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(172)
unbefriedigte ist die Ð Masse. Gehšrt der Kritiker, so gestellt, nicht
selbst zur "Masse "?
Aber die Unbefriedigten befinden sich noch in gro§er Unklarheit, und
ihre Unzufriedenheit Šu§ert sich erst in einer [161] "grenzenlosen
Verstimmung". Deren will nun der gleichfalls, unbefriedigte Kritiker
Meister werden: er kann nicht mehr wollen und erreichen, als jenes
"geistige Wesen", die Masse, aus ihrer Verstimmung herausbringen,
und die nur Verstimmten "heben ", d. h. ihnen die richtige Stellung zu
den zu Ÿberwindenden Revolutionsresultaten geben, Ð er kann das
Haupt der Masse werden, ihr entschiedener WortfŸhrer. Darum will er
auch <193> "die tiefe Kluft, welche ihn von der Menge scheidet,
aufheben". Von denen, welche "die unteren Volksklassen heben
wollen", unterscheidet er sich dadurch, da§ er nicht blo§ diese,
sondern auch sich selbst aus der "Verstimmung" erlšsen will.
Aber allerdings trŸgt ihn auch sein Bewu§tsein nicht, wenn er die
Masse fŸr den "natŸrlichen Gegner der Theorie" hŠlt und voraussieht,
da§, "je mehr sich diese Theorie entwickeln wird, um so mehr sie die
Masse zu einer kompakten machen wird". Denn der Kritiker kann mit
seiner Voraussetzung, dem Menschen, die Masse nicht aufklŠren noch
befriedigen. Ist sie, gegenŸber dem BŸrgertum, nur "untere
Volksklasse", eine politisch unbedeutende Masse, so mu§ sie noch
mehr gegenŸber "dem Menschen" eine blo§e "Masse ", eine
menschlich unbedeutende, ja eine unmenschliche Masse oder eine
Menge von Unmenschen sein.
Der Kritiker rŠumt mit allem Menschlichen auf, und von der
Voraussetzung ausgehend, da§ das Menschliche das Wahre sei, arbeitet
er sich selbst entgegen, indem er dasselbe Ÿberall, wo es bisher
gefunden wurde, bestreitet. Er beweist nur, da§ das Menschliche
nirgends als in seinem Kopfe, das Unmenschliche aber Ÿberall zu
finden sei. Das Unmenschliche ist das Wirkliche, das allerwŠrts
Vorhandene, und der Kritiker spricht durch den Beweis, da§ es "nicht
menschlich" sei, nur
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deutlich den tautologischen Satz aus, da§ es eben das Unmenschliche
sei.
Wie aber, wenn das Unmenschliche, indem es entschlossenen Mutes
sich selbst den RŸcken kehrte, auch von dem beunruhigenden Kritiker
sich abwendete und ihn, von seiner Ein[162]rede unberŸhrt und
ungetroffen, stehen lie§e? "Du nennst Mich das Unmenschliche,
kšnnte es zu ihm sagen, und Ich bin es wirklich Ð fŸr Dich; aber Ich
bin es nur, weil Du Mich <194> zum Menschlichen in Gegensatz
bringst, und Ich konnte Mich selbst nur so lange verachten, als Ich
Mich an diesen Gegensatz bannen lie§. Ich war verŠchtlich, weil Ich
mein "besseres Selbst" au§er Mir suchte; Ich war das Unmenschliche,
weil Ich vom "Menschlichen" trŠumte; Ich glich den Frommen, die
nach ihrem "wahren Ich" hungern und immer "arme SŸnder"
bleiben; Ich dachte Mich nur im Vergleich zu einem Andern; genug Ich
war nicht Alles in Allem, war nicht Ð einzig. Jetzt aber hšre Ich auf,
Mir selbst als das Unmenschliche vorzukommen, hšre auf, Mich am
Menschen zu messen und messen zu lassen, hšre auf, etwas Ÿber Mir
anzuerkennen, und somit Ð Gott befohlen, humaner Kritiker! Ich bin
das Unmenschliche nur gewesen, bin es jetzt nicht mehr, sondern bin
das Einzige, ja Dir zum Abscheu das Egoistische, aber das Egoistische
nicht, wie es am Menschlichen, Humanen und UneigennŸtzigen sich
messen lЧt, sondern das Egoistische als das Ð Einzige."
Noch auf einen andern Satz desselben Heftes haben Wir zu achten.
"Die Kritik stellt keine Dogmen auf und will nichts als die Dinge
kennenlernen."
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Der Kritiker fŸrchtet sich "dogmatisch" zu werden oder Dogmen
aufzustellen. NatŸrlich, er wŸrde dadurch ja zum Gegensatz des
Kritikers, zum Dogmatiker, er wŸrde, wie er als Kritiker gut ist, nun
bšse, oder wŸrde aus einem UneigennŸtzigen ein Egoist usw. "Nur
kein Dogma!" das ist sein Ð Dogma. Denn es bleibt der Kritiker mit
dem Dogmatiker auf ein und demselben Boden, dem der Gedanken.