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Eumeniden
*, nicht den Zorn des
Poseidon
*, nicht den Gott, so fern er
auch das Verborgene sieht, nicht die Strafrute des Vaters fürchten Wir,
sondern das ­ Gewissen.
Wir "hängen nun Unsern Gedanken nach" und folgen ebenso [12]
ihren Geboten, wie Wir vorher den elterlichen, menschlichen folgten.
Unsere Taten richten sich nach Unseren Gedanken (Ideen,
Vorstellungen, Glauben), wie in der Kindheit nach den Befehlen der
Eltern.
Indes gedacht haben Wir auch schon als Kinder, nur waren unsere
Gedanken keine fleischlosen, abstrakten, absoluten, <17> d. h. nichts
als Gedanken
, ein Himmel für sich, eine reine Gedankenwelt, logische
Gedanken.
Im Gegenteil waren es nur Gedanken gewesen, die Wir Uns über eine
Sache machten: Wir dachten Uns das Ding so oder so. Wir dachten also
wohl: die Welt, die Wir da sehen, hat Gott gemacht; aber Wir dachten
("erforschten") nicht die "Tiefen der Gottheit selber"; Wir dachten
wohl: "das ist das Wahre an der Sache", aber Wir dachten nicht das
Wahre oder die Wahrheit selbst, und verbanden nicht zu Einem Satze
"Gott ist die Wahrheit". Die "Tiefen der Gottheit, welche die
Wahrheit ist", berührten Wir nicht. Bei solchen rein logischen, d. h.
theologischen Fragen: "Was ist Wahrheit" hält sich
Pilatus
nicht auf,
wenngleich er im einzelnen Falle darum nicht zweifelt, zu ermitteln,
"was Wahres an der Sache ist", d. h. ob die Sache wahr ist.
Jeder an eine Sache gebundene Gedanke ist noch nicht nichts als
Gedanke, absoluter Gedanke.
Den reinen Gedanken zu Tage zu fördern, oder ihm anzuhängen, das
ist Jugendlust, und alle Lichtgestalten der Gedankenwelt, wie
Wahrheit, Freiheit, Menschentum, der Mensch usw. erleuchten und
begeistern die jugendliche Seele.
Ist aber der Geist als das Wesentliche erkannt, so macht es doch einen
Unterschied, ob der Geist arm oder reich ist, und man sucht deshalb
reich an Geist zu werden: es will der Geist sich ausbreiten, sein Reich
zu gründen, ein Reich, das nicht
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von dieser Welt ist, der eben überwundenen. So sehnt er sich denn
alles in allem zu werden, d. h. obgleich Ich Geist bin, bin Ich doch
nicht vollendeter Geist, und muß den vollkommenen Geist erst suchen.
<18> [13] Damit verliere Ich aber, der Ich Mich soeben als Geist
gefunden hatte, sogleich Mich wieder, indem Ich vor dem
vollkommenen Geiste, als einem Mir nicht eigenen, sondern
jenseitigen Mich beuge und meine Leerheit fühle.
Auf Geist kommt zwar alles an, aber ist auch jeder Geist der "rechte"
Geist? Der rechte und wahre Geist ist das Ideal des Geistes, der
"heilige Geist". Er ist nicht Mein oder Dein Geist, sondern eben ein ­
idealer, jenseitiger, er ist "Gott ". "Gott ist Geist". Und dieser
jenseitige "Vater im Himmel gibt ihn denen, die ihn bitten".
1
Den Mann scheidet es vom Jünglinge, daß er die Welt nimmt, wie sie
ist, statt sie überall im Argen zu wähnen und verbessern, d. h. nach
seinem Ideale modeln zu wollen; in ihm befestigt sich die Ansicht, daß
man mit der Welt nach seinem Interesse verfahren müsse, nicht nach
seinen Idealen.
Solange man sich nur als Geist weiß, und all seinen Wert darin legt,
Geist zu sein (dem Jünglinge wird es leicht, sein Leben, das
"leibliche", für ein Nichts hinzugeben, für die albernste
Ehrenkränkung), solange hat man auch nur Gedanken, Ideen, die man
einst, wenn man einen Wirkungskreis gefunden, verwirklichen zu
können hofft; man hat also einstweilen nur Ideale, unvollzogene Ideen
oder Gedanken.
Erst dann, wenn man sich leibhaftig liebgewonnen, und an sich, wie
man leibt und lebt, eine Lust hat ­ so aber findet sich 's im reifen
Alter, beim Manne ­ erst dann hat man ein persönliches oder
egoistisches Interesse, d. h. ein Interesse nicht etwa nur Unseres
Geistes, sondern totaler Befriedigung, Befriedigung des ganzen Kerls,
ein eigen<19>nütziges Interesse. Vergleicht doch einmal einen Mann
mit einem