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Mich nicht auf gegen Dich, sondern warte nur meine Zeit ab.
Bescheide Ich Mich auch für jetzt, Dir etwas anhaben zu können, so
gedenke Ich Dir 's doch!
Kräftige Menschen haben 's von jeher so gemacht. Hatten die
"Ergebenen " eine unbezwungene Macht zu ihrer Herrin erhoben und
angebetet, hatten sie Anbetung von Allen verlangt, so kam ein solcher
Natursohn, der sich nicht ergeben wollte, und jagte die angebetete
Macht aus ihrem unersteiglichen Olymp. Er rief der laufenden Sonne
sein "Stehe " zu, und ließ die Erde kreisen: die Ergebenen mußten
sich 's gefallen lassen; er legte an die heiligen Eichen seine Axt, und
die "Ergebenen " staunten, daß kein himmlisches Feuer ihn verzehre;
er warf den Papst vom Petersstuhle, und die "Ergebenen " wußten 's
nicht zu hindern; er reißt die Gottesgnadenwirtschaft nieder, und die
"Ergebenen " krächzen, um endlich erfolglos zu verstummen.
Meine Freiheit wird erst vollkommen, wenn sie meine ­ Ge[184]walt
ist; durch diese aber höre Ich auf, ein bloß Freier zu sein, und werde
ein Eigener. Warum ist die Freiheit der Völker ein "hohles Wort"?
Weil die Völker keine Gewalt haben! Mit einem Hauch des lebendigen
Ich 's blase Ich Völker um, und wär 's der Hauch eines Nero, eines
chinesischen Kaisers oder eines armen Schriftstellers. Warum
schmachten denn die d . . . . . . . . Kammern vergeblich nach Freiheit,
und werden dafür von den Ministern geschulmeistert? Weil <220> sie
keine "Gewaltigen " sind! Die Gewalt ist eine schöne Sache, und zu
vielen Dingen nütze; denn "man kommt mit einer Handvoll Gewalt
weiter, als mit einem Sack voll Recht". Ihr sehnt Euch nach der
Freiheit? Ihr Toren! Nähmet Ihr die Gewalt, so käme die Freiheit von
selbst. Seht, wer die Gewalt hat, der "steht über dem Gesetze". Wie
schmeckt Euch diese Aussicht, ihr "gesetzlichen" Leute? Ihr habt
aber keinen Geschmack!
Laut erschallt ringsum der Ruf nach "Freiheit". Fühlt und weiß man
aber, was eine geschenkte oder oktroyierte Frei
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heit zu bedeuten hat? Man erkennt es nicht in der ganzen Fülle des
Wortes, daß alle Freiheit wesentlich ­ Selbstbefreiung sei, d. h. daß Ich
nur so viel Freiheit haben kann, als Ich durch meine Eigenheit Mir
verschaffe. Was nützt den Schafen, daß ihnen Niemand die
Redefreiheit verkürzt? Sie bleiben beim Blöken. Gebt einem, der
innerlich ein Mohammedaner, ein Jude oder ein Christ ist, die
Erlaubnis zu sprechen, was er mag: er wird doch nur borniertes Zeug
vorbringen. Rauben Euch dagegen gewisse Andere die Rede- und
Hörfreiheit, so verstehen sie sich ganz richtig auf ihren zeitweiligen
Vorteil, da Ihr vielleicht etwas zu sagen und zu hören vermöchtet,
wodurch jene "Gewissen" um ihren Kredit kämen.
Wenn sie Euch dennoch Freiheit geben, so sind sie eben Schelme, die
mehr geben, als sie haben. Sie geben Euch dann nämlich nichts von
ihrem Eigenen, sondern gestohlene Ware, geben Euch eure eigene
Freiheit, die Freiheit, welche Ihr Euch selbst nehmen müßtet; und sie
geben sie Euch nur, da[185]mit Ihr sie nicht nehmet, und die Diebe und
Betrüger obenein zur Verantwortung zieht. In ihrer Schlauheit wissen
sie <221> es wohl, daß die gegebene (oktroyierte) Freiheit doch keine
Freiheit ist, da nur die Freiheit, die man sich nimmt, also die Freiheit
des Egoisten, mit vollen Segeln schifft. Geschenkte Freiheit streicht
sogleich die Segel, sobald Sturm oder ­ Windstille eintritt: sie muß
immer ­ gelinde und mittelmäßig angeblasen werden.
Hier liegt der Unterschied zwischen Selbstbefreiung und
Emanzipation (Freisprechung, Freilassung). Wer heutigen Tages "in
der Opposition steht", der lechzt und schreit nach "Freilassung". Die
Fürsten sollen ihre Völker für "mündig erklären", d. h. emanzipieren!
Betragt Euch als mündig, so seid Ihr 's ohne jene Mündigsprechung,
und betragt Ihr Euch nicht darnach, so seid Ihr 's nicht wert, und wäret
auch durch Mündigsprechung nimmermehr mündig. Die mündigen
Griechen jagten ihre Tyrannen fort, und der mündige Sohn macht