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zu haben verstehe und nicht an Andere wegwerfe. Das Freisein kann
Ich nicht wahrhaft wollen, weil Ich 's nicht machen, nicht erschaffen
kann: Ich kann es nur wŸnschen und darnach Ð trachten, denn es bleibt
ein Ideal, ein Spuk. Die Fesseln der Wirklichkeit schneiden jeden
Augenblick in mein Fleisch die schŠrfsten Striemen. Mein eigen aber
bleibe Ich. Einem Ge[174]bieter leibeigen hingegeben, denke Ich nur
an Mich und meinen Vorteil; seine SchlŠge treffen Mich zwar: Ich bin
nicht davon frei; aber Ich erdulde sie nur zu meinem Nutzen, etwa um
ihn durch den Schein der Geduld zu tŠuschen und sicher zu machen,
oder auch um nicht durch Widersetzlichkeit €rgeres Mir zuzuziehen.
Da Ich aber Mich und meinen Eigennutz im Auge behalte, so fasse Ich
die <208> nŠchste, gute Gelegenheit beim Schopfe, den
Sklavenbesitzer zu zertreten. Da§ Ich dann von ihm und seiner Peitsche
frei werde, das ist nur die Folge meines vorangegangenen Egoismus.
Man sagt hier vielleicht, Ich sei auch im Stande der Sklaverei "frei "
gewesen, nŠmlich "an sich" oder "innerlich". Allein "an sich frei"
ist nicht "wirklich frei" und "innerlich" nicht "Šu§erlich". Eigen
hingegen, mein eigen war Ich ganz und gar, innerlich und Šu§erlich.
Von den Folterqualen und Gei§elhieben ist mein Leib nicht "frei "
unter der Herrschaft eines grausamen Gebieters; aber meine Knochen
sind es, welche unter der Tortur Šchzen, meine Fibern zucken unter den
SchlŠgen, und Ich Šchze, weil mein Leib Šchzt. Da§ Ich seufze und er-
zittere, beweist, da§ Ich noch bei Mir, da§ Ich noch mein eigen bin.
Mein Bein ist nicht "frei " von dem PrŸgel des Herrn, aber es ist mein
Bein und ist unentrei§bar. Er rei§e Mir 's aus und sehe zu, ob er noch
mein Bein hat! Nichts behŠlt er in der Hand als den Ð Leichnam meines
Beines, der so wenig mein Bein ist, als ein toter Hund noch ein Hund
ist: ein Hund hat ein pulsierendes Herz, ein sogenannter toter Hund hat
keines und ist darum kein Hund mehr.
Meint man, da§ ein Sklave doch innerlich frei sein kšnne,
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so sagt man in der Tat nur das Unbestreitbarste und Trivialste. Denn
wer wird wohl behaupten, da§ irgend ein Mensch ohne alle Freiheit
sei? Wenn Ich ein Augendiener bin, kann Ich darum nicht von
unzŠhligen Dingen frei sein, z. B. vom Glauben an
Zeus
, von
Ruhmbegierde u. dergl.? Warum also sollte ein gepeitschter Sklave
nicht auch innerlich frei sein kšnnen von unchristlicher Gesinnung,
von [175] Feindesha§ usw.? Er ist dann eben "christlich frei", ist das
Unchristliche los; <209> aber ist er absolut frei, von Allem frei, z. B.
vom christlichen Wahne oder vom kšrperlichen Schmerze usw.?
Inzwischen scheint dies Alles mehr gegen Namen als gegen die Sache
gesagt zu sein. Ist aber der Name gleichgŸltig, und hat nicht stets ein
Wort, ein Schibboleth, die Menschen begeistert und Ð betšrt? Doch
zwischen der Freiheit und der Eigenheit liegt auch noch eine tiefere
Kluft, als die blo§e Wortdifferenz.
Alle Welt verlangt nach Freiheit, Alle sehnen ihr Reich herbei. O
bezaubernd schšner Traum von einem blŸhenden "Reiche der
Freiheit", einem "freien Menschengeschlechte"! Ð wer hŠtte ihn nicht
getrŠumt? So sollen die Menschen frei werden, ganz frei, von allem
Zwange frei! Von allem Zwange, wirklich von allem? Sollen sie sich
selbst niemals mehr Zwang antun? "Ach ja, das wohl, das ist ja gar
kein Zwang!" Nun, so sollen sie doch frei werden vom religišsen
Glauben, von den strengen Pflichten der Sittlichkeit, von der
Unerbittlichkeit des Gesetzes, von Ð "Welch fŸrchterliches
Mi§verstŠndnis!" Nun, wovon sollen sie denn frei werden, und wovon
nicht?
Der liebliche Traum ist zerronnen, erwacht reibt man die
halbgešffneten Augen und starrt den prosaischen Frager an. "Wovon
die Menschen frei werden sollen?" Ð Von der BlindglŠubigkeit, ruft
der Eine. Ei was, schreit ein Anderer, aller Glaube ist BlindglŠubigkeit;
sie mŸssen von allem Glauben frei werden. Nein, nein, um
Gotteswillen, Ð fŠhrt