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Geistige, den Einen die irdischen Dinge und VerhŠltnisse, den Andern
die himmlischen (das himmlische Vaterland, "das
Jerusalem
, das
droben ist" usw.), so bleibt immer noch zu betrachten, wie aus dem
Altertum die neue Zeit und jene unleugbare Umkehrung hervorgehen
konnte. Es haben die Alten aber selbst darauf hingearbeitet, ihre Wahr-
heit zu einer LŸge zu machen.
Greifen Wir sogleich mitten in die glŠnzendsten Jahre der Alten
hinein, in das perikleische Jahrhundert. Damals griff die sophistische
Zeitbildung um sich, und
Griechenland
trieb mit dem Kurzweile, was
ihm seither ein ungeheurer Ernst gewesen war.
Zu lange waren die VŠter von der Gewalt des ungerŸttelten
Bestehenden geknechtet worden, als da§ die Nachkommen nicht an den
bitteren Erfahrungen hŠtten lernen sollen, sich <24> zu fŸhlen. Mit
mutiger Keckheit sprechen daher die Sophisten das ermannende Wort
aus: "La§ Dich nicht verblŸffen!" und verbreiten die aufklŠrende
Lehre: "Brauche gegen alles Deinen Verstand, Deinen Witz, Deinen
Geist; mit einem guten und geŸbten Verstande kommt man am besten
durch die Welt, bereitet sich das beste Los, das angenehmste Leben."
Sie erkennen also in dem Geiste die wahre Waffe [18] des Menschen
gegen die Welt. Darum halten sie so viel auf dialektische Gewandtheit,
Redefertigkeit, Disputierkunst etc. Sie verkŸnden, da§ der Geist gegen
Alles zu brauchen ist; aber von der Heiligkeit des Geistes sind sie noch
weit entfernt, denn er gilt ihnen als Mittel, als Waffe, wie den Kindern
List und Trotz dazu dient: ihr Geist ist der unbestechliche Verstand.
Heutzutage wŸrde man das eine einseitige Verstandesbildung nennen
und die Mahnung hinzufŸgen: Bildet nicht blo§ Euren Verstand,
sondern besonders auch Euer Herz. Dasselbe tat
Sokrates
. Wurde
nŠmlich das Herz von seinen natŸrlichen Trieben nicht frei, sondern
blieb es vom zufŠlligsten Inhalt erfŸllt und als eine unkritisierte
Begehrlichkeit ganz in der Gewalt der Dinge, d. h. nichts als ein GefЧ
der ver
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schiedensten GelŸste, so konnte es nicht fehlen, da§ der freie Verstand
dem "schlechten Herzen" dienen mu§te und alles zu rechtfertigen
bereit war, was das arge Herz begehrte.
Darum sagt
Sokrates
, es genŸge nicht, da§ man in allen Dingen seinen
Verstand gebrauche, sondern es komme darauf an, fŸr welche Sache
man ihn anstrenge. Wir wŸrden jetzt sagen: Man mŸsse der "guten
Sache" dienen. Der guten Sache dienen, hei§t aber Ð sittlich sein.
Daher ist
Sokrates
der GrŸnder der Ethik.
<25> Allerdings mu§te das Prinzip der Sophistik dahin fŸhren, da§
der unselbstŠndigste und blindeste Sklave seiner Begierden doch ein
trefflicher Sophist sein und mit VerstandesschŠrfe alles zu Gunsten
seines rohen Herzens auslegen und zustutzen konnte. Was gŠbe es
wohl, wofŸr sich nicht ein "guter Grund" auffinden, und was sich
nicht durchfechten lie§e?
Darum sagt
Sokrates
: Ihr m٤t "reinen Herzens sein", wenn man
eure Klugheit achten soll. Von hier ab beginnt die zweite Periode
griechischer Geistesbefreiung, die Periode der Herzensreinheit. Die
erste nŠmlich kam durch die Sophisten zum Schlu§, indem sie die
Verstandesallmacht proklamierten. Aber das Herz blieb weltlich
gesinnt, blieb ein Knecht [19] der Welt, stets affiziert durch weltliche
WŸnsche. Dies rohe Herz sollte von nun an gebildet werden: die Zeit
der Herzensbildung. Wie aber soll das Herz gebildet werden? Was der
Verstand, diese eine Seite des Geistes, erreicht hat, die FŠhigkeit
nŠmlich, mit und Ÿber allem Gehalt frei zu spielen, das steht auch dem
Herzen bevor: alles Weltliche mu§ vor ihm zu Schanden werden, so
da§ zuletzt Familie, Gemeinwesen, Vaterland u. dergl. um des Herzens,
d. h. der Seligkeit, der Seligkeit des Herzens willen, aufgegeben wird.
AlltŠgliche Erfahrung bestŠtigt es, da§ der Verstand lŠngst einer Sache
entsagt haben kann, wenn das Herz noch viele Jahre fŸr sie schlŠgt. So
war auch der sophistische Verstand Ÿber die herrschenden, alten
MŠchte so weit Herr geworden, da§ sie nur noch aus dem Herzen,
worin sie unbelŠstigt hausten,