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heit zu sein. Welcherlei Tätigkeit die Gesellschaft von Dir fordert, das
bleibt ja noch zufällig: sie könnte Dich bei einem Tempelbau u. dergl.
anstellen, oder, wenn auch das nicht, so könntest Du doch aus eigenem
Antrieb für eine Narrheit, also Unmenschlichkeit tätig sein; ja noch
mehr, Du arbeitest wirklich nur, um Dich zu nähren, überhaupt, um zu
leben, um des lieben Lebens willen, nicht zur Verherrlichung der
Menschheit. Mithin ist die freie Tätigkeit erst dann erreicht, wenn Du
Dich von allen Dummheiten frei machst, von allem
Nichtmenschlichen, d. h. Egoistischen (nur dem Einzelnen, nicht dem
Menschen im Einzelnen Angehörigen) Dich befreist, alle den
Menschen oder die Menschheits-Idee verdunkelnden, unwahren
Gedanken auflösest, kurz, wenn Du nicht bloß ungehemmt bist in
Deiner Tätigkeit, sondern auch [143] der Inhalt Deiner Tätigkeit nur
Menschliches ist, und Du nur für die Menschheit lebst und wirkst. Das
ist aber nicht der Fall, solange das Ziel <172> deines Strebens nur
deine und Aller Wohlfahrt ist: was Du für die Lumpengesellschaft tust,
das ist für die "menschliche Gesellschaft" noch nichts getan.
Das Arbeiten allein macht Dich nicht zum Menschen, weil es etwas
Formelles und sein Gegenstand zufällig ist, sondern es kommt darauf
an, wer Du, der Arbeitende, bist. Arbeiten überhaupt kannst Du aus
egoistischem (materiellem) Antrieb, bloß um Dir Nahrung u. dergl. zu
verschaffen: es muß eine die Menschheit fördernde, auf das Wohl der
Menschheit berechnete, der geschichtlichen, d. h. menschlichen
Entwicklung dienende, kurz eine humane Arbeit sein. Dazu gehört
zweierlei, einmal daß sie der Menschheit zu Gute komme, zum
Andern, daß sie von einem "Menschen " ausgehe. Das Erstere allein
kann bei jeder Arbeit der Fall sein, da auch die Arbeiten der Natur, z.
B. der Tiere, von der Menschheit zur Förderung der Wissenschaft u. s.
f. benutzt werden; das Zweite erfordert, daß der Arbeitende den
menschlichen Zweck seiner Arbeit wisse, und da er dies Bewußtsein
nur
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haben kann, wenn er sich als Mensch weiß, so ist die entscheidende
Bedingung das ­ Selbstbewußtsein.
Gewiß ist schon viel erreicht, wenn Du aufhörst ein "Stückarbeiter"
zu sein, aber Du übersiehst damit doch nur das Ganze deiner Arbeit,
und erwirbst ein Bewußtsein über dieselbe, was von einem
Selbstbewußtsein, einem Bewußtsein über dein wahres "Selbst " oder
"Wesen ", den Menschen, noch weit entfernt ist. Dem Arbeiter bleibt
noch das Verlangen nach einem "höheren Bewußtsein", das er, weil
die Arbeitstätigkeit es nicht zu stillen vermag, in einer Feierstunde
befriedigt. Daher steht seiner Arbeit das Feiern zur Seite, und er sieht
sich gezwungen, in Einem Atem das Arbeiten und <173> das
Faulenzen für menschlich auszugeben, ja dem Faulenzer, dem
Feiernden, die wahre Erhebung beizumessen. Er arbeitet nur, um von
der Arbeit loszukommen: er [144] will die Arbeit nur frei machen, um
von der Arbeit frei zu werden.
Genug, seine Arbeit hat keinen befriedigenden Gehalt, weil sie nur
von der Gesellschaft aufgetragen, nur ein Pensum, eine Aufgabe, ein
Beruf ist, und umgekehrt, seine Gesellschaft befriedigt nicht, weil sie
nur zu arbeiten gibt.
Die Arbeit müßte ihn als Menschen befriedigen: statt dessen befriedigt
sie die Gesellschaft; die Gesellschaft müßte ihn als Menschen
behandeln, und sie behandelt ihn als ­ lumpigen Arbeiter oder
arbeitenden Lump.
Arbeit und Gesellschaft sind ihm nur nütze, nicht wie er als Mensch,
sondern wie er als "Egoist " ihrer bedarf.
So die Kritik gegen das Arbeitertum. Sie weist auf den "Geist " hin,
führt den Kampf des "Geistes mit der Masse"
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und erklärt die
kommunistische Arbeit für geistlose Massenarbeit. Arbeitsscheu, wie
sie ist, liebt es die Masse, sich die Arbeit leicht zu machen. In der
Literatur, die heute massenweise geliefert wird, erzeugt jene
Arbeitsscheu die allbekannte Oberflächlichkeit, welche "die Mühe der
Forschung" von sich weist.
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