ON STIRNER AND SZELIGA, 1882 EDGAR BAUER
Editor's Note: When John H. Mackay prepared his book on Stirner, he wrote a number of letters to former members of that intellectual encounter-group, "The Free [die Freien]. "
Mackay's friend, Max Hildebrandt, sent him the following letter from Edgar Bauer, which was not published, but which he nevertheless employed in his book for characterizing Stirner, and it gives a vivid portrait of two of the most active members of the group: Stirner and Szeliga. They, like Dr. Oswald [Engels], took up noms de guerre in their world-historical struggle of the Free.
Stirner's name was Johann C. Schmidt, Szeliga's name Franz Szeliga Zychlin von Zychlinsky. The former was a teacher at a private boarding school for girls, the latter military adjutant to a Prussian Prince, and Lieutenant in a Guard-Regiment; the former, poor and the author of Der Einzige und sein Eigentum, died in poverty; the latter, somewhat rich, was first a contributor to Bruno Bauer's radical periodicals of 1843-46, and then of two ultraconservative studies, the Geschichte des 24. Infantrieregiments (1854/57), and Das preussische Offizierskorps als Erzieher des Volkes (1962). Szeliga distinguished himself on the battlefields of 1849, 1866 and 1870, becoming the highest decorated General of Infantry. When he died in 1900, the Kaiser ordered three days of mourning for both the 3rd Garde-Grenadierregiment and the 27th. Infantrieregiment.
As to any psychoanalytic interpretation of Stirner or anarchism in general, the information contained in this letter regarding Stirner's sexual life is certainly of interest.
The material collected by Mackay was sold by the Stimer-Archiv in 1925 to the Marx-Engels Institute in Moscow, During the night before delivery, the secretary of the Stirner-Archiv, Leo Kasarnowski, copied some unedited manuscripts which he thought were important. This letter of Edgar Bauer was one of those manuscripts. The original is now in the Berlin-archives of the Stiftung Preusseischer Kulturbesitz, and is here published for the first time.
H. M. S.
Hochgeehrter Herr!
Max Stirner war der Beiname eines Lehrers und Doctors der Philosophie in Berlin, der aus einer Bürgerfamilie der Stadt Danzig Stammte und dessen wirklicher Name Schmidt lautete. Er hatte den Beinamen schon als Student erhalten wegen seiner hohen Stirn, welche ihr Gebiet
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noch dazu durch Vertilgung der vorderen Kopfhaare erweitert hatte. Die Schule, an welcher er wirkte, war eine wohlbegründete von einer Dame geleitete Privatanstalt für halberwachsene Töchter aus den reicheren Ständen; er unterrichtete in der Deutschen Sprache und Geschichte und ließ seine Schülerinnen viele und lange Aufsätze schreiben. Um das Jahr 1839 heiratete er eine seiner Schülerinnen und führte mit ihr eine harmonische Ehe. Die junge Frau starb im ersten Kindbett, auch das Kind blieb nich am Leben.
