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ihre Sache. Auch tut Keiner etwas Anderes. Den Leuten
zu<188>muten, daß sie ganz Menschen werden, heißt sie auffordern,
alle menschlichen Schranken zu stürzen. Das ist unmöglich, weil der
Mensch keine Schranken hat. Ich habe zwar deren, aber Mich gehen
auch nur die meinigen etwas an, und nur sie können [157] von Mir
bezwungen werden. Ein menschliches Ich kann Ich nicht werden, weil
Ich eben Ich und nicht bloß Mensch bin.
Doch sehen Wir noch, ob die Kritik Uns nicht etwas gelehrt hat, das
Wir beherzigen können! Frei bin Ich nicht, wenn Ich nicht interesselos,
Mensch nicht, wenn Ich nicht uninteressiert bin? Nun, verschlägt es
Mir auch wenig, frei oder Mensch zu sein, so will Ich doch keine
Gelegenheit, Mich durchzusetzen oder geltend zu machen, ungenutzt
vorbeilassen. Die Kritik bietet Mir diese Gelegenheit durch die Lehre,
daß, wenn sich etwas in Mir festsetzt und unauflöslich wird, Ich der
Gefangene und Knecht desselben, d. h. ein Besessener, werde. Ein
Interesse, es sei wofür es wolle, hat an Mir, wenn Ich nicht davon
loskommen kann, einen Sklaven erbeutet, und ist nicht mehr mein
Eigentum, sondern Ich bin das seine. Nehmen wir daher die Weisung
der Kritik an, keinen Teil unsers Eigentums stabil werden zu lassen,
und Uns nur wohl zu fühlen im ­ Auflösen.
Sagt also die Kritik: Du bist nur Mensch, wenn Du rastlos kritisierst
und auflösest! so sagen Wir: Mensch bin Ich ohnehin, und Ich bin Ich
ebenfalls; darum will Ich nur Sorge tragen, daß Ich mein Eigentum Mir
sichere, und um es zu sichern, nehme Ich 's jederzeit in Mich zurück,
vernichte in ihm jede Regung nach Selbständigkeit, und verschlinge es,
ehe sich 's fixieren und zu einer "fixen Idee" oder einer "Sucht "
werden kann.
<189> Das tue Ich aber nicht um meines "menschlichen Berufes"
willen, sondern weil Ich Mich dazu berufe. Ich spreize Mich nicht,
Alles aufzulösen, was einem Menschen aufzulösen möglich ist, und
solange Ich z. B. noch keine zehn
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Jahre alt bin, kritisiere Ich den Unsinn der Gebote nicht, bin aber
gleichwohl Mensch und handle gerade darin menschlich, daß Ich sie
noch unkritisiert lasse. Kurz, Ich habe keinen Beruf, und folge keinem,
auch nicht dem, Mensch zu sein.
Weise Ich nun zurück, was der Liberalismus in seinen verschiedenen
Anstrengungen errungen hat? Es sei ferne, daß etwas Errungenes
verloren gehe! Nur wende Ich, nachdem [158] durch den Liberalismus
"der Mensch" frei geworden, den Blick wieder auf Mich zurück und
gestehe Mir 's offen: Was der Mensch gewonnen zu haben scheint, das
habe nur Ich gewonnen.
Der Mensch ist frei, wenn "der Mensch dem Menschen das höchste
Wesen ist". Also gehört es zur Vollendung des Liberalismus, daß jedes
andere höchste Wesen vernichtet, die Theologie durch die
Anthropologie umgeworfen, der Gott und seine Gnaden verlacht, der
"Atheismus " allgemein werde.
Der Egoismus des Eigentums hat sein Letztes eingebüßt, wenn auch
das "Mein Gott" sinnlos geworden ist; denn Gott ist nur, wenn ihm
das Heil des Einzelnen am Herzen liegt, wie dieser in ihm sein Heil
sucht.
Der politische Liberalismus hob die Ungleichheit der Herren und
Diener auf, er machte herrenlos, anarchisch. Der Herr wurde nun vom
Einzelnen, dem "Egoisten" entfernt, um ein Gespenst zu werden: das
Gesetz oder der Staat. Der soziale Liberalismus hebt die Ungleichheit
des Besitzes, der Armen und Reichen auf, und macht besitzlos oder ei-
gen<190>tumslos. Das Eigentum wird dem Einzelnen entzogen und
der gespenstischen Gesellschaft überantwortet. Der humane
Liberalismus macht gottlos, atheistisch. Deshalb muß der Gott des
Einzelnen, "mein Gott", abgeschafft werden. Nun ist zwar die
Herrenlosigkeit zugleich Dienstlosigkeit, Besitzlosigkeit zugleich
Sorglosigkeit, und Gottlosigkeit zugleich Vorurteilslosigkeit, denn mit
dem Herrn fällt der Diener weg, mit dem Besitz die Sorge um ihn, mit
dem festgewurzelten Gott das Vorurteil; da aber der Herr als Staat
wieder aufersteht,