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(166)
Hatten die andern Liberalen nur vereinzelten Egoismus vor Augen,
und waren sie für den größten Teil blind, so hat der radikale
Liberalismus den Egoismus "in Masse" gegen sich, wirft Alle, die
nicht die Sache der Freiheit, wie er, zur eigenen machen, unter die
Masse, so daß jetzt Mensch und Unmensch streng geschieden als
Feinde gegeneinander stehen, nämlich die "Masse" und die
"Kritik "
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; und zwar die "freie, [155] menschliche Kritik", wie sie
(Judenfrage S. 114
43
) genannt wird, gegenüber der rohen, z. B.
religiösen Kritik.
Die Kritik spricht die Hoffnung aus, daß sie über die ganze Masse
siegen und ihr "ein allgemeines Armutszeugnis <186> ausstellen
werde".
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Sie will also zuletzt Recht behalten und allen Streit der
"Mutlosen und Zaghaften" als eine egoistische Rechthaberei
darstellen, als Kleinlichkeit, Armseligkeit. Aller Hader verliert an
Bedeutung und die kleinlichen Zwistigkeiten werden aufgegeben, weil
in der Kritik ein gemeinsamer Feind ins Feld rückt. "Ihr seid allesamt
Egoisten, einer nicht besser als der andere!" Nun stehen die Egoisten
zusammen gegen die Kritik.
Wirklich die Egoisten? Nein, sie kämpfen gerade darum gegen die
Kritik, weil diese sie des Egoismus beschuldigt; sie sind des Egoismus
nicht geständig. Mithin stehen Kritik und Masse auf derselben Basis:
beide kämpfen gegen den Egoismus, beide weisen ihn von sich ab, und
schieben ihn einander zu.
Die Kritik und die Masse verfolgen dasselbe Ziel, Freiheit vom
Egoismus, und hadern nur darüber, wer von ihnen dem Ziele sich am
meisten nähere oder gar es erreiche.
Die Juden, die Christen, die Absolutisten, die Dunkelmänner und
Lichtmänner, Politiker, Kommunisten, kurz Alle halten den Vorwurf
des Egoismus von sich fern, und da nun die Kritik diesen Vorwurf
ihnen unverblümt und im ausgedehntesten Sinne macht, so
rechtfertigen sich Alle gegen
(167)
die Anschuldigung des Egoismus, und bekämpfen den Egoismus,
denselben Feind, mit welchem die Kritik Krieg führt.
Egoistenfeinde sind beide, Kritik und Masse, und beide suchen sich
vom Egoismus zu befreien, sowohl dadurch, daß sie sich reinigen oder
reinwaschen, als dadurch, daß sie ihn der Gegenpartei zuschreiben.
<187> [156] Der Kritiker ist der wahre "Wortführer der Masse", der
ihr den "einfachen Begriff und die Redensart" des Egoismus gibt,
wogegen die Wortführer, welchen Lit. Ztg. V, 24 der Triumph
abgesprochen wird, nur Stümper waren.
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Er ist ihr Fürst und Feldherr
in dem Freiheitskriege gegen den Egoismus; wogegen er kämpft,
dagegen kämpft auch sie. Er ist aber zugleich auch ihr Feind, nur nicht
der Feind vor ihr, sondern der befreundete Feind, der die Knute hinter
den Zaghaften führt, um ihnen [ihren?] Mut zu erzwingen.
Dadurch reduziert sich der Gegensatz der Kritik und der Masse auf
folgende Gegenrede: "Ihr seid Egoisten!" " " Nein, Wir sind 's
nicht!" " "Ich will 's Euch beweisen!" " " Du sollst unsere
Rechtfertigung erfahren!" "
Nehmen Wir denn beide, wofür sie sich ausgeben, für Nichtegoisten,
und wofür sie einander nehmen, für Egoisten. Sie sind Egoisten und
sind 's nicht.
Die Kritik sagt eigentlich: Du mußt dein Ich so gänzlich von aller
Beschränktheit befreien, daß es ein menschliches Ich wird. Ich sage:
Befreie Dich so weit Du kannst, so hast Du das Deinige getan; denn
nicht Jedem ist es gegeben, alle Schranken zu durchbrechen, oder
sprechender: Nicht Jedem ist das eine Schranke, was für den Andern
eine ist. Folglich mühe Dich nicht an den Schranken Anderer ab;
genug, wenn Du die deinigen niederreißest. Wem ist es jemals
gelungen, auch nur eine Schranke für alle Menschen niederzureißen?
Laufen nicht heute wie zu jeder Zeit Unzählige mit allen "Schranken
der Menschheit" herum? Wer eine seiner Schranken umwirft, der kann
Andern Weg und Mittel gezeigt haben; das Umwerfen ihrer Schranken
bleibt