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" Welche Plumpheit und Frivolität, durch ein Abbrechen die
schwierigsten Probleme lösen, die umfassendsten Aufgaben erledigen
zu wollen!"
Hast Du aber Aufgaben, wenn Du sie Dir nicht stellst? So lange Du sie
stellst, wirst Du nicht von ihnen lassen, und [165] Ich habe ja nichts
dagegen, daß Du denkst und denkend tausend Gedanken erschaffest.
Aber Du, der Du die Aufgaben gestellt hast, sollst Du sie nicht wieder
umwerfen können? Mußt Du an diese Aufgaben gebunden sein, und
müssen sie zu absoluten Aufgaben werden?
Um nur Eines anzuführen, so hat man die Regierung darum
herabgesetzt, daß sie gegen Gedanken Mittel der Gewalt ergreift, gegen
die Presse mittels der Polizeigewalt der Zensur einschreitet und aus
einem literarischen Kampfe einen persönlichen macht. Als ob es sich
lediglich um Gedanken handelte, und als ob man gegen Gedanken
uneigennützig, selbstverleugnend und aufopfernd sich verhalten
müßte! Greifen jene Gedanken nicht die Regierenden selbst an und
fordern so den Egoismus heraus? Und stellen die Denkenden nicht an
die Angegriffenen die religiöse Forderung, die Macht des Denkens, der
Ideen, zu verehren? Sie sollen freiwillig und hingebend erliegen, weil
die göttliche Macht des Denkens, die
Minerva
*, auf Seiten ihrer Feinde
kämpft. Das wäre ja ein Akt der Besessenheit, ein religiöses Opfer.
Freilich stecken die Regierenden selbst in religiöser Befangenheit und
folgen der <198> leitenden Macht einer Idee oder eines Glaubens; aber
sie sind zugleich ungeständige Egoisten, und gerade gegen die Feinde
bricht der zurückgehaltene Egoismus los: Besessene in ihrem Glauben
sind sie zugleich unbesessen von dem Glauben der Gegner, d. h. sie
sind gegen diesen Egoisten. Will man ihnen einen Vorwurf machen, so
könnte es nur der umgekehrte sein, nämlich der, daß sie von ihren
Ideen besessen sind.
Gegen die Gedanken soll keine egoistische Gewalt auftreten, keine
Polizeigewalt u. dergl. So glauben die Denkgläubigen. Aber das
Denken und seine Gedanken sind Mir
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nicht heilig und Ich wehre Mich auch gegen sie meiner Haut. Das mag
ein unvernünftiges Wehren sein; bin Ich aber der Vernunft verpflichtet,
so muß Ich, wie
Abraham
*, ihr das Liebste opfern!
Im Reiche des Denkens, welches gleich dem des Glaubens [166] das
Himmelreich ist, hat allerdings Jeder Unrecht, der gedankenlose
Gewalt braucht, gerade so, wie Jeder Unrecht hat, der im Reiche der
Liebe lieblos verfährt, oder, obgleich er ein Christ ist, also im Reiche
der Liebe lebt, doch unchristlich handelt: er ist in diesen Reichen,
denen er anzugehören meint und gleichwohl ihren Gesetzen sich
entzieht, ein "Sünder " oder "Egoist". Aber er kann auch der
Herrschaft dieser Reiche sich nur entziehen, wenn er an ihnen zum
Verbrecher wird.
Das Resultat ist auch hier dies, daß der Kampf der Denkenden gegen
die Regierung zwar soweit im Rechte, nämlich in der Gewalt ist, als er
gegen die Gedanken derselben geführt wird (die Regierung verstummt
und weiß literarisch nichts Erhebliches einzuwenden), dagegen im
Unrechte, nämlich in der Ohnmacht, sich befindet, soweit er nichts als
Gedanken gegen eine persönliche Macht ins Feld zu führen weiß
<199> (die egoistische Macht stopft den Denkenden den Mund). Der
theoretische Kampf kann nicht den Sieg vollenden und die heilige
Macht des Gedankens unterliegt der Gewalt des Egoismus. Nur der
egoistische Kampf, der Kampf von Egoisten auf beiden Seiten, bringt
Alles ins Klare.
Dies Letzte nun, das Denken selbst zu einer Sache des egoistischen
Beliebens, einer Sache des Einzigen, gleichsam zu einer bloßen
Kurzweil oder Liebhaberei zu machen und ihm die Bedeutung, "letzte
entscheidende Macht zu sein", abzunehmen, diese Herabsetzung und
Entheiligung des Denkens, diese Gleichstellung des gedankenlosen und
gedankenvollen Ich 's, diese plumpe, aber wirkliche "Gleichheit" ­
vermag die Kritik nicht herzustellen, weil sie selbst nur Priesterin des
Denkens ist und über das Denken hinaus nichts sieht als ­ die Sündflut.