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Euch der Gott, die Gebote usw. nur schaden, da§ sie Euch verkŸrzen
und verderben: gewi§, Ihr wŸrfet sie von Euch, gerade wie die Christen
einst den
Apollo
oder die
Minerva
oder die heidnische Moral
verdammten. Sie stellten freilich
Christus
und hernach die Maria, sowie
eine christliche Moral an die Stelle; aber sie taten das auch um ihres
Seelenheils willen, also aus Egoismus oder Eigenheit.
Und dieser Egoismus, diese Eigenheit war 's, durch die sie die alte
Gštterwelt los und von ihr frei wurden. Die Eigenheit erschuf eine neue
Freiheit; denn die Eigenheit ist die Schšpferin von Allem, wie schon
lŠngst die GenialitŠt (eine be[180]stimmte Eigenheit), die stets
OriginalitŠt ist, als die Schšpferin neuer weltgeschichtlicher
Produktionen angesehen wird.
Soll 's einmal doch "die Freiheit" gelten mit eurem Streben, nun so
erschšpft ihre Forderungen. Wer soll denn <215> frei werden? Du, Ich,
Wir. Wovon frei? Von Allem, was nicht Du, nicht Ich, nicht Wir ist.
Ich also bin der Kern, der aus allen VerhŸllungen erlšst, von allen
beengenden Schalen Ð befreit werden soll. Was bleibt Ÿbrig, wenn Ich
von Allem, was Ich nicht bin, befreit worden? Nur Ich und nichts als
Ich. Diesem Ich selber aber hat die Freiheit nichts zu bieten. Was nun
weiter geschehen soll, nachdem Ich frei geworden, darŸber schweigt
die Freiheit, wie unsere Regierungen den Gefangenen nach
abgelaufener Haftzeit nur entlassen und in die Verlassenheit
hinaussto§en.
Warum nun, wenn die Freiheit doch dem Ich zu Liebe erstrebt wird,
warum nun nicht das Ich selber zu Anfang, Mitte und Ende wŠhlen?
Bin Ich nicht mehr wert als die Freiheit? Bin Ich es nicht, der Ich Mich
frei mache, bin Ich nicht das Erste? Auch unfrei, auch in tausend
Fesseln geschlagen, bin Ich doch, und Ich bin nicht etwa erst zukŸnftig
und auf Hoffnung vorhanden, wie die Freiheit, sondern Ich bin auch als
Verworfenster der Sklaven Ð gegenwŠrtig.
Bedenkt das wohl und entscheidet Euch, ob Ihr auf eure
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Fahne den Traum der "Freiheit" oder den Entschlu§ des
"Egoismus", der "Eigenheit" stecken wollt. Die "Freiheit" weckt
euren Grimm gegen Alles, was Ihr nicht seid; der "Egoismus" ruft
Euch zur Freude Ÿber Euch selbst, zum Selbstgenusse; die "Freiheit"
ist und bleibt eine Sehnsucht, ein romantischer Klagelaut, eine
christliche Hoffnung auf Jenseitigkeit und Zukunft; die "Eigenheit"
ist eine Wirklichkeit, die von selbst gerade soviel Unfreiheit beseitigt,
als Euch hinderlich den eigenen Weg versperrt. Von dem, was Euch
nicht stšrt, werdet Ihr Euch nicht lossagen wollen, und wenn <216> es
Euch zu stšren anfŠngt, nun so wi§t Ihr, da§ "Ihr Euch mehr
gehorchen mŸsset, denn den Menschen!"
Die Freiheit lehrt nur: Macht Euch los, entledigt Euch alles [181]
LŠstigen; sie lehrt Euch nicht, wer Ihr selbst seid. Los, los! so tšnt ihr
Losungswort, und Ihr, begierig ihrem Rufe folgend, werdet Euch selbst
sogar los, "verleugnet Euch selbst". Die Eigenheit aber ruft Euch zu
Euch selbst zurŸck, sie spricht: "Komm zu Dir!" Unter der €gide der
Freiheit werdet Ihr Vielerlei los, aber Neues beklemmt Euch wieder:
"den Bšsen seid Ihr los, das Bšse ist geblieben". Als Eigene seid Ihr
wirklich Alles los, und was Euch anhaftet, das habt Ihr angenommen,
das ist eure Wahl und euer Belieben. Der Eigene ist der geborene
Freie
, der Freie von Haus aus; der Freie dagegen nur der
FreiheitssŸchtige, der TrŠumer und SchwŠrmer.
Jener ist ursprŸnglich frei, weil er nichts als sich anerkennt; er braucht
sich nicht erst zu befreien, weil er von vornherein Alles au§er sich
verwirft, weil er nichts mehr schŠtzt als sich, nichts hšher anschlŠgt,
kurz, weil er von sich ausgeht und "zu sich kommt". Befangen im
kindlichen Respekt, arbeitet er gleichwohl schon daran, aus dieser
Befangenheit sich zu "befreien ". Die Eigenheit arbeitet in dem
kleinen Egoisten und verschafft ihm die begehrte Ð Freiheit.
Jahrtausende der Kultur haben Euch verdunkelt, was Ihr seid, haben
Euch glauben gemacht, Ihr seiet keine Egoisten,