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unbefriedigte ist die ­ Masse. Gehört der Kritiker, so gestellt, nicht
selbst zur "Masse "?
Aber die Unbefriedigten befinden sich noch in großer Unklarheit, und
ihre Unzufriedenheit äußert sich erst in einer [161] "grenzenlosen
Verstimmung". Deren will nun der gleichfalls, unbefriedigte Kritiker
Meister werden: er kann nicht mehr wollen und erreichen, als jenes
"geistige Wesen", die Masse, aus ihrer Verstimmung herausbringen,
und die nur Verstimmten "heben ", d. h. ihnen die richtige Stellung zu
den zu überwindenden Revolutionsresultaten geben, ­ er kann das
Haupt der Masse werden, ihr entschiedener Wortführer. Darum will er
auch <193> "die tiefe Kluft, welche ihn von der Menge scheidet,
aufheben". Von denen, welche "die unteren Volksklassen heben
wollen", unterscheidet er sich dadurch, daß er nicht bloß diese,
sondern auch sich selbst aus der "Verstimmung" erlösen will.
Aber allerdings trügt ihn auch sein Bewußtsein nicht, wenn er die
Masse für den "natürlichen Gegner der Theorie" hält und voraussieht,
daß, "je mehr sich diese Theorie entwickeln wird, um so mehr sie die
Masse zu einer kompakten machen wird". Denn der Kritiker kann mit
seiner Voraussetzung, dem Menschen, die Masse nicht aufklären noch
befriedigen. Ist sie, gegenüber dem Bürgertum, nur "untere
Volksklasse", eine politisch unbedeutende Masse, so muß sie noch
mehr gegenüber "dem Menschen" eine bloße "Masse ", eine
menschlich unbedeutende, ja eine unmenschliche Masse oder eine
Menge von Unmenschen sein.
Der Kritiker räumt mit allem Menschlichen auf, und von der
Voraussetzung ausgehend, daß das Menschliche das Wahre sei, arbeitet
er sich selbst entgegen, indem er dasselbe überall, wo es bisher
gefunden wurde, bestreitet. Er beweist nur, daß das Menschliche
nirgends als in seinem Kopfe, das Unmenschliche aber überall zu
finden sei. Das Unmenschliche ist das Wirkliche, das allerwärts
Vorhandene, und der Kritiker spricht durch den Beweis, daß es "nicht
menschlich" sei, nur
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deutlich den tautologischen Satz aus, daß es eben das Unmenschliche
sei.
Wie aber, wenn das Unmenschliche, indem es entschlossenen Mutes
sich selbst den Rücken kehrte, auch von dem beunruhigenden Kritiker
sich abwendete und ihn, von seiner Ein[162]rede unberührt und
ungetroffen, stehen ließe? "Du nennst Mich das Unmenschliche,
könnte es zu ihm sagen, und Ich bin es wirklich ­ für Dich; aber Ich
bin es nur, weil Du Mich <194> zum Menschlichen in Gegensatz
bringst, und Ich konnte Mich selbst nur so lange verachten, als Ich
Mich an diesen Gegensatz bannen ließ. Ich war verächtlich, weil Ich
mein "besseres Selbst" außer Mir suchte; Ich war das Unmenschliche,
weil Ich vom "Menschlichen" träumte; Ich glich den Frommen, die
nach ihrem "wahren Ich" hungern und immer "arme Sünder"
bleiben; Ich dachte Mich nur im Vergleich zu einem Andern; genug Ich
war nicht Alles in Allem, war nicht ­ einzig. Jetzt aber höre Ich auf,
Mir selbst als das Unmenschliche vorzukommen, höre auf, Mich am
Menschen zu messen und messen zu lassen, höre auf, etwas über Mir
anzuerkennen, und somit ­ Gott befohlen, humaner Kritiker! Ich bin
das Unmenschliche nur gewesen, bin es jetzt nicht mehr, sondern bin
das Einzige, ja Dir zum Abscheu das Egoistische, aber das Egoistische
nicht, wie es am Menschlichen, Humanen und Uneigennützigen sich
messen läßt, sondern das Egoistische als das ­ Einzige."
Noch auf einen andern Satz desselben Heftes haben Wir zu achten.
"Die Kritik stellt keine Dogmen auf und will nichts als die Dinge
kennenlernen."
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Der Kritiker fürchtet sich "dogmatisch" zu werden oder Dogmen
aufzustellen. Natürlich, er würde dadurch ja zum Gegensatz des
Kritikers, zum Dogmatiker, er würde, wie er als Kritiker gut ist, nun
böse, oder würde aus einem Uneigennützigen ein Egoist usw. "Nur
kein Dogma!" das ist sein ­ Dogma. Denn es bleibt der Kritiker mit
dem Dogmatiker auf ein und demselben Boden, dem der Gedanken.