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(178)
Die Kritik behauptet z. B. zwar, daß die freie Kritik über den Staat
siegen dürfe, aber sie wahrt sich zugleich gegen den Vorwurf, welcher
ihr von der Staatsregierung gemacht wird, daß sie "Willkür und
Frechheit" sei; sie meint also, "Willkür und Frechheit" dürfen nicht
siegen, nur sie dürfe [167] es. Es ist vielmehr umgekehrt: der Staat
kann nur von frecher Willkür wirklich besiegt werden.
Es kann nun, um hiermit zu schließen, einleuchten, daß der Kritiker in
seiner neuen Wendung sich selber nicht umgewandelt, sondern nur
"ein Versehen gut gemacht" hat, "mit einem Gegenstande ins Reine
gekommen" ist und zu viel sagt, wenn er davon spricht, daß die
"Kritik sich selbst kritisiere"; sie oder vielmehr er hat nur ihr
"Versehen " kritisiert und sie von ihren "Inkonsequenzen" geläutert.
Wollte er die Kritik kritisieren, so mußte er zusehen, ob an der
Voraussetzung derselben etwas sei.
<200> Ich Meinesteils gehe von einer Voraussetzung aus, indem Ich
Mich voraussetze; aber meine Voraussetzung ringt nicht nach ihrer
Vollendung, wie der "nach seiner Vollendung ringende Mensch",
sondern dient Mir nur dazu, sie zu genießen und zu verzehren. Ich
zehre gerade an meiner Voraussetzung allein und bin nur, indem Ich
sie verzehre. Darum aber ist jene Voraussetzung gar keine; denn da Ich
der Einzige bin, so weiß Ich nichts von der Zweiheit eines
voraussetzenden
und
vorausgesetzten
Ich 's
(eines
"unvollkommenen" und "vollkommenen" Ich 's oder Menschen),
sondern, daß Ich Mich verzehre, heißt nur, daß Ich bin. Ich setze Mich
nicht voraus, weil Ich Mich jeden Augenblick überhaupt erst setze oder
schaffe, und nur dadurch Ich bin, daß Ich nicht vorausgesetzt, sondern
gesetzt bin, und wiederum nur in dem Moment gesetzt, wo Ich Mich
setze, d. h. Ich bin Schöpfer und Geschöpf in Einem.
Sollen die bisherigen Voraussetzungen in einer völligen Auflösung
zergehen, so dürfen sie nicht wieder in eine höhere Voraussetzung, d.
h. einen Gedanken oder das Denken selbst,
(179)
die Kritik, aufgelöst werden. Es soll ja jene Auflösung Mir zu Gute
kommen, sonst gehörte sie nur in die Reihe der unzähligen
Auflösungen, welche zu Gunsten Anderer, z. B. eben des Menschen,
Gottes, des Staates, der reinen Moral usw., alte Wahrheiten für
Unwahrheiten erklärten und lang genährte Voraussetzungen
abschafften.