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das nicht ein "allgemeines Menschenrecht" ist, so bist Du ein Egoist.
Recht so! Ich will nichts Besonderes vor Andern haben oder sein, Ich
will kein Vorrecht gegen sie beanspruchen, aber ­ Ich messe Mich
auch nicht an Andern, und will überhaupt kein Recht haben. Ich will
Alles sein und Alles haben, was ich sein und haben kann. Ob Andere
Ähnliches sind und haben, was kümmert 's Mich? Das Gleiche,
dasselbe können sie weder sein, noch haben. Ich tue Ihnen keinen
Abbruch, wie Ich dem Felsen dadurch keinen Abbruch tue, daß Ich die
Be[153]wegung vor ihm "voraushabe". Wenn sie es haben könnten,
so hätten sie 's.
Den andern Menschen keinen Abbruch zu tun, darauf kommt die
Forderung hinaus, kein Vorrecht zu besitzen. Allem "Voraushaben"
zu entsagen, die strengste Entsagungs-Theorie. Man soll sich nicht für
"etwas Besonderes" halten, wie z. B. Jude oder Christ. Nun, Ich halte
Mich nicht für etwas Besonderes, sondern für einzig. Ich habe wohl
Ähnlichkeit mit Andern; das gilt jedoch nur für die Vergleichung oder
Reflexion; in der Tat bin Ich unvergleichlich, einzig. Mein Fleisch ist
nicht ihr Fleisch, mein Geist ist nicht ihr Geist. Bringt Ihr sie unter die
Allgemeinheiten "Fleisch, Geist", so sind das eure Gedanken, die mit
meinem Fleische, meinem Geiste nichts zu schaffen haben, und <184>
am wenigsten an das Meinige einen "Beruf " ergehen lassen können.
Ich will an Dir nichts anerkennen oder respektieren, weder den
Eigentümer, noch den Lump, noch auch nur den Menschen, sondern
Dich verbrauchen. Am Salze finde Ich, daß es die Speisen Mir
schmackhaft macht, darum lasse Ich 's zergehen; im Fische erkenne
Ich ein Nahrungsmittel, darum verspeise Ich ihn; an Dir entdecke Ich
die Gabe, Mir das Leben zu erheitern, daher wähle Ich Dich zum
Gefährten. Oder am Salze studiere Ich die Kristallisation, am Fische
die Animalität, an Dir die Menschen usw. Mir bist Du nur dasjenige,
was Du für Mich bist, nämlich
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mein Gegenstand, und weil mein Gegenstand, darum mein Eigentum.
Im humanen Liberalismus vollendet sich die Lumperei. Wir müssen
erst auf das Lumpigste, Armseligste herunterkommen, wenn Wir zur
Eigenheit gelangen wollen, denn Wir müssen alles Fremde ausziehen.
Lumpiger aber scheint nichts, als der nackte ­ Mensch.
Mehr als Lumperei ist es indessen, wenn Ich auch den Menschen
wegwerfe, weil ich fühle, daß auch er Mir fremd ist, und daß Ich Mir
darauf nichts einbilden darf. Es ist das nicht mehr bloß Lumperei: weil
auch der letzte Lumpen abgefallen ist; so steht die wirkliche Nacktheit,
die Entblößung [154] von allem Fremden da. Der Lump hat die
Lumperei selbst ausgezogen und damit aufgehört zu sein, was er war,
ein Lump.
Ich bin nicht mehr Lump, sondern bin 's gewesen.
Bis zur Stunde konnte die Zwietracht deshalb nicht zum Ausbruch
kommen, weil eigentlich nur ein Streit neuer Libe<185> raler mit
veralteten Liberalen vorhanden ist, ein Streit derer, welche die
"Freiheit" in kleinem Maße verstehen, und derer, welche das "volle
Maß" der Freiheit wollen, also der Gemäßigten und Maßlosen. Alles
dreht sich um die Frage: Wie frei muß der Mensch sein? Daß der
Mensch frei sein müsse, daran glauben Alle; darum sind auch Alle
liberal. Aber der Unmensch, der doch in jedem Einzelnen steckt, wie
dämmt man den? Wie stellt man 's an, daß man nicht mit dem
Menschen zugleich den Unmenschen frei läßt?
Der gesamte Liberalismus hat einen Todfeind, einen unüberwindlichen
Gegensatz, wie Gott den Teufel: dem Menschen steht der Unmensch,
der Einzelne, der Egoist stets zur Seite. Staat, Gesellschaft, Menschheit
bewältigen diesen Teufel nicht.
Der humane Liberalismus verfolgt die Aufgabe, den andern Liberalen
zu zeigen, daß sie immer noch nicht die "Freiheit" wollen.