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Da lauscht aber der Eine, was wohl sein Gott (natürlich das, was er
sich bei dem Namen Gott denkt, ist sein Gott) dazu sagen wird, und ein
Anderer, was wohl sein sittliches Gefühl, sein Gewissen, sein
Pflichtgefühl, darüber bestimme, und ein Dritter berechnet, was die
Leute davon denken werden,
und wenn so Jeder seinen Herrgott (die
Leute sind ein ebenso guter, ja noch kompakterer Herrgott als der
jenseitige und eingebildete: vox populi, vox dei*) gefragt hat, dann
schickt er sich in den Willen seines Herrn und hört gar [178] nicht
mehr darauf, was Er selber gerne sagen und beschließen möchte.
Darum wendet Euch lieber an Euch als an eure Götter oder Götzen.
Bringt aus Euch heraus, was in Euch steckt, bringt 's zu Tage, bringt
Euch zur Offenbarung.
Wie Einer nur aus sich handelt und nach nichts weiter fragt, das haben
die Christen in "Gott " zur Vorstellung gebracht. Er handelt, "wie ' s
ihm gefällt". Und der törichte Mensch, der 's geradeso machen
könnte, soll statt dessen handeln, wie 's "Gott gefällt". Sagt man,
auch Gott verfahre nach ewigen Gesetzen, so paßt auch das auf Mich,
da auch Ich nicht aus meiner Haut fahren kann, sondern an meiner
ganzen Natur, d. h. an Mir mein Gesetz habe.
Aber man braucht Euch nur an Euch zu mahnen, um Euch gleich zur
Verzweiflung zu bringen. "Was bin Ich?" so fragt sich Jeder von
Euch. Ein Abgrund von regel- und <213> gesetzlosen Trieben,
Begierden, Wünschen, Leidenschaften, ein Chaos ohne Licht und
Leitstern! Wie soll Ich, wenn Ich ohne Rücksicht auf Gottes Gebote
oder auf die Pflichten, welche die Moral vorschreibt, ohne Rücksicht
auf die Stimme der Vernunft, welche im Lauf der Geschichte nach
bitteren Erfahrungen das Beste und Vernünftigste zum Gesetze erhoben
hat, lediglich Mich frage, eine richtige Antwort erhalten? Meine
Leidenschaft würde Mir gerade zum Unsinnigsten raten. So hält Jeder
sich selbst für den Teufel; denn hielte er sich, sofern er um Religion
usw. unbekümmert ist, nur
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für ein Tier, so fände er leicht, daß das Tier, das doch nur seinem
Antriebe (gleichsam seinem Rate) folgt, sich nicht zum
"Unsinnigsten " rät und treibt, sondern sehr richtige Schritte tut. Allein
die Gewohnheit religiöser Denkungsart hat unsern Geist so arg
befangen, daß Wir vor Uns in unserer Nacktheit und Natürlichkeit
erschrecken; sie hat Uns so erniedrigt, daß Wir Uns für erbsündlich, für
geborene Teufel halten. Natürlich fällt Euch sogleich ein, daß Euer
Beruf erheische, das "Gute " zu tun, das Sittliche, das Rechte. Wie
kann nun, wenn Ihr Euch fragt, was zu tun sei, die [179] rechte Stimme
aus Euch heraufschallen, die Stimme, welche den Weg des Guten,
Rechten, Wahren usw. zeigt? Wie stimmt Gott und Belial*?
Was würdet Ihr aber denken, wenn Euch Einer erwiderte: daß man auf
Gott, Gewissen, Pflichten, Gesetze usw. hören solle, das seien Flausen,
mit denen man Euch Kopf und Herz vollgepfropft und Euch verrückt
gemacht habe? Und wenn er Euch früge, woher Ihr 's denn so sicher
wißt, daß die Naturstimme eine Verführerin sei? Und wenn er Euch gar
zumutete, die Sache umzukehren, und geradezu die Got<214>tes- und
Gewissensstimme für Teufelswerk zu halten? Solche heillose
Menschen gibt 's; wie werdet Ihr mit ihnen fertig werden? Auf eure
Pfaffen, Eltern und guten Menschen könnt Ihr Euch nicht berufen,
denn die werden eben als eure Verführer von jenen bezeichnet, als die
wahren Jugendverführer und Jugendverderber, die das Unkraut der
Selbstverachtung und Gottesverehrung emsig aussäen, die jungen
Herzen verschlämmen und die jungen Köpfe verdummen.
Jene nun fahren aber fort und fragen: Um weswillen bekümmert Ihr
Euch um Gottes und die andern Gebote? Ihr meint doch nicht, daß dies
bloß aus Gefälligkeit gegen Gott geschehe? Nein, Ihr tut 's wieder
um Euretwillen. Also auch hier seid Ihr die Hauptsache und Jeder
muß sich sagen: Ich bin Mir Alles und ich tue Alles Meinethalben.
Würde Euch 's jemals klar, daß