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[129] Vor dem höchsten Gebieter, dem alleinigen Befehlshaber, waren
Wir alle gleich geworden, gleiche Personen, d. h. Nullen.
Vor dem höchsten Eigentümer werden Wir alle gleiche Lumpe. Für
jetzt ist noch Einer in der Schätzung des Andern ein "Lump ",
"Habenichts"; dann aber hört diese Schätzung auf, Wir sind allzumal
Lumpe, und als Gesamtmasse der Kommunistischen Gesellschaft
könnten Wir Uns "Lumpengesindel" nennen.
Wenn der Proletarier seine beabsichtigte "Gesellschaft", worin der
Abstand von Reich und Arm beseitigt werden soll, wirklich gegründet
haben wird, dann ist er Lump, denn er weiß sich dann etwas damit,
Lump zu sein, und könnte "Lump " so gut zu einer ehrenden Anrede
erheben, wie die Revolution das Wort "Bürger " dazu erhob. Lump ist
sein Ideal, Lumpe sollen Wir alle werden.
Dies ist im Interesse der "Menschlichkeit" der zweite Raub am
"Persönlichen". Man läßt dem Einzelnen weder Befehl noch
Eigentum; jenen nahm der Staat, dieses die Gesellschaft.
Weil in der Gesellschaft sich die drückendsten Übelstände bemerkbar
machen, so denken besonders die Gedrückten, also die Glieder aus den
unteren Regionen der Sozietät, die Schuld <156> in der Gesellschaft zu
finden, und machen sich 's zur Aufgabe, die rechte Gesellschaft zu
entdecken. Es ist das nur die alte Erscheinung, daß man die Schuld zu-
erst in allem Anderen als in sich sucht; also im Staate, in der
Selbstsucht der Reichen usw., die doch gerade unserer Schuld ihr
Dasein verdanken.
Die Reflexionen und Schlüsse des Kommunismus sehen sehr einfach
aus. Wie die Sachen dermalen liegen, also unter den jetzigen
Staatsverhältnissen, stehen die Einen gegen die Andern, und zwar die
Mehrzahl gegen die Minderzahl im Nachteil. Bei diesem Stande der
Dinge befinden sich jene im Wohlstande, diese im Notstande. Daher
muß der gegenwärtige Stand der Dinge, d. i. der Staat (status =
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Stand) abge[130]schafft werden. Und was an seine Stelle? Statt des
vereinzelten Wohlstandes ein allgemeiner Wohlstand, ein Wohlstand
Aller.
Durch die Revolution wurde die Bourgeoisie allmächtig und alle
Ungleichheit dadurch aufgehoben, daß Jeder zur Würde eines Bürgers
erhoben oder erniedrigt wurde: der gemeine Mann erhoben, der
Adlige erniedrigt; der dritte Stand wurde einziger Stand, nämlich
Stand der Staatsbürger. Nun repliziert der Kommunismus: Nicht
darin besteht unsere Würde und unser Wesen, daß Wir alle die
gleichen Kinder des Staates, unserer Mutter, sind, alle geboren mit dem
gleichen Anspruch auf ihre Liebe und ihren Schutz, sondern darin, daß
Wir alle füreinander da sind. Dies ist unsere Gleichheit oder darin sind
Wir gleich, daß Ich so gut als Du und Ihr alle, jeder für den Andern,
tätig sind oder "arbeiten ", also darin, daß jeder von Uns ein Arbeiter
ist. Nicht auf das kommt es Uns an, <157> was Wir für den Staat sind,
nämlich Bürger, also nicht auf unser Bürgertum, sondern auf das, was
Wir füreinander sind, nämlich darauf, daß Jeder von Uns nur durch den
Andern existiert, der, indem er für meine Bedürfnisse sorgt, zugleich
von Mir die seinigen befriedigt sieht. Er arbeitet z. B. für meine
Kleidung (Schneider), Ich für sein Vergnügungsbedürfnis
(Komödienschreiber, Seiltänzer usw.), er für meine Nahrung (Landwirt
usw.), Ich für seine Belehrung (Gelehrter usw.). Also das Arbeitertum
ist unsere Würde und unsere Gleichheit.
Welchen Vorteil bringt Uns das Bürgertum? Lasten! Und wie hoch
schlägt man unsere Arbeit an? So niedrig als möglich! Arbeit ist aber
gleichwohl unser einziger Wert; daß Wir Arbeiter sind, das ist das
Beste an Uns, das ist unsere Bedeutung in der Welt, und darum muß es
auch unsere Geltung werden und muß zur Geltung kommen. Was
könnt Ihr Uns entgegenstellen? Doch auch nur Arbeit. Nur für Arbeit
oder Leistungen sind Wir Euch