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(188)
der Erste wieder los, ­ werft nicht allen Glauben von Euch, sonst
bricht die Macht der Brutalität herein. Wir müssen, läßt sich ein Dritter
vernehmen, die Republik haben und von allen gebietenden Herren ­
frei werden. Damit ist nichts geholfen, <210> sagt ein Vierter; Wir
kriegen dann nur einen neuen Herrn, eine "herrschende Majorität";
vielmehr laßt Uns von der schrecklichen Ungleichheit Uns befreien. ­
O unselige Gleichheit, höre Ich dein pöbelhaftes Gebrüll schon wieder!
Wie [176] hatte Ich so schön noch eben von einem Paradiese der
Freiheit geträumt, und welche ­ Frechheit und Zügellosigkeit erhebt
jetzt ihr wildes Geschrei! So klagt der Erste und rafft sich auf, um das
Schwert zu ergreifen gegen die "maßlose Freiheit." Bald hören Wir
nichts mehr als das Schwertergeklirr der uneinigen Freiheitsträumer.
Der Freiheitsdrang lief zu jeder Zeit auf das Verlangen nach einer
bestimmten Freiheit hinaus, z. B. Glaubensfreiheit, d. h. der gläubige
Mensch wollte frei und unabhängig werden; wovon? etwa vom
Glauben? nein! sondern von den Glaubensinquisitoren. So jetzt
"politische oder bürgerliche" Freiheit. Der Bürger will frei werden,
nicht vom Bürgertum, sondern von Beamtenherrschaft, Fürstenwillkür
u. dergl. Fürst
Metternich
sagte einmal, er habe "einen Weg gefunden,
der für alle Zukunft auf den Pfad der echten Freiheit zu leiten geeignet
sei." Der
Graf von Provence
* lief gerade zu der Zeit aus Frankreich
fort, als es sich dazu anließ, das "Reich der Freiheit" zu stiften, und
sagte: "Meine Gefangenschaft war Mir unerträglich geworden, ich
hatte nur Eine Leidenschaft: das Verlangen nach ­ Freiheit, Ich dachte
nur an sie."
Der Drang nach einer bestimmten Freiheit schließt stets die Absicht
auf eine neue Herrschaft ein, wie denn die Revolution zwar "ihren
Verteidigern das erhebende Gefühl geben konnte, daß sie für die
Freiheit kämpften", in Wahrheit aber nur, weil man auf eine bestimmte
Freiheit, darum auf eine neue Herrschaft, die "Herrschaft des
Gesetzes" ausging.
<211> (189)
Freiheit wollt Ihr Alle, Ihr wollt die Freiheit. Warum schachert Ihr
denn um ein Mehr oder Weniger? Die Freiheit kann nur die ganze
Freiheit sein; ein Stück Freiheit ist nicht die Freiheit. Ihr verzweifelt
daran, daß die ganze Freiheit, die Freiheit von Allem, zu gewinnen sei,
ja Ihr haltet 's für Wahnsinn, sie auch nur zu wünschen? ­ Nun, so laßt
ab, dem Phantome nachzujagen, und verwendet Eure Mühe auf etwas
Besseres, als auf das ­ Unerreichbare.
[177] "Ja es gibt aber nichts Besseres als die Freiheit!"
Was habt Ihr denn, wenn Ihr die Freiheit habt, nämlich ­ denn von
Euren brockenweisen Freiheitsstückchen will Ich hier nicht reden ­ die
vollkommene Freiheit? Dann seid Ihr Alles, Alles los, was Euch
geniert, und es gäbe wohl nichts, was Euch nicht einmal im Leben
genierte und unbequem fiele. Und um weswillen wolltet Ihr 's denn los
sein? Doch wohl um Euretwillen, darum, weil es Euch im Wege ist!
Wäre Euch aber etwas nicht unbequem, sondern im Gegenteil ganz
recht, z. B. der, wenn auch sanft, doch unwiderstehlich gebietende
Blick eurer Geliebten ­ da würdet Ihr nicht ihn los und davon frei sein
wollen. Warum nicht? Wieder um Euretwillen! Also Euch nehmt Ihr
zum Maße und Richter über Alles. Ihr laßt die Freiheit gerne laufen,
wenn Euch die Unfreiheit, der "süße Liebesdienst", behagt; und Ihr
holt Euch eure Freiheit gelegentlich wieder, wenn sie Euch besser zu
behagen anfängt, vorausgesetzt nämlich, worauf es an dieser Stelle
nicht ankommt, daß Ihr Euch nicht vor einer solchen Repeal der Union
aus andern (etwa religiösen) Gründen fürchtet.
Warum wollt Ihr nun den Mut nicht fassen, Euch wirklich ganz und
gar zum Mittelpunkt und zur Hauptsache <212> zu machen? Warum
nach der Freiheit schnappen, eurem Traume? Seid Ihr euer Traum?
Fragt nicht erst bei euren Träumen, euren Vorstellungen, euren
Gedanken an, denn das ist Alles "hohle Theorie". Fragt euch und
fragt nach Euch ­ das ist praktisch, und Ihr wollt ja gerne "praktisch"
sein.