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eine Rekompense schuldig, nicht für eure bloße Existenz; auch nicht
für das, was [131] Ihr für Euch seid, sondern nur für das, was Ihr für
Uns seid. Wodurch habt Ihr Ansprüche an Uns? Etwa durch eure hohe
Geburt usw.? Nein, nur durch das, was Ihr Uns Erwünschtes oder
Nützliches leistet. So sei es denn auch so: Wir wollen Euch nur so viel
wert sein, als Wir Euch leisten; Ihr aber sollt desgleichen von Uns
gehalten werden. Die Leistungen bestimmen den Wert, d. h. diejenigen
Leistungen, die Uns etwas wert sind, also die Arbeiten füreinander, die
gemeinnützigen Arbeiten. Jeder sei in den Augen des Andern ein
Arbeiter. Wer Nützliches verrichtet, der steht Keinem nach, oder alle
Ar<158>beiter (Arbeiter natürlich im Sinne von "gemeinnütziger", d.
h. kommunistischer Arbeiter) sind gleich. Da aber der Arbeiter
seines
Lohnes wert ist, so sei auch der Lohn gleich.
Solange das Glauben für die Ehre und Würde des Menschen
ausreichte, ließ sich gegen keine auch noch so anstrengende Arbeit
etwas einwenden, wenn sie nur den Menschen nicht im Glauben
hinderte. Hingegen jetzt, wo Jeder sich zum Menschen ausbilden soll,
fällt die Bannung des Menschen an maschinenmäßige Arbeit
zusammen mit der Sklaverei. Muß ein Fabrikarbeiter sich zwölf
Stunden und mehr todmüde machen, so ist er um die Menschwerdung
gebracht. Jedwede Arbeit soll den Zweck haben, daß der Mensch
befriedigt werde. Deshalb muß er auch in ihr Meister werden, d. h. sie
als eine Totalität schaffen können. Wer in einer Stecknadelfabrik nur
die Knöpfe aufsetzt, nur den Draht zieht usw., der arbeitet wie
mechanisch, wie eine Maschine: er bleibt ein Stümper, wird kein
Meister: seine Arbeit kann ihn nicht befriedigen, sondern nur ermüden.
Seine Arbeit ist, für sich genommen, nichts, hat keinen Zweck in sich,
ist nichts für sich Fertiges: er arbeitet nur einem Andern in die Hand,
und wird von diesem Andern benutzt (exploitiert). Für diesen Arbeiter
im Dienste eines Andern
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gibt es keinen Genuß eines gebildeten Geistes, höchstens rohe
Vergnügungen: ihm ist ja die Bildung verschlossen. Um ein guter
Christ zu sein, braucht man nur zu glauben, und das kann unter den
drük[132]kendsten Verhältnissen geschehen. Daher sorgen die
christlich Gesinnten nur für die Frömmigkeit der gedrückten Arbeiter,
ihre Geduld, Ergebung usw. All ihr Elend konnten die unterdrückten
Klassen nur so lange ertragen, als sie Christen waren: denn das
Christentum läßt ihr Murren <159> und ihre Empörung nicht
aufkommen. Jetzt genügt nicht mehr die Beschwichtigung der
Begierden, sondern es wird ihre Sättigung gefordert. Die Bourgeoisie
hat das Evangelium des Weltgenusses, des materiellen Genusses
verkündet und wundert sich nun, daß diese Lehre unter Uns Armen
Anhänger findet; sie hat gezeigt, daß nicht Glaube und Armut, sondern
Bildung und Besitz selig macht: das begreifen Wir Proletarier auch.
Von Befehl und Willkür Einzelner befreite das Bürgertum. Allein jene
Willkür blieb übrig, welche aus der Konjunktur der Verhältnisse
entspringt und die Zufälligkeit der Umstände genannt werden kann; es
blieben das begünstigende Glück und die "vom Glück Begünstigten"
übrig.
Wenn z. B. ein Gewerbszweig zu Grunde geht und Tausende von
Arbeitern brotlos werden, so denkt man billig genug, um zu bekennen,
daß nicht der Einzelne die Schuld trägt, sondern "das Übel in den
Verhältnissen liegt".
Ändern Wir denn die Verhältnisse, aber ändern Wir sie durchgreifend
und so, daß ihre Zufälligkeit ohnmächtig wird und ein Gesetz! Seien
Wir nicht länger Sklaven des Zufalls! Schaffen Wir eine neue
Ordnung, die den Schwankungen ein Ende macht. Diese Ordnung sei
dann heilig!
Früher mußte man es den Herren recht machen, um zu etwas zu
kommen; nach der Revolution hieß es: Hasche das Glück! Glücksjagd
oder Hazardspiel, darin ging das bürgerliche Leben auf. Daneben dann
die Forderung, daß, wer etwas erlangt hat, dies nicht leichtsinnig
wieder aufs Spiel setze.