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(130)
dem Gesetze. Man wird nun in aller Form Rechtens geknechtet.
Im Bürger-Staate gibt es nur "freie Leute", die zu Tausenderlei (z. B.
zu Ehrerbietung, zu einem Glaubensbekenntnis u. dergl.) gezwungen
werden. Was tut das aber? Es zwingt sie ja nur der Staat, das Gesetz,
nicht irgend ein Mensch!
Was will das Bürgertum damit, daß es gegen jeden persönlichen, d. h.
nicht in der "Sache", der "Vernunft" usw. begründeten Befehl
eifert? Es kämpft eben nur im Interesse der "Sache " gegen die
Herrschaft der "Personen "! Sache des Geistes ist aber das
Vernünftige, Gute, Gesetzliche usw.; das ist die "gute Sache". Das
Bürgertum will einen unpersönlichen Herrscher.
<144> Ist ferner das Prinzip dies, daß nur die Sache den Menschen
beherrschen soll, nämlich die Sache der Sittlichkeit, die Sache der
Gesetzlichkeit usw., so darf auch keinerlei persönliche Verkürzung des
Einen durch den Andern autorisiert werden (wie früher z. B. der
Bürgerliche um die Adelsämter verkürzt wurde, der Adlige um
bürgerliches Handwerk usw.), d. h. es muß freie Konkurrenz
stattfinden. Nur durch die Sache kann Einer den Andern verkürzen (der
Reiche z. B. den Unbemittelten durch das Geld, eine Sache), als Person
nicht. Es gilt fortan nur Eine Herrschaft, die Herrschaft des Staats;
persönlich ist Keiner mehr ein Herr des Andern. Schon bei der Geburt
gehören die Kinder dem Staate und den Eltern nur im Namen des
Staates, der z. B. den Kindermord nicht duldet, die Taufe derselben
fordert usw.
[120] Aber dem Staate gelten auch alle seine Kinder ganz gleich
("bürgerliche oder politische Gleichheit"), und sie mögen selbst
zusehen, wie sie miteinander fertig werden: sie mögen konkurrieren.
Freie Konkurrenz bedeutet nichts Anderes, als daß Jeder gegen den
Andern auftreten, sich geltend machen, kämpfen kann. Dagegen sperrte
sich natürlich die feudale Partei, da
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ihre Existenz vom Nichtkonkurrieren abhängt. Die Kämpfe in der
Restaurationszeit Frankreichs hatten keinen andern Inhalt, als den, daß
die Bourgeoisie nach freier Konkurrenz rang, und die Feudalen die
Zünftigkeit zurückzubringen suchten.
Nun, die freie Konkurrenz hat gesiegt und mußte gegen die
Zünftigkeit siegen. (Das Weitere siehe unten.)
Verlief sich die Revolution in eine Reaktion, so kam dadurch nur zu
Tage, was die Revolution eigentlich war. <143> Denn jedes Streben
gelangt dann in die Reaktion, wenn es zur Besinnung kommt, und
stürmt nur so lange in die ursprüngliche Aktion vorwärts, als es ein
Rausch, eine "Unbesonnenheit" ist. "Besonnenheit" wird stets das
Stichwort der Reaktion sein, weil die Besonnenheit Grenzen setzt, und
das eigentliche Gewollte, d. h. das Prinzip, von der anfänglichen
"Zügellosigkeit" und "Schrankenlosigkeit" befreit. Wilde Bursche,
renommierende* Studenten, die alle Rücksichten aus den Augen
setzen, sind eigentlich Philister, da bei ihnen wie bei diesen die
Rücksichten den Inhalt ihres Treibens bilden, nur daß sie als
Bramarbasse* sich gegen die Rücksichten auflehnen und negativ
verhalten, als Philister später sich ihnen ergeben und positiv dazu
verhalten. Um die "Rücksichten" dreht sich in beiden Fällen ihr
gesamtes Tun und Denken, aber der Philister ist gegen den Burschen
reaktionär, ist der zur Besinnung gekommene wilde Geselle, wie dieser
der unbesonnene Philister ist. Die alltägliche Erfahrung bestätigt die
Wahrheit dieses Umschlagens und zeigt, wie die Renommisten zu
Philistern ergrauen.
So beweist auch die sogenannte Reaktion in Deutschland, [121] wie
sie nur die besonnene Fortsetzung des kriegerischen Freiheitsjubels
war.
Die Revolution war nicht gegen das Bestehende gerichtet, sondern
gegen dieses Bestehende, gegen einen bestimmten Bestand. Sie schaffte
diesen Herrscher ab, nicht den Herrscher, im Gegenteil wurden die
Franzosen aufs unerbittlichste beherrscht; sie tötete die alten
Lasterhaften, wollte