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Wer in Uns etwas Anderes sieht, als Menschen, in dem wollen Wir
gleichfalls nicht einen Menschen, sondern einen Unmenschen sehen,
und ihm wie einem Unmenschen begegnen; wer dagegen Uns als
Menschen anerkennt und gegen die Gefahr schützt, unmenschlich
behandelt zu werden, den wollen Wir als Unsern wahren Beschützer
und Schirmherrn ehren.
Halten Wir denn zusammen, und schützen Wir einer im andern den
Menschen; dann finden Wir in Unserem Zusam<130>menhalt den
nötigen Schutz, und in Uns, den Zusammenhaltenden, eine
Gemeinschaft derer, die ihre Menschenwürde kennen und als
"Menschen " zusammenhalten. Unser Zusammenhalt ist der Staat, Wir
Zusammenhaltenden sind die Nation.
In Unserem Zusammen als Nation oder Staat sind Wir nur Menschen.
Wie Wir Uns sonst als Einzelne benehmen, und welchen
selbstsüchtigen Trieben Wir da erliegen mögen, das gehört lediglich
Unserem Privatleben an; Unser öffentliches oder Staatsleben ist ein
rein menschliches. Was Unmenschliches oder "Egoistisches" an Uns
haftet, das ist zur "Privatsache" erniedrigt, und Wir scheiden genau
den Staat von der [108] "bürgerlichen Gesellschaft", in welcher der
"Egoismus" sein Wesen treibt.
Der wahre Mensch ist die Nation, der Einzelne aber stets ein Egoist.
Darum streifet Eure Einzelheit oder Vereinzelung ab, in welcher die
egoistische Ungleichheit und der Unfriede hauset, und weihet Euch
ganz dem wahren Menschen, der Nation oder dem Staate. Dann werdet
Ihr als Menschen gelten und alles haben, was des Menschen ist; der
Staat, der wahre Mensch, wird Euch zu dem Seinigen berechtigen und
Euch die "Menschenrechte" geben: der Mensch gibt Euch seine
Rechte!
So lautet die Rede des Bürgertums.
Das Bürgertum ist nichts anderes als der Gedanke, daß der Staat alles
in allem, der wahre Mensch sei, und daß des Einzelnen Menschenwert
darin bestehe, ein Staatsbürger
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zu sein. Ein guter Bürger zu sein, darin sucht er seine höchste Ehre,
darüber hinaus kennt er nichts Höheres als höchstens das antiquierte ­
ein guter Christ.
<131> Das Bürgertum entwickelte sich im Kampfe gegen die
privilegierten Stände, von denen es als "dritter Stand" cavalièrement*
behandelt und mit der "canaille"* zusammengeworfen wurde. Man
hatte also im Staate bis jetzt "die ungleiche Person angesehen". Der
Sohn eines Adeligen war zu Chargen ausersehen, nach denen die
ausgezeichnetsten Bürgerlichen vergebens aufschauten usw. Dagegen
empörte sich das bürgerliche Gefühl. Keine Auszeichnung mehr, keine
Bevorzugung von Personen, kein Standesunterschied! Alle seien
gleich! Kein Sonder-Interesse soll ferner verfolgt werden, sondern das
allgemeine Interesse Aller. Der Staat soll eine Gemeinschaft von freien
und gleichen Menschen sein, und Jeder sich dem "Wohle des
Ganzen" widmen, in den Staat aufgehen, den Staat zu seinem Zweck
und Ideal machen. Staat! Staat! so lautete der allgemeine Ruf, und
fortan suchte man die "rechte Staatsverfassung", die beste
Konstitution, also den Staat in seiner besten Fassung. Der Gedanke des
Staats zog in alle Herzen ein und weckte Begeisterung; [109] ihm zu
dienen, diesem weltlichen Gotte, das ward der neue Gottesdienst und
Kultus. Die eigentlich politische Epoche war angebrochen. Dem Staate
oder der Nation dienen, das ward höchstes Ideal, Staatsinteresse ­
höchstes Interesse, Staatsdienst (wozu man keineswegs Beamter zu
sein braucht) höchste Ehre.
So waren denn die Sonder-Interessen und Persönlichkeiten
verscheucht und die Aufopferung für den Staat zum Schibboleth*
geworden. Sich muß man aufgeben und nur dem Staate leben. Man
muß "uninteressiert" handeln, muß nicht sich nützen wollen, sondern
dem Staate. Dieser ist dadurch zur eigentlichen Person geworden, vor
welcher die einzelne Persönlichkeit verschwindet: nicht Ich lebe,
sondern Er <132> lebet in Mir. Darum war man gegen die frühere
Selbst