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(184)
Und würdest Du von allem frei, so hättest Du eben nichts mehr; denn
die Freiheit ist inhaltsleer. Wer sie nicht zu benutzen weiß, für den hat
sie keinen Wert, diese unnütze Erlaubnis; [172] wie Ich sie aber
benutze, das hängt von meiner Eigenheit ab.
Ich
habe gegen die Freiheit nichts einzuwenden, aber Ich wünsche Dir
mehr als Freiheit; Du müßtest nicht bloß los sein, was Du nicht willst,
Du müßtest auch haben, was Du willst, Du müßtest nicht nur ein
"Freier", Du müßtest auch ein "Eigner" sein.
Frei wovon? O was läßt sich nicht alles abschütteln! Das Joch der
Leibeigenschaft, der Oberherrlichkeit, der Aristokratie und Fürsten, die
Herrschaft der Begierden und Leidenschaften; ja selbst die Herrschaft
des eigenen Willens, des Eigenwillens, die vollkommenste
Selbstverleugnung ist ja nichts als Freiheit, Freiheit nämlich von der
Selbstbestimmung, vom eigenen Selbst, und der Drang nach Freiheit
als nach etwas Absolutem, jedes Preises Würdigem, brachte Uns um
die Eigenheit: er schuf die Selbstverleugnung. Je freier Ich indes
werde, desto mehr Zwang türmt sich vor meinen Augen auf, desto
ohnmächtiger fühle Ich Mich. Der unfreie Sohn der Wildnis empfindet
noch nichts von all ' den Schranken, die einen gebildeten Menschen
bedrängen: er dünkt sich freier als <206> dieser. In dem Maße als Ich
Mir Freiheit erringe, schaffe Ich Mir neue Grenzen und neue
Aufgaben; habe Ich die Eisenbahnen erfunden, so fühle Ich Mich
wieder schwach, weil Ich noch nicht, dem Vogel gleich, die Lüfte
durchsegeln kann, und habe Ich ein Problem, dessen Dunkelheit
meinen Geist beängstigte, gelöst, so erwarten Mich schon unzählige
andere, deren Rätselhaftigkeit meinen Fortschritt hemmt, meinen freien
Blick verdüstert, die Schranken meiner Freiheit Mir schmerzlich
fühlbar macht. "Nun ihr frei worden seid von der Sünde, seid ihr
Knechte worden der Gerechtigkeit."
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Die Republikaner in ihrer weiten Freiheit, werden sie nicht Knechte
des Gesetzes? Wie sehnten sich allezeit die wahren Christenherzen,
"frei zu werden", wie schmachteten sie, von den "Banden dieses
[173] Erdenlebens" sich erlöst zu sehen; sie schauten nach dem Lande
der Freiheit aus. ("Das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die
ist unser aller Mutter." Gal. 4, 26.)
Frei sein von etwas heißt nur: ledig oder los sein. "Er ist frei von
Kopfweh" ist gleich mit: er ist es los. "Er ist frei von diesem
Vorurteil" ist gleich mit: er hat es nie gefaßt oder er ist es los
geworden. Im "los " vollenden Wir die vom Christentum empfohlene
Freiheit, im sündlos, gottlos, sittenlos usw.
Freiheit ist die Lehre des Christentums. "Ihr, lieben Brüder, seid zur
Freiheit berufen."
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"Also redet und also tut, als die da sollen durchs
Gesetz der Freiheit gerichtet werden."
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<207> Müssen Wir etwa, weil die Freiheit als ein christliches Ideal
sich verrät, sie aufgeben? Nein, nichts soll verlorengehen, auch die
Freiheit nicht; aber sie soll unser eigen werden, und das kann sie in der
Form der Freiheit nicht.
Welch ein Unterschied zwischen Freiheit und Eigenheit! Gar vieles
kann man loswerden, Alles wird man doch nicht los; von Vielem wird
man frei, von Allem nicht. Innerlich kann man trotz des Zustandes der
Sklaverei frei sein, obwohl auch wieder nur von Allerlei, nicht von
Allem; aber von der Peitsche, der gebieterischen Laune usw. des Herrn
wird man als Sklave nicht frei. "Freiheit lebt nur in dem Reich der
Träume!" Dagegen Eigenheit, das ist mein ganzes Wesen und Dasein,
das bin Ich selbst. Frei bin Ich von Dem, was Ich los bin, Eigner von
dem, was Ich in meiner Macht habe, oder dessen Ich mächtig bin. Mein
eigen bin Ich jederzeit und unter allen Umständen, wenn Ich Mich