deren Stelle zu bringen! Sie sagen: Ihr macht
Euch einen falschen Begriff vom Rechte, vom Staate, vom Menschen,
von der Freiheit, von der Wahrheit, von der Ehe usw.; der Begriff des
Rechts usw. ist vielmehr derjenige, den Wir jetzt aufstellen. So
schreitet die Begriffsverwirrung vorwärts.
Die Weltgeschichte ist mit Uns grausam umgegangen, und der Geist
hat eine allmächtige Gewalt errungen. Du mußt Meine elenden Schuhe
achten, die Deinen nackten Fuß schützen könnten, mein Salz, wodurch
Deine Kartoffeln genießbar würden, und meine Prunkkarosse, deren
Besitz Dir alle Not auf einmal abnähme: Du darfst nicht darnach lan-
gen. Von alledem und unzähligem Anderen soll der Mensch die
Selbständigkeit anerkennen, es soll ihm für unergreifbar und unnahbar
gelten, soll ihm entzogen sein. Er muß es achten, respektieren; wehe
ihm, wenn er begehrend seine Finger ausstreckt: Wir nennen das
"lange Finger machen"!
<128> Wie so bettelhaft wenig ist Uns verblieben, ja wie so gar
nichts! Alles ist entrückt worden, an nichts dürfen Wir Uns wagen,
wenn es Uns nicht gegeben wird: Wir leben nur noch von der Gnade
des Gebers. Nicht eine Nadel darfst Du auf[106]heben, es sei denn, Du
habest Dir die Erlaubnis geholt, daß Du es dürfest. Und geholt von
wem? Vom Respekte! Nur wenn er sie Dir überläßt als Eigentum, nur
wenn Du sie als Eigentum respektieren kannst, nur dann darfst Du sie
nehmen. Und wiederum sollst Du keinen Gedanken fassen, keine Silbe
sprechen, keine Handlung begehen, die ihre Gewähr allein in Dir
hätten, statt sie von der Sittlichkeit oder der Vernunft oder der
Menschlichkeit zu empfangen. Glückliche Unbefangenheit des
begehrlichen Menschen, wie unbarmherzig hat man Dich an dem Al-
tare der Befangenheit zu schlachten gesucht!
Um den Altar aber wölbt sich eine Kirche, und ihre Mauern rücken
immer weiter hinaus. Was sie einschließen, ist heilig.
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Du kannst nicht mehr dazu gelangen, kannst es nicht mehr berühren.
Aufschreiend in verzehrendem Hunger schweifst Du um diese Mauern
herum, das wenige Profane aufzusuchen, und immer ausgedehnter
werden die Kreise Deines Laufes. Bald umspannt jene Kirche die ganze
Erde, und Du bist zum äußersten Rande hinausgetrieben; noch ein
Schritt, und die Welt des Heiligen hat gesiegt: Du versinkst in den
Abgrund. Darum ermanne Dich, dieweil es noch Zeit ist, irre nicht
länger umher im abgegrasten Profanen, wage den Sprung und stürze
hinein durch die Pforten in das Heiligtum selber. Wenn Du das Heilige
verzehrst, hast Du 's zum Eigenen gemacht! Verdaue die Hostie und
Du bist sie los!
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3. DIE FREIEN
Wenn oben die Alten und die Neuen in zwei Abteilungen vorgeführt
wurden, so könnte es scheinen, als sollten hier in einer dritten
Abteilung die Freien für selbständig und abgesondert ausgegeben
werden. Dem ist nicht so. Die Freien sind nur die Neueren und
Neuesten unter den "Neuen " und werden bloß deshalb in eine
besondere Abteilung gebracht, weil sie der Gegenwart angehören, und
das Gegenwärtige [107] vor Allem unsere Aufmerksamkeit hier in An-
spruch nimmt. Ich gebe die "Freien " nur als eine Übersetzung der
Liberalen, muß aber rücksichtlich des Freiheitsbegriffes wie überhaupt
so manches Anderen, dessen vorgreifliche Heranziehung nicht
vermieden werden kann, auf Späteres verweisen.
§. 1. Der politische Liberalismus
Nachdem man den Kelch des sogenannten absoluten Königtums so
ziemlich bis auf den Bodensatz geleert hatte, ward man im achtzehnten
Jahrhundert zu deutlich inne, daß sein Getränk nicht menschlich
schmecke, um nicht auf einen andern Becher lüstern zu werden.
"Menschen ", was Unsere Väter doch waren, verlangten sie endlich,
auch so angesehen zu werden.