Im Beginn der vierziger Jahre war Stirner der Berliner Correspondent der Leipziger Allgemeinen Zeitung, deren Titel, in Folge Leipziger Allgemeinen Zeitung, deren Titel, in Folge preußischer Maßregeln, geändert wurde und dann Deutsche Allgemeine Zeitung hieß. Für die Hallischen (Deutschen) Jahrbücher hat Stirner keine Beiträge geliefert. Er war — ich spreche hier von den Jahren 1841 und folgende ein unbedingtliebenswürdiger, unaufdringlicher Mensch, niemals beleidigend nie nach dem Auffallenden trachtend, weder in Redensarten noch in Benehmen oder Kleidung, er übernahm sich nie im Trinken, war mäßig im Essen, war ohne Leidenschaft, jungfräulich, kein Spieler, nie im Zorn, philosophierte ungern, warf ab und zu einen Scherz in die Unterhaltung. Der Gesamteindruck war der eines verständigen, unbedeutenden, guten Menschen. Er war gefällig, da er keine Widerstandskraft gegen irgendeine Bitte Besaß; ich weiß kein Beispiel, daß er jemandem einen Vorwurf gemacht oder etwas Mißliebiges hinter dem Rücken des Nächsten gesagt habe. Denn seine Grundanlage war behäbige Bleich gültigkeit. Deshalb war er ohne Ehrgefühl und noch mehr ohne Ehrgeirz. Er bewahrte in sich eine stille Geneigtheit zum Spott ______, und einen verborgenen Kitzel, der
ihm curaunte, dab er doch klüger sei als alle die Kritiker und Gläubigen seiner Zeit und allen Zeiten. Nach und nach verbreitete sich unter den Freunden das Gerücht, daß er an einem großen Werke seit Jahren arbeite, zu welchem er bereits Blatt auf Blatt gehäuft habe und das immer noch, das ganz eigen-tümliche Gewebe seiner Gedanken in sich aufnehmend, anwachse. Insoweit hatte er das Geheimnis seines lebens verrathen, da er selber manchmal auf das Pult hindeutete, wo sein Ich verborgen liege. Niemand durfte das Manuskript sehen, Niemand eine Probe daraus hören; die Existenz desselben konnte auch eine Fabel seyn, und wurde von Manchen als solche behandelt, bis es plötzlich unter dem Titel "Der Einzig und sein Eigenthum" ans Licht trat. Doch vorher that Stirner einen Schritt, der zugleich die Vorrede und die Antithese zu seinem Werke bildete. Er verheiratete sich zum zweiten Male, und zwar mit einer jungen, vermögenden, geistvollen Dame aus Mecklenburg. Er gab seine Lehrerstelle auf, widmete sich nur der Sichtung auffallender Stellen, systematischeren Ordnung, Reinschrift seiner Ausarbeitungen. Das Buch, die volle Ungebundenheit und totale Knechtschaft des Einzigen darstellend, machte verdientes Aufsehen, is unsterblich und gilt noch neute so gut wie vor vierzig Jahren. Es hatte nur den einen Fehler, daß der Verfasser nicht davon leben konnte. Um dem Haushalt zu Hilfe zu kommen, entwarf er den Plan einer Herausgabe der nationalökonomischen Klassiker, deren Werke er vermöge des Lichtes der Stirnerschen Philosophie mit Anmerkungen begleiten wollte. Der Text von Say und Adam Smith ist in seiner Übersetzung erschienen, jedoch die Anmerkungen sind nicht zur Welt gekommen, da die Stirnersche Philosophie viel zu unweltlich ist, um sich ernstlich mit Thatsächlichkeiten — vorübergehenden, illusorischen, nichtigen Dingen — abgeben zu kommen. So scheiterte denn auch Stirner an den praktichen Notwendigkeiten des Ehestandes, seine Gattin ging nach England, nach Australien. Der Mann fuhr fort, begnüglich einsam, heiter-miserabel, möglichst unbemerkt, möglichst wenig arbeitend, aber stets für gute Cigarren sorgend, die so ziemlich seine einzigen Lieblinge waren, bedürfnislos-anständig, in ärmlcher Wohnung, aber stets guter Kleidung, berlinerisch zu existieren. Ein unerwartet trauriger Tod raffte ihn dahin. Durch einen Fliegenstich vergiftet, starb er im Krankenhaus an allgemeiner
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Geschwulst. Dies geschan vor dreißig Jahren. Er erreichte ein Alter von etwa vierzig Jahren. Sie fragen, ob Stirner gutmüthig oder hartherzig war? Keines von beiden, insoweit er weder Muth noch Herz hatte, weder das Gute liebte, noch das Harte als solches gelten ließ. Er war stumpf aus einer Art egoistischer Berechnung, aber auch nicht gewappnet mit dem Panzer der Selbstsucht. Er konnte nicht Antheit nehmen, doch auch nicht abstoßen. Sein Charakter erhellt am besten aus der Thatsache, daß keine Frau es bei dem bedürfnislosen Manne auszuhalten vermochte. Die erste starb, die andere ging ins Ausland. Er gestand mir einst, er habe eine Abneigung gegen seine erste Frau gefaßt, sobald er sie nackt erblickte. Sie habe sich einst unbewußt im Schlaf entblößt, worauf er sie nicht wieder habe berühren können. Die Einzigkeit des Einzigen verletzte den Einzigen. "War er gesellig Gewiß, er war kein Duckmäuser. "Wie war Stirners äußere Erscheinung?" Vollkommen die eines Mädchenlehrers der besten Art. Hinter silberner Brille ein sanfter Blick ohne jegliche Begehrlichkeit, mittlere Grobe, saubere Kleidung, behäbig, inoffensiv, nichtin geringsten lappig oder läppisch.
Szeliga hieß mit vollem Namen Szelige von Zychlinski Eine militärische Erscheinung, stattlich im Uniformrock, damals (1842) Adjutant bei einem der Prinzen in Berlin, Premier-Lieutenant. Exakt im Denken und Sprechen, streberisch, soldatische hingeneigt zur Kritik, da diese immer und zu allen Zeiten dem Militât den Weg bahnt. Sein Gesichtskreis praktisch-eng, wie es bei einem Soldaten seyn muß, der vorwärts kommen will. Seine Gesinnung nicht im geringsten revolutionär oder oppositonell. Das Soldat fordert von der Philosophie nur, daß sie ihn von allen bürgerlichen Rücksichten befreit, dann hat sie ihr Werk gethan. Ich habe nie geglaubt, daß Szeliga der Verfasser der Abhandlungen war, die er lieferte. Er war damals etwa 38 Jahre alt; im Jahre 1848 zeichnete sich ein Hauptman v. Zychlinski als Kämpfer für die Dynastie aus. Ich glaube, es war jener Anhänger der reinen Kritik. Der Name tritt in der Rangliste mehrfach auf, wahrscheinlich lebt der 42er noch. Er stammte aus dem Großherzogthum Posen, Haar: rothbräunlich, Eindruck: germanisch, Nase: kräftig gebierterisch geogen. Ein Zychlinski hat ein reiche Erben, Hofdame, geheiratet. Ist es derselbe? Ich weiß es nicht.
Die weitläufige Abhandlung über Sue's Mysterien von Paris stammt von Stirner. Ihr Gehorsamster Bauer. "
Most Honorable Sir:
Max Stirner was the nickname of a teacher and doctor [Stirner was never awarded the doctorate] in Berlin, who was born of a middle-class family from Danzig [Bayreuth] and whose real name was Schmidt. He had earlier, as a student, received the nickname because of his high forehead [Stirn], which was even further heightened by the manner in which his hair was parted. The school in which he worked was a well-estabished private school, directed by a woman [Mme. Gropius] for young ladies of the wealthy class. He taught German and History, and had his students compose many long essays. About 1839 [1837] he married one of his students [very improbable, as he did not begin teaching until after the death of this first wife, Agnes
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Burtz], and had a harmonious marriage. The young woman died during her first childbirth, and the child as well.
In the beginning of the 40s, Stirner was the Berlin correspondent of the Leipziger Allgemeinen Zeitung, whose title, following Prussian regulations, was changed to the Deutsche Allgemeinen Zeitung. Stirner contributed nothing to the Hallischen (Deutschen) Jahrbücher. He was — and I speak here from the year 1841 onward — simply an amiable and unobtrusive person, never offensive nor striving after brilliant effects either in phrase, conduct, or appearance. He was never drunk, was temperate in eating, cool, chaste, not a gambler, never angry, uninclined to philosophizing, being offhanded and joking during discussins. The general impression was of an intelligent, unimpressive good person. He was agreeable to be with, as he had no power to resist any request, and I know of no occasion where he made an accusation against anyone or spoke badly about someone behind their back. His basic attitude was one of easy indifference. For this reason, he was without a feeling of pride and even less of ambition. He kept in himself a quiet inclination to mockery, and a hidden imp, which whispered to him that he was more clever than all the critics and believers of his time and any other. Again and again he spread the rumor among his friends that he had been working for years on a great work, to which he had already compiled page upon page, and that it took up in its development the whole fabric of his thought. In this regard, he had revealed the secret of his life, for he sometimes pointed to the desk where his Ego lie concealed. No one was allowed to see the manuscript, no one had ever heard of it being examined, and its existence could have even been a fable — it was considered as such by many — until it suddenly came to light under the title of Der Einzige und sein Eigentum. However, before that, Stirner had taken a step which shaped at the same time both the forward and the antithesis of his work. He married for the second time, and now with a young, monied, spirited lady from Mecklenburg. He gave up his teaching post, and devoted himself only to the securing of fitting passages, systematic order, and a stylistic clarity to his work. The book presenting the full unrestrained and total servility of the egoist, made a sensation, is immortal, and is just as valid today as it was forty years ago. It had only one drawback — the writer couldn't live on it. In order to help out with household expenses, he conceived of a plan to edit the classics of national economy, which works he intended to portray in the light of Stirnerian philosophy with the aid of an accompanying commentary. The text from Say and Adam Smith has appeared in his translation. However, the commentary has not yet come into existence, because the Stirnerian philosophy is much too unworldly to
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deal with factual realities — given to transitory, illusory and negative things. Stirner was so incompetent in the necessities of the marital state that his wife left and went to England, then Australia. Restrained, alone, quietly miserable, generally unnoticed, possibly working little, but always caring for good cigars — which apparently were the only things dear to him — being respectfully frugal, in poor quarters, but always well dressed, the man continued to exist as a Berliner. He was taken by an unexpectedly sad death. Poisoned by a fly-bite, he died in a hospital from a tumor. This happened thirty years ago. He reached an age of about forty years. [Stirner died in 1856, a few months before his fiftieth birthday. ] You ask if Stirner was good-intentioned or hardhearted? Neither, insofar as he had neither will nor heart, he neither loved the good, nor valued hardness as such. He was dulled by a kind of egotistical calculation, but yet not armed with the armor of selfseeking. He could not take an advantage, and yet not deny it. His character is best illuminated by the fact that no woman was able to hold onto the undemanding man. The first died, the other went to another country. He confessed to me once that he had acquired an aversion for his first wife as soon as he had caught sight of her naked. She had once unconsciously uncovered herself during sleep, and from this he was never able to touch her again. The singularity of the unique kills the unique. "Was he sociable?" Certainly, he was not a sneak. "How as external appearance?" Completely that of the best sort of a teacher for young ladies. Behind silver glasses a gentle look without any lust, normal size, clean clothes, easy mannered, inoffensive, not in the least ragged or silly.
The full name of Szeliga was Szelige von Zychlinski. A military appearance, stately in military uniform, and at that time (1842) Adjutant to one of the Princes in Berlin, First-Lieutenant. Exact in thinking and in speech, diligent, with a soldierly inclination to criticism, since this always and ever will set the way to military life. His horizon narrowly practical, as it must be with a soldier, who wants to advance. His sentiments not in the least revolutionary or oppositional. The soldier demanding from philosophy only that it free him from all middle-class concerns, because they have their work to do. I have never believed that Szeliga was the author of the article which he delivered. He was at that time about 28 years old. In the year 1848 a Major von Zychlinski distinguished himself as a fighter for the dynasty. I believe that it was that disciple of pure criticism. The name was repeatedly entered into the army-list. Apparently the 42er still lives. He originates out of the Grand Duchy of Posen. Hair: reddish-brown, Impression: Germanic, Nose: strongly and imperiously curved. A Zychlinski had married a rich heiress — court-lady. Is it the same? I don't know.
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The comprehensive treatment concerning Sue's Mysteries of Paris originates from Stirner. Yours Obediently, Bauer.
Translated by Lawrence S. Stepelevich Villanova